Jetzt haben es die Leute in Linden Schwarz auf Weiß. Ihre Lieblingsvariante einer Ortsumgehung hat keine Chance auf eine Umsetzung. Das heißt aber noch nicht, dass es gar keine Aussicht mehr auf eine Entlastung des Markt Erlbacher Ortsteils vom Verkehr gibt.
Ganz überraschend kam die Ablehnung aus dem bayerischen Bauministerium nicht. Schon vor einiger Zeit war aus dem Staatlichen Bauamt verlautet, dass es aus artenschutzrechtlichen Gründen schwer werden könnte, die ortsfernste von ursprünglich sieben Trassen umzusetzen. Die Lindener hielten aber an dieser Streckenführung fest.
Der Geschäftsleitende Beamte Sebastian Gaukler verdeutlicht die Probleme, welche die Planung mit sich brachte: „Allein 26 Paare der Feldlerche wurden auf dieser Trasse gefunden. Das bedeutet, dass allein für den Artenschutz 13 Hektar an Ausgleichsfläche geschaffen werden müssten – und da ist noch nicht der ökologische Ausgleich für die eigentliche Baumaßnahme dabei.“
In der WhatsApp-Gruppe von Linden war das Schreiben des Staatsministeriums bereits verbreitet worden, so dass die schlechte Nachricht für alle, die an der jetzigen Lindenstraße (früher: Hauptstraße) wohnen, nicht bei der Bürgerversammlung überbracht werden musste.
Dennoch nahm das Thema in der Diskussion nach den Ausführungen von Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß breiten Raum ein. Gauklers Einschätzung: „Es wurde emotional, aber sachlich diskutiert.“ Mit 90 Leuten war es bei weitem die best besuchte der vier Markt Erlbacher Bürgerversammlungen. Das ist zwar keine Überraschung, aber dass doppelt bis dreimal so viele kamen als in Markt Erlbach und Eschenbach darf wohl auf das Thema „Ortsumgehung“ zurückgeführt werden, das die Lindener jetzt schon viele Jahre begleitet.
Bei der Diskussion habe sich nach Gauklers Worten gezeigt, dass sich angesichts dieser Situation viele doch mit einer der ortsnäheren Varianten anfreunden könnten. Allerdings sieht er zunächst die Bevölkerung des Ortsteils selbst in der Pflicht: Sie müssen sich einigen. Vor allem im Norden Lindens findet eine ortsnähere Variante nicht unbedingt Zustimmung, weil sie näher an ihren Anwesen vorbeiführen würde. Der Geschäftsleitende Beamte Markt Erlbachs sprach deshalb davon, dass als nächstes eine Bürgerversammlung mit dem Staatlichen Bauamt in Ansbach gemeinsam stattfinden sollte. Dort könnte die Behörde zum Beispiel erläutern, ob und gegebenenfalls welcher Lärmschutz für die Betroffenen möglich wäre.
Aber hat Linden überhaupt eine Chance, in absehbarer Zeit mit einer anderen Variante wieder ins Rennen für eine Ortsumgehung zu kommen? Ein Anruf beim Staatlichen Bauamt bringt da zumindest ein bisschen Hoffnung. Christoph Eichler, Leiter der Planungsabteilung, macht zwar deutlich, dass seine Leute auch so ausgelastet sind. „Sagen wir es mal flapsig: Wir haben nicht drauf gewartet.“ Momentan gebe es in der Behörde auch keine Kapazitäten, um eine neue Planung aufzunehmen. Aber: „Wir haben es weiterhin auf dem Schirm.“ Die Bürgermeisterin habe den Wunsch aus Linden schon übermittelt. Man sei auf alle Fälle bereit, zu einer weiteren Bürgerversammlung in den Ortsteil zu kommen.
Für manche Lindenstraßenbewohner geht es dabei um viel: „Unsere Familie wird sich mittelfristig eine andere Bleibe suchen“, heißt es so in einer E-Mail an die Redaktion. Doch vielleicht muss es dazu ja nicht kommen...