Der Ornbauer Bürgermeister Marco Meier fürchtet darum, wie die Region in Zukunft hausärztlich versorgt ist. Überdies lenkt er den Blick darauf, dass viele Ärztinnen und Ärzte sich nicht mehr niederlassen, sondern angestellt sein möchten. Ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) soll es nun richten.
Der Stadtrat beschloss am Donnerstag einstimmig, das kommunale medizinische Versorgungszentrum als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) zu gründen, die der Stadt zu 100 Prozent gehört. Es soll den Namen MVZ Altmühlgrund GmbH erhalten. Geplant ist, dass mit der Nachbarstadt Merkendorf mindestens eine weitere Kommune profitiert.
„Wir haben in unserem ärztlichen Versorgungsbereich Ansbach Süd einen Versorgungsgrad von 91,76 Prozent”, stellt Marco Meier fest. Ende des Jahres trete aber schon der Fall ein, dass man unterversorgt sei. Merkendorf gehöre zum Versorgungsbereich Weißenburg-Gunzenhausen, der keinen freien Arztsitz habe. Ansbach Süd allerdings verfügt über etliche, wie Meier erklärt.
Der Bedarf sei vorhanden. Für die Region prognostiziert er einen Hausärzte-Notstand in einigen Jahren, da viele, die jetzt noch ärztlich tätig sind, schon über 60 Jahre alt seien. Niedergelassene „Nachfolger zu finden, ist so wie die berühmte Nadel im Heuhaufen”. Die Chancen stiegen erheblich, wenn es um angestellte Ärztinnen und Ärzte gehe.
Das MVZ soll die Praxen in Ornbau und Merkendorf ablösen und sich in die Räume einmieten. Für 1. Januar ist der Start vorgesehen. Dr. Stephanie Rauch (Ornbau) und Dr. Vladimir Kozlik (Merkendorf) sind von ihrem hausärztlichen Wirken bekannt. Sie sind noch bis Ende März im MVZ tätig, wie der Bürgermeister darlegt. Kozlik sei danach noch stundenweise dabei.
Ohne das Zentrum stünden Ornbau und Merkendorf 2026 „ohne Hausarztversorgung da”. Ab April ist vorgesehen, dass mehrere neue Ärztinnen und Ärzte kommen. Obwohl die GmbH vollständig Ornbau gehört, soll Merkendorf im Sinne eines interkommunalen Projekts einen von fünf Sitzen in der Gesellschafterversammlung bekommen.
Bei Fragen rund um den Merkendorfer Standort sollen die Beschlüsse einstimmig fallen müssen. „Auch in Merkendorf ist damit garantiert, dass die Hausarztversorgung sichergestellt wird”, schildert Marco Meier. Das Ziel sei nicht ein großes MVZ mit einem Hauptstandort, sondern dass die Städte hausärztlich versorgt seien.
Mit zwei weiteren Kommunen im Landkreis Ansbach liefen ebenfalls schon Gespräche. Die Beratungsgesellschaft Dostal & Partner unterstützt die Stadt Ornbau dabei, das MVZ zu gründen, wie der Bürgermeister ausführt. Gabriele Dostal sei auch bereit, dessen Geschäftsführerin zu werden.
Geplant sei, die Standorte Ornbau und Merkendorf jeweils auf über einen Arztsitz auszubauen, also auf über eine Vollzeitstelle. „Wir wollen für beide Kommunen zusammen auf mindestens drei Vollzeitstellen kommen.”
Ab 2028 rechnet der Rathauschef mit einem positiven Jahresergebnis. Als Stammkapital investiert die Stadt Ornbau 200.000 Euro in die GmbH, und das MVZ nimmt ein Darlehen von 600.000 Euro auf, wie der Bürgermeister informiert.
„Die Stadt Ornbau nimmt keinen Kredit auf, übernimmt aber die Bürgschaft.” Was den Standort Ornbau betrifft, „planen wir eine neue Arztpraxis am Kappelweiher”. Mitte 2026 soll der Bau starten, und zwei Jahre später will man einziehen. Der Bau der neuen Ornbauer Praxis betrifft das MVZ nicht direkt, sondern nur die Kommune Ornbau, wie der Bürgermeister betont.
Über Details will er im Herbst informieren. Dann soll es in Ornbau und Merkendorf auch Bürgerversammlungen zum Versorgungszentrum geben. Vor dem MVZ-Gründungsbeschluss erließ der Ornbauer Stadtrat am Donnerstag einmütig einen Nachtragshaushalt, den Kämmerer Maximilian Goth erläutert hatte.
Den Nachtragsetat hatte das Landratsamt laut den Worten des Bürgermeisters als Auflage verlangt: wegen Stammkapital und Bürgschaft. „Obwohl es keinerlei Auswirkungen auf das Haushaltsjahr hat”, kommentiert er dies, „es lebe die Bürokratie.”
Der nächste Schritt sei nach dem Gründungsbeschluss, ans Landratsamt heranzutreten. Bei grünem Licht gehe es zum Notar. „Mitte Oktober wollen wir bei der KVB”, also bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, „die Zulassung des MVZ beantragen.” Ornbau schreibt nach Ansicht des Bürgermeisters Geschichte. Ihm sei im Kreis kein anderes gemeindeübergreifendes Hausarzt-MVZ bekannt.