Alle Jahre wieder: Kaum ist das Oktoberfest eröffnet, beginnt in München das Gehuste. „Wiesn-Grippe“ lautet dann umgangssprachlich die Diagnose.
Auch wenn der Begriff es nahelegt: „Die sogenannte Wiesn-Grippe ist in den allermeisten Fällen keine Influenza“, sagt Christoph Spinner, Leiter der Infektiologie am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM). „Das ist einfach ein Sammelbegriff für akute Atemwegsinfekte, die durch das Zusammentreffen vieler Menschen, Schlafmangel, Kälte und Alkoholkonsum begünstigt werden.“
In der bierseligen Enge der Zelte haben es Erkältungsviren aller Arten leicht - Rhino-, Adeno- und Enteroviren etwa. Vor ihnen kann man sich nicht mit einer Impfung schützen.
Vor anderen Viren jedoch schon. Insbesondere eine Impfung gegen Covid-19 und Influenza kann sinnvoll sein, so Christoph Spinner. Wissen muss man allerdings: Der Impfschutz besteht bei beiden Erkrankungen nicht sofort nach dem Piks, sondern braucht rund 14 Tage, um sich vollständig aufzubauen.
Übrigens: Bei den ernsteren Atemwegsinfekten während der Wiesn macht Spinner zufolge SARS-CoV-2 in der Regel den größten Teil aus. Anders als die Grippe sei das Covid-19-Virus nicht an die kalte Jahreszeit gebunden und zirkuliere ganzjährig. „Da in Festzelten sehr viele Menschen auf engstem Raum zusammenkommen, ist das Infektionsrisiko für Covid-19 auf der Wiesn hoch.“
Eine Corona-Impfung ist gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Menschen ab 75 Jahren, Personen mit Risikofaktoren sowie Pflegepersonal angeraten.
Influenza- und Respiratorische Synzytial-Viren (RSV) sind laut Christoph Spinner nur für einen sehr geringen Anteil der Wiesn-Erkrankungen verantwortlich. Sie nähmen meist erst später im Herbst zu.
Doch: „Durch das internationale Publikum und die vielen Menschen auf engem Raum in den Festzelten treten auch zu dieser Zeit vereinzelt Grippefälle auf“, sagt der Mediziner über die Influenza-Gefahr auf der Wiesn.
„Generell ist der Beginn des Herbsts der ideale Zeitpunkt, um sich für die bevorstehende Grippesaison ab Oktober impfen zu lassen - vor allem für Menschen mit Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Krebserkrankungen.“ Wer sich unsicher ist, bespricht das Thema am besten mit Hausarzt oder Hausärztin.
Ganz vermeiden lässt sich eine Ansteckung mit Atemwegsviren bei Großveranstaltungen wie dem Oktoberfest oft nicht. Man kann aber das Risiko senken.
Etwa durch regelmäßiges Händewaschen beim Wiesn-Besuch, wie das LMU Klinikum online rät. Ist kein Durchkommen zum Waschbecken, kann man sich auch mit einem Desinfektionsmittel für die Hände behelfen. Wer ganz sichergehen will, kann den Rand des Maßkruges vor dem Anstoßen kurz mit einem Hygienetuch abwischen.
Wird der Abend lang, ist es gut, eine Jacke oder ein Tuch dabeizuhaben. Frieren wir, werden Haut und Schleimhäute nämlich schlechter durchblutet. Damit sinkt der Klinik zufolge die Abwehrkraft gegen Viren - der Körper wird anfälliger.
Auch wenn die Oktoberfest-Vorfreude groß war: Wer kränkelt, sollte lieber zu Hause bleiben, um andere zu schützen. Und wer in den Tagen nach dem Festzeltbesuch Erkältungssymptome wie Schnupfen oder Halsweh entwickelt, tut gut daran, einen Corona-Schnelltest zu machen und eventuell eine Maske zu tragen, um etwa Familienmitglieder nicht auch anzustecken.
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