Ulrich Meßlinger breitet einige Luftbilder, Pläne und Fotos auf dem Boden aus: Die Scheine, so erklärt der Diplom-Biologe anhand einer alten Landkarte, schlängelte sich einst recht kurvig durch ihr Tal bei Scheinfeld. Sieht man heute genau hin, so erkennt man noch, wo der Fluss einst in etwa verlief.
Ganz so wie früher wird es auf absehbare Zeit nicht wieder werden, aber wenigstens ein bisschen. Auf einer nicht ganz zweieinhalb Hektar großen Wiesenfläche nördlich der Altstadt zwischen der Scheine und dem Fallhölzgraben, in etwa auf Höhe von Grappertshofen, soll die Scheine-Aue umgestaltet werden. Wie genau, das steht noch nicht fest, erläuterte Meßlinger. Denn die genaueren Planungen beginnt das im Ansbacher Raum ansässige Büro Katja und Ulrich Meßlinger erst noch.
Das Vorhaben wurde vor geraumer Zeit beim Verband Deutscher Naturparke (VDN) für eine Förderung eingereicht, berichtete Sandra Baritsch, Geschäftsführerin des Vereins Naturpark Steigerwald. Dem VDN sind 104 Naturparke angeschlossen; der Steigerwald erhielt als eines von bundesweit nur zwölf Projekten eine Förderzusage. 80.000 Euro stehen in Aussicht. Gesponsert werden diese VDN-Projekte von den Unternehmen Kaufland und Coca-Cola, merkte Baritsch an. Seitens des Naturparks Steigerwald hofft man, mit dem Fördergeld auszukommen und keine eigenen Finanzmittel einbringen zu müssen.
Klar erscheint bereits, dass auch Erdarbeiten nötig werden. Gebuddelt wird jedoch erst im kommenden Jahr. Bis dahin wird auch noch geschaut, was eventuell jetzt schon an schützenswerten Tieren und Pflanzen vorhanden ist. Flora und Fauna möchte man erhalten und darüber hinaus noch Bedingungen für zusätzliche Arten schaffen, erläuterte Ulrich Meßlinger. Unter seinen Vogelfotos sind auch welche von einem Blaukehlchen, einer Dorngrasmücke, eines Kuckucks und einer Bekassine, die allesamt in dem betreffenden Gebiet gesichtet wurden. Die Bekassine zum Beispiel sei wohl nur auf Durchreise da gewesen. Es wäre schön, wenn sie Bedingungen vorfände, die sie hier zum Brüten veranlassen, erläuterte der Biologe.
Mit der Pflanzenvielfalt ist es nach den bisherigen Geländesichtungen hingegen nicht weit her. Die Wiese sei stark eutrophiert, wie Katja Meßlinger erklärte, also übervoll mit Nährstoffen. Durch die bislang erst als Ideen vorliegenden Maßnahmen, wie etwa die Ausweitung vorhandener Mulden und eine Ausmagerung der Fläche, würde dort nicht wirklich etwas kaputt gemacht, fand die Umweltplanerin.
Die ökologische Aufwertung des Geländes will man im Grunde in drei Schritten erreichen, wie Ulrich Meßlinger ausführte: mit den geländegestaltenden Vorarbeiten, mit Pflanzungen und mit Geduld, denn es werde eine Zeit dauern, bis manche Dinge sich entwickelt haben werden.
Mit den erwogenen Bodenveränderungen will man zudem das Wasserrückhaltevermögen dieses Gebietes erhöhen. Damit würden dann Hochwasserlagen entschärft. Es gehe folglich nicht „nur“ um Umweltschutz, sondern letztlich um Menschschutz, fand Ulrich Meßlinger.
Apropos Hochwasserschutz: Das Wasserwirtschaftsamt ist zwar nicht unmittelbar am Projekt beteiligt, begleitet es aber wohlwollend und will sich nach Möglichkeit mit eigenen Maßnahmen anschließen, versicherte Naturpark-Rangerin Alexandra Kellner.
Eingebunden sind jedoch der Landschaftspflegeverband in Person von Doris Hofmann und der Bund Naturschutz (BN). Die BN-Kreisvorsitzende Karin Eigenthaler war zuversichtlich: „Das wird toll.“ Sie verwies darauf, dass die Scheine-Aue ein Mosaikstein in der „riesigen Vernetzungsfläche“ der Biotope im hiesigen Raum sei. Diesen Biotopverbund wolle man mit dem Projekt noch verbessern, sagte Ulrich Meßlinger.
Bürgermeister Claus Seifert merkte an, dass in Sachen Ökologie, „weil es Leute mit Weitblick gibt“, in der Vergangenheit schon einiges in die Wege geleitet und getan wurde. Das neue Projekt müsse also nicht bei null starten, sondern könne auf Vorarbeiten aufbauen.
Zu solchen Vorreitern mag man Rudolf Kolerus zählen. Er berichtete, dass der BN schon lange ein Auge auf diese Fläche für eine ökologische Aufwertung geworfen hat. Kolerus stufte das Projekt – in Anlehnung an die in den Kommunalen Allianzen Aurach-Zenn und NeuStadt und Land angestrebte Schwammregion – als einen Anfang für ein Schwammgebiet ein. Damit es an diesem Tag nicht nur bei Worten blieb, hatte Kolerus zudem eine junge Weide mitgebracht, die er sogleich am Rande des Geländes einpflanzte.
Der Pressetermin zur Projektvorstellung war bewusst auf den 22. Mai gelegt worden – er ist alljährlich der Internationale Tag der Artenvielfalt.