Oechsler baut in Ansbach und Brodswinden 125 Stellen ab | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.02.2024 16:14, aktualisiert am 13.02.2024 18:52

Oechsler baut in Ansbach und Brodswinden 125 Stellen ab

Oechsler baut die Konzernstruktur um und will sich auf die Bereiche Mobility, Innovative Solutions und Health konzentrieren. Der Sportbereich soll nicht mehr im Fokus stehen. (Foto: Robert Maurer)
Oechsler baut die Konzernstruktur um und will sich auf die Bereiche Mobility, Innovative Solutions und Health konzentrieren. Der Sportbereich soll nicht mehr im Fokus stehen. (Foto: Robert Maurer)
Oechsler baut die Konzernstruktur um und will sich auf die Bereiche Mobility, Innovative Solutions und Health konzentrieren. Der Sportbereich soll nicht mehr im Fokus stehen. (Foto: Robert Maurer)

Das Kunststoffunternehmen Oechsler will sich neu aufstellen und stärker auf seine Kernkompetenzen fokussieren. Verbunden ist das mit einem Abbau von etwa zehn Prozent der Stellen in Deutschland.

Im Ansbacher Zentrum und im Ortsteil Brodswinden werden 125 Arbeitsplätze wegfallen, vor allem im Hauptwerk. Weitere zehn sind es am Standort Weißenburg. Das soll durch natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und Verrentung bis Ende nächsten Jahres erreicht werden. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht geplant, sagte Karl Ostler als Sprecher des Oechsler-Vorstands am Dienstag gegenüber der FLZ.

Mitarbeiter sollen das Ziel kennen

Er lobte ausdrücklich die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. „Wir sind uns sehr bewusst, dass es am Ende um Menschen gehen wird und nicht ausschließlich um Stellen“, wird Vorstandssprecher Karl Ostler in einer Pressemitteilung zitiert.

Zuletzt beschäftigte Oechsler im Mittel 1324 Mitarbeiter in Deutschland und zusätzliche 1650 weltweit. Ostler war am Dienstag in allen drei westmittelfränkischen Werken unterwegs, um den Beschäftigten die neue Unternehmensstrategie zu erläutern. In den nächsten Tagen wird er nach Mexiko, China und Rumänien reisen, um auch dort mit der Belegschaft zu sprechen. Insgesamt ist an den internationalen Standorten ein Abbau von 80 Stellen, also knapp fünf Prozent der Gesamtbelegschaft vorgesehen.

Klarere Organisation angestrebt

„Wir wollen Transparenz gegenüber den Mitarbeitern“, betonte der Vorstandssprecher. Die Beschäftigten sollen wissen, „welches Ziel wir erreichen wollen“. Es geht um neue interne Strukturen mit einer klareren Organisation. Einfacher, schneller und flexibler sind die Schlagworte, die unter dem Titel „Be:focused“, also „sei fokussiert“, umgesetzt werden sollen. „Wir müssen uns wieder auf das fokussieren, was wir gut können“, erklärte Ostler die Idee.

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Oechsler wird weiterhin auf die drei Geschäftsbereiche Mobility, Innovative Solutions und Health setzen. Dahinter verbergen sich Oechslers Ursprung als Kfz-Zulieferer, komplexe Bauteile, die beispielsweise in Solaranlagen Verwendung finden, oder auch Teile, die in Gesundheitsprodukten wie Inhalatoren oder Insulinstiften zum Einsatz kommen. In diesen Feldern sieht Oechsler die größten Marktchancen. „Wir sind sehr gut, wenn es um die Herstellung komplexer Produkte oder um komplexe Herstellungsverfahren geht“, so Vorstandssprecher Ostler.

Sport-Bereich nicht mehr im Fokus

Nicht mehr im Fokus ist künftig hingegen der Bereich Sport Goods. Hier hat Oechsler in Brodswinden im 3D-Druck-Verfahren spezielle Sportschuhe oder auch Fahrradsättel gefertigt und sich extrem viel Know-how erarbeitet. Ostler: „Wenn uns ein lukrativer Auftrag vor die Nase läuft, machen wir das auch weiterhin, aber wir werden aktiv keine neuen Aufträge akquirieren.“ Das Fertigungswissen soll aber für die verbleibenden drei Geschäftsbereiche, die in Business Units organisiert werden, erhalten bleiben.

Hintergrund der Neustrukturierung ist ein erheblicher Umsatzrückgang um rund 20 Prozent von 2019 bis 2023, erläuterte Ostler, der seit einem Jahr für die Finanzen des familiengeführten Unternehmens verantwortlich ist und zu Jahresbeginn zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wurde. Das Marktumfeld mit der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine hat die Voraussetzungen für Zulieferbetriebe wie Oechsler zusätzlich erschwert.

Mit der neuen Struktur sollen „Redundanzen abgebaut“ werden, kündigte Ostler an. „Manche Arbeiten machen wir bislang doppelt, hier bei uns und im Ausland.“ Die Business Units agieren deshalb jeweils weltweit. Neben den drei Sparten gibt es auch noch die Produktion als neue eigene Einheit, in der alle Werke weltweit zusammengefasst und zentral von Ansbach aus gesteuert werden. „Wir wollen uns wieder mehr auf die Märkte und die Kunden fokussieren“, betonte Ostler.

Quer durch die Abteilungen

Insgesamt 300 Einzelmaßnahmen sollen in den kommenden 22 Monaten umgesetzt werden. Ostler: „Da greift eins ins andere.“ Insofern laufe der Stellenabbau auch nicht nur in bestimmten Abteilungen. Das ziehe sich quer durch das Unternehmen und erfolge sehr zielgenau. Gleichzeitig entstehen neue Arbeitsplätze mit neuen Herausforderungen.

Gegenüber der FLZ erläuterte Ostler das am Beispiel des Werkzeugbaus. Bislang gab es in China eine Abteilung, die vornehmlich für die Instandhaltung zuständig war. In Deutschland saßen hingegen jene Spezialisten, die neue Werkzeuge entwickelt und gebaut haben. Einfachere Teile hierfür haben sie zugekauft – vorzugsweise in Asien. Hier sollen nun die Kollegen in China eingebunden werden. Damit ändert sich das Anforderungsprofil für die Mitarbeiter der Abteilung in Ansbach. Weg vom Fräsen, hin zum Organisieren.

Einen Zusammenhang mit der derzeitigen Kurzarbeit gebe es nicht, betonte Ostler. Das sei ein Schritt gewesen, um einen kurzzeitigen Auftragsrückgang aufzufangen. „Be:focused“ sei hingegen eine langfristige Maßnahme.

Über die Nachricht hat sich inzwischen auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) besorgt geäußert.

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