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Oberscheinfeld überzeugt mit einer klaren Strategie

Drei Generationen sind noch in der Gärtnerei Klein aktiv. Vorne (2. von links) ist Konrad Klein, mit 94 Jahren der älteste Oberscheinfelder und Firmengründer, zu sehen, in der Mitte (mit Mikro) Bernhard und ganz rechts Sebastian Klein. (Foto: Ulli Ganter)
Drei Generationen sind noch in der Gärtnerei Klein aktiv. Vorne (2. von links) ist Konrad Klein, mit 94 Jahren der älteste Oberscheinfelder und Firmengründer, zu sehen, in der Mitte (mit Mikro) Bernhard und ganz rechts Sebastian Klein. (Foto: Ulli Ganter)
Drei Generationen sind noch in der Gärtnerei Klein aktiv. Vorne (2. von links) ist Konrad Klein, mit 94 Jahren der älteste Oberscheinfelder und Firmengründer, zu sehen, in der Mitte (mit Mikro) Bernhard und ganz rechts Sebastian Klein. (Foto: Ulli Ganter)

Den Landrat verschlug es bei seinem jüngsten Gemeindebesuch nach Oberscheinfeld, an den nordöstlichen Rand des Kreisgebiets Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Der Markt hat neben der schönen Landschaft noch ein paar andere Trümpfe in der Hand.

Bürgermeister Peter Sendner benannte im Rathaus zunächst einige Besonderheiten – „nicht auf alle sind wir stolz”. So ist das Durchschnittsalter das höchste im Landkreis, und das, obwohl es im Markt kein einziges Seniorenheim gibt. Künftig werde man mehr für diese Bevölkerungsgruppe tun, kündigte er an. Prühl hat bereits einen Einkaufsservice etabliert: Bei einem Supermarkt in Iphofen bestellen zehn Haushalte ihren Bedarf, der dann zentral im Ort angeliefert wird. Oberscheinfeld will folgen und die Abholung noch um eine soziale Komponente bereichern: Kaffee und Kuchen sollen im Pfarrzentrum angeboten werden, damit es dort wie früher im längst aufgegebenen Kolonialwarenhandel zum Austausch von Neuigkeiten und der Kontaktpflege kommt.

Nur 60 Prozent sind an die Wasserversorgung angeschlossen

Herausforderung Nummer 2: extrem viel Fläche pro Einwohner. Das macht bestimmte Infrastrukturaufgaben schwerer. Nur 60 Prozent der Haushalte sind an die Wasserversorgung angeschlossen. Zum Teil gebe es Qualitätsprobleme, die für Sendner vor allem das Ergebnis unsinniger Vorschriften sind. „Der ortsansässige Mineralwasserabfüller durfte Wasser mit 1200 Milligramm Sulfat verkaufen und ich muss den Leuten bei 200 Milligramm sagen: Das dürft ihr nicht mehr trinken.” Das Sulfat in Scheinfeld ist geogen, kommt also nicht durch äußere Einflüsse in den Boden, sondern entsteht durch die natürliche Bodenzusammensetzung.

Auch die enorme Länge an Gemeindestraßen stellt den Markt vor Herausforderungen. In dem Zusammenhang dankte Sendner einerseits für die tolle Sanierung von zwei Kreisstraßen in der letzten Zeit, übermittelte aber auch das Unverständnis aus der Bevölkerung, dass die Gelder für den Straßenbau nicht bedarfsorientiert fließen: Das zielte auf die Staatsstraße nach Stierhöfstetten, die in schlechterem Zustand und schmaler sei sowie deutlich mehr befahren werde als die beiden Kreisstraßen.

Nächstes Bürokratiemonster: Für die interkommunale Zusammenarbeit der Bauhöfe versuche man gerade eine rechtssichere Form zu finden – selbst eine Unternehmensberatung scheiterte bisher daran. Man handhabe es deshalb weiterhin unbürokratisch und tausche die Beschäftigten mit unterschiedlichen Fähigkeiten untereinander aus. Landratsstellvertreter Reinhard Streng, gleichzeitig Bürgermeisterkollege aus der Verwaltungsgemeinschaft Scheinfeld, erläuterte das näher: Ziel sei eine gemeinnützige „UG und still”, die Hürden seien hoch.

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Erneuerbare Energien sollen Etat stützen

„Unsere Gewerbegebiete liegen im Wald”, lautet bekanntermaßen die Devise für Peter Sendner. Ohne die Einnahmen durch Windräder oder Photovoltaikanlagen werde die finanzielle Lage in den nächsten Jahren eng. Viele, unter anderem auch Landrat Christian von Dobschütz, hatten vermittelt, damit die Bürgerwindkraft Steigerwald (früher MOBS) nun einen Einspeisepunkt hat.

Für die Eingriffe in die Landschaft werden Realkompensationen von den Windkraftbauern gefordert. Die gingen in der Vergangenheit nach München und wurden nicht wieder gesehen. Dieses Mal soll es anders laufen, hat sich Sendner vorgenommen. „Ich werde demnächst in der unteren Naturschutzbehörde aufschlagen”, kündigte er dem Landrat an. Das Geld, immerhin etwa eine halbe Million Euro, soll hier in grüne Gräben, die Renaturierung von Bächen und weitere Projekte fließen.

Neben schöner Landschaft und günstigen Baulandpreisen verfügt Oberscheinfeld über innovative Betriebe. Zwei davon besuchte die Delegation, den Gartenbaubetrieb Klein und Elektro König in Prühl. Das klingt erst einmal nach soliden Handwerksbetrieben, nicht unbedingt nach KI, Robotern und High Tech.

So staunte die Delegation aus dem Landratsamt im Gartenbaubetrieb über „Topf-Maschinen”, bei denen ein Roboter Pflanzen aus kleineren in größere Töpfe umtopft. Zuerst füllt er Erde in die Töpfe, dann holen acht Greifarme gleichzeitig die kleinen Pflanzen aus ihren Behältnissen, und sind offenbar behutsam genug, um sie unversehrt in die neuen Töpfe zu versetzen.

Winternächte für die Weihnachtssterne

Die Produktionstische werden hydraulisch hin- und hergefahren, zwei Systeme sorgen entweder für Beschattung oder sogar für Verdunkelung. Letztere ist für die Weihnachtsstern-Produktion, die hier in großem Maßstab läuft, wichtig: Denn damit die Pflanzen blühen, wenn sie in den Handel kommen, müssen ihnen die kürzeren Winternächte schon vorzeitig vorgegaukelt werden.

Viel getüftelt wurde an Energieeinsparung (mittels PV-Anlagen), Wassereinsparung (durch Regenwasserrückhaltung und Rückführung jedes überschüssigen Tropfens ins System), Torfeinparung (50-prozentiger Ersatz durch andere Substrate), Insektizideinsparung (durch vorbeugenden Einsatz von Nützlingen) und vielen anderen Details.

Ursprünglich bestand mal der Plan, den Betrieb über die direkt neben den Gewächshäusern verlaufende Gemeinde- und Bezirksgrenze zu erweitern. Das ist gescheitert, allerdings nicht an bürokratischen Hemmnissen wie der Verlegung von Gemeinde- und Bezirksgrenzen, sondern an den unterschiedlichen Preisvorstellungen beim Landerwerb.

Erweiterungsmöglichkeiten sind jetzt innerhalb der Gemeinde vorhanden. Auch anderweitig ist die Zukunft gesichert: Nach dem heute 94-jährigen Firmengründer Konrad Klein und seinem Sohn Bernhard als geschäftsführendem Gesellschafter sind auch die beiden Enkel Sebastian und Christoph schon Mitglieder der Geschäftsführung.

Extra Stromspeicher, extra Nebengewerbe

Weiter ging´s zu Elektro König: Auch dort sind die Zeiten vorbei, als man noch einen Toaster kaufen oder anrufen konnte, wenn die Waschmaschine nicht funktionierte. Empfangen wurden die Gäste im supermodernen Bürogebäude – kein Neubau, sondern generalsaniert. In den Fenstern verbaute Photovoltaikmodule sorgen ringsum für die Nutzung der Sonnenenergie.

Hängestühle, LED-Beleuchtung und ein Besprechungsraum in cooler Betonoptik mit Kickertisch sind zu durchqueren, bevor man in die Werkstatt gelangt, die dann eher dem entspricht, wie man sich einen Elektrobetrieb vorstellt. Dabei gehöre man zu den wenigen Betrieben, die selbst Schaltschränke aufbauen, erläuterte Florian König, Geschäftsführer der zweiten Generation. Momentan gehört zu den großen Projekten die Elektrik für die Sanierung der VR-Bank in Neustadt, aber auch Einfamilienhäuser gehören zur Kundschaft.

1999 installierte der Betrieb seine erste Photovoltaikanlage. König präsentierte den Besuchern eine Schnellladestation für E-Autos, die in Bayern seinen Worten nach noch kaum zu sehen ist: Das Fabrikat eines österreichischen Herstellers mit einem Listenpreis von 100.000 Euro hat eine Leistung von 180 Kilowatt – eine normale Wallbox hat 11 oder 22 Kilowatt. „Wir haben Firmenwagen, die auch privat genutzt werden dürfen. Wenn die dann am Montagfrüh eine halbe Stunde an der Ladesäule hängen, sind sie geladen”, erläuterte König.

Heiratsantrag mit Blick auf den Steigerwald

Für Privatpersonen sei die Station nicht interessant, für Firmen dagegen schon, meinte er. Stellvertretende Landrätin Ruth Halbritter regte gleich an, so eine Säule für den Parkplatz des Landratsamtes zu beschaffen. Der Fuhrpark weist mittlerweile immerhin acht E-Fahrzeuge auf.

Einen originellen Nebenerwerb hat König außerdem: In einem kleinen Fußmarsch wurde ein Hang zu einem besonders aussichtsreichen Plätzchen bezwungen. Dort steht ein „Bubble-Tent”, eine riesige Folienblase, in der ein Doppelbett steht. „Innen hat man das Gefühl, man liege mitten in der Landschaft.” Das Zelt werde sehr gut gebucht und habe sich schon fast amortisiert. „Heute Abend soll hier wieder ein Hochzeitsantrag stattfinden.”


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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