Über 260 Wohneinheiten, eingebettet in viel Grün: Im Oberen Schaltengarten in Neuendettelsau soll ein modernes Stadtquartier entstehen. Der Gemeinderat bekam überarbeiteten Entwurf präsentiert – und beschloss einstimmig, die Überarbeitung des städtebaulichen Wettbewerbs abzuschließen.
Bei dem Projekt „Oberer Schaltengarten” geht es um ein rund 6,41 Hektar großes Areal. Es liegt westlich der Bahngleise und grenzt an einer Seite direkt an den früheren Baronswald an. Im Moment besteht der Bereich aus landwirtschaftlichen und unbewirtschafteten Flächen. Entstehen soll hier ein durchgrüntes Stadtquartier, das mehrere Wohnformen beinhaltet und weitestgehend autofrei ist.
Den erneut überarbeiteten Entwurf stellten Jörg Wessendorf und Moritz Fiehn von Studio Wessendorf im Gemeinderat vor. Das Berliner Büro hatte sich in einem städtebaulichen Wettbewerb mit seinen Ideen durchgesetzt.
Ein Änderungswunsch aus den Reihen der Gemeinderätinnen und Gemeinderäte betraf die verschiedenen Wohnformen. Ursprünglich waren Ein-, Zwei- und Mehrfamilien- sowie Reihenhäuser vorgesehen, wobei der Anteil der Einfamilienhäuser relativ gering war. Das war dem Gremium zu wenig, weshalb der Anteil der Einfamilienhäuser mittlerweile 25 Prozent beträgt. Zudem sieht der neue Entwurf Fiehn zufolge Ketten- statt Reihenhäuser vor. Diese werden nicht direkt nebeneinander, sondern mit einem Versatz gebaut.
Wo Menschen leben, sind Autos nicht weit. Die Planer sehen 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit vor, wie Fiehn berichtete. Ein Parkplatz soll auf dem jeweiligen Grundstück zu finden sein, 0,5 in einem Parkstadel am Rande des Quartiers. Bei den Einfamilienhäusern gibt es Garagen oder Carports direkt neben dem Gebäude. Bei den Mehrfamilienhäusern sind eigene Tiefgaragenplätze vorgesehen. Es werde aber auch gemeinsame Tiefgaragen geben, so Fiehn weiter.
Die Zufahrten sollen so geregelt sein, dass das Quartier weitestgehend autofrei bleiben soll, um eine hohe Aufenthaltsqualität zu bekommen. Wieder fester Bestandteil des Entwurfs ist eine Kindertagesstätte. Diese war zu Beginn eine der Vorgaben für den Wettbewerb, wurde zwischenzeitlich aber durch eine Vorhaltefläche ersetzt, weil nicht sicher ist, ob und wann diese Einrichtung gebaut wird.
Zur Aufenthaltsqualität beitragen sollen auch ein zentraler Dorfanger, ein Park, ein Spielplatz und eine Spielwiese sowie Höfe als Gemeinschaftsflächen. Der direkt angrenzende Baronswald soll in dem Quartier auch eine Rolle spielen, wie es Fiehn ausdrückte. Demnach sind nach seinen Worten 150 Neupflanzungen vorgesehen.
Ganz grundsätzlich versucht der Entwurf, den Auswirkungen des Klimawandels Rechnung zu tragen. Wie die Verantwortlichen betonten, sind 62 Prozent der Quartiersfläche nicht versiegelt, stattdessen wird mit einem hohen Grünanteil gearbeitet, der sich unter anderem auch an Fassaden und auf Dächern wiederfinden soll. Die Bebauung haben auch keine negativen Auswirkungen auf eine im Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) der Gemeinde festgelegte Frischluftschneise.
Die Entwässerung des Quartiers soll dezentral in den Wohnwegen stattfinden, wie Fiehn ausführte. Als Beispiele nannte er unter anderem Rigolen, Zisternen und Mulden. Bei den Mulden etwa wird Regenwasser für kurze Zeit oberirdisch gesammelt. Das ist eine bewusste Entscheidung der Planer. Durch die Verdunstung soll auch ein Kühleffekt entstehen. Die Planer sind von ihrem Entwurf auf jeden Fall überzeugt. Laut Fiehn „könnte das ein einzigartiger Ort für Neuendettelsau und die Umgebung werden”.
In dem Baugebiet Oberer Schaltengarten sollen am Ende bis zu 262 Wohneinheiten entstehen. Klar ist, dass diese nicht auf einmal entstehen. Stattdessen soll das Gebiet in verschiedenen Bauabschnitten entwickelt werden. Der Gemeinderat stimmte letztlich einhellig zu, den Wettbewerb abzuschließen. Als nächster Schritt steht der Start für die Bauleitplanung an.