Von Großstadtverhältnissen ist man weit entfernt. Aber auch in Ansbach gibt es Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind. Aus Sicht der Stadtverwaltung ist die Situation gut händelbar. Um die Betreuung der Betroffenen zu verbessern, wurden intern auch die Zuständigkeiten verändert.
„In Ansbach ist man noch sehr behütet“, sagt Markus Schlötterer, der im Sozialamt für den Bereich Wohnungsnotfallhilfe und Obdachlosenarbeit zuständig ist. „Wenn zwei Menschen unter einer Brücke schlafen, ist das noch etwas Besonderes.“ Dennoch wäre es aus seiner Sicht komisch, wenn es keine Obdachlosen geben würde. „Dass auch wir diese Probleme haben, haben wir nie verschwiegen“, erklärt Sozialreferent Holger Nießlein. „Aber Großstadtverhältnisse haben wir nicht.“
Rund 75 Einzelpersonen betreut Schlötterer aktuell. Hinzu kommen noch die zugehörigen Familien. Als Schlötterer und Nießlein im Mai 2023 zuletzt im Sozialausschuss des Stadtrates zu diesem Thema sprachen, waren es noch 65. Wie hoch die tatsächliche Zahl ist, kann die Stadt derweil nicht sagen. Es gibt keine Zählungen. Beiden ist bewusst, dass es eine Dunkelziffer gibt.
Was Schlötterer und Nießlein aber sagen können: Einen exorbitanten Anstieg, etwa aufgrund der gestiegenen Energiekosten, hat es nicht gegeben. Spürbar sind die Einflüsse von außen aber schon. 30 Räumungsklagen verzeichnet die Stadt vom 1. Dezember 2022 bis heute.
Die Gründe, warum Menschen in die Obdachlosigkeit rutschen, sind verschieden. Da sind zum Beispiel Drogen- oder Alkoholsucht. Oft spielen auch psychische Probleme eine Rolle. Schlötterer spricht von einem Teufelskreis, in dem sich die Menschen befinden und aus dem sie oft nicht alleine herauskommen. „Ich erlebe immer mehr, dass es ein kompaktes Problempaket ist.“
Um darauf reagieren zu können, hat die Stadt intern die Zuständigkeiten verändert. Bislang mussten die Menschen zum Ordnungsamt, wo sie eine Notunterkunft vermittelt bekamen. Die weitere Betreuung oblag einer anderen Stelle. Jetzt ist Schlötterer komplett verantwortlich für die Obdachlosen – sowohl für den Erstkontakt als auch für die weitere Betreuung.
In erster Linie kümmert sich Schlötterer darum, dass die Menschen schnell wieder eine Unterkunft haben. Das ist gerade im Winter nötig. „Das sieht man aktuell auch an der Belegung der Herberge zur Heimat.“ Da sei ein bis kein Bett frei. Er vermittelt die Betroffenen aber auch weiter, zum Beispiel ans Blaue Kreuz. „Es ist sinnvoll, dass alles in einer Hand ist“, begründet Nießlein. So entstehe auch eine gewisse Bindung. „Das ist mir wichtig bei meiner Arbeit“, hebt Schlötterer hervor. „Man braucht ein Fundament auf Augenhöhe.“
Damit die Menschen nicht auf der Straße schlafen müssen, verfügt die Stadt über verschiedene Unterbringungsmöglichkeiten. Zu nennen sind die Schlichtwohnungen im Haldenweg, sechs Wohnungen in der Draisstraße sowie die Herberge zur Heimat, wie Nießlein und Schlötterer aufzählen.
Hinzu kommt ein Belegungsrecht in Höhe von 30 Prozent in der Schlesierstraße, wobei diese Wohnungen eigentlich nicht als Notunterkunft gedacht sind, im Ernstfall aber dafür auch genutzt werden können. Unter dem Strich verfügt die Stadt über rund 50 Plätze. „Damit ist der Bedarf gedeckt“, sagt Nießlein.
Das Ziel sei es, dass die Obdachlosigkeit nur ein vorübergehender Zustand ist, machen beide deutlich. Deshalb schaut Schlötterer, dass er die betroffenen Menschen schnellstmöglich wieder auf dem normalen Wohnungsmarkt unterbringt. Oft klappt das auch, aber eben nicht immer. „Aber das ist ein verschwindend geringer Anteil“, so Nießlein.
Gut entwickelt hat sich mittlerweile der Tagestreff in der Schaitbergerstraße, der in Zusammenarbeit mit der Diakonie betrieben wird. Im Schnitt acht Personen halten sich hier pro Tag auf. „Im Sommer sind die Menschen lieber draußen“, sagt Schlötterer. „Aber im Winter ist so etwas Gold wert, genau wie die Wärmestube der Diakonie.“