Aus finanziellen Gründen und zur Verwaltungsvereinfachung wird es künftig nur noch den Erzeugerring für pflanzliche Qualitätsprodukte Mittelfranken geben, dessen Geschäftsstelle im Gebäude des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ansbach untergebracht ist. Bislang waren landwirtschaftliche Betriebe in drei Erzeugerringen organisiert.
Die Aufgabe der Erzeugerringe besteht in der Beratung und Betreuung der Mitgliedsbetriebe. Es handelt sich dabei um freiwillige Zusammenschlüsse von Erzeugern landwirtschaftlicher Produkte. Der größte Erzeugerring Pflanzliche Qualitätsprodukte mit rund 4600 Mitgliedern soll bestehen bleiben.
Die beiden kleineren Ringe Qualitätskartoffeln (etwa 270 Mitglieder) sowie Saat- und Pflanzgut (um die 70 Mitglieder) sollen aufgelöst und in den großen Ring integriert werden. Die drei Ringe hatten eine gemeinsame Geschäftsstelle.
Der Prozess der Abwicklung ist ein wichtiger Tagesordnungspunkt der Mitgliederversammlung am Donnerstag, 27. Februar, um 9 Uhr im Landgasthof Zwick in Rudelsdorf bei Kammerstein (Landkreis Roth). In der Abstimmung ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.
Es geht ums Geld: Die Dachorganisation der Erzeugerringe, das Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern, eine staatlich unterstützte Selbsthilfeeinrichtung, die landwirtschaftliche Betriebe im Freistaat vertritt, verlangt künftig von jedem Erzeugerring einen jährlichen Beitrag von 5000 Euro.
Bislang war diese Summe nur einmal je Geschäftsstelle zu zahlen. Außerdem wurde der Beitrag je Mitglied von fünf auf zehn Euro erhöht, den die Erzeugerringe an den Dachverband abführen müssen. „Deshalb sind wir fast gezwungen, die beiden kleineren Ringe aufzulösen und in den großen Ring zu integrieren“, sagt Jürgen Reingruber aus Wasserzell bei Ansbach, seit 25 Jahren Geschäftsführer beim Erzeugerring Mittelfranken. Den eigenen Betrieb hat er aufgegeben, aber sein Engagement für den Kartoffelbereich ist geblieben.
Mit der Reduzierung auf einen Erzeugerring wird sich für die Landwirte „fast nichts ändern“, ist Rein᠆gruber überzeugt. „Die fachlichen Informationen und alle Dienstleistungen laufen wie gehabt weiter.“
Beim Dachverband sorgten einerseits Tariferhöhungen von über elf Prozent für die Beschäftigten im vergangenen Jahr für gestiegene Kosten, so Jürgen Reingruber, aber auch das Projekt „Bodendatenbank“, das „kostenmäßig aus dem Ruder lief“. Die Verschlankung der Erzeugerring-Organisation habe auch „etwas Gutes“. Sie gehe mit einer Verwaltungsvereinfachung einher in Bezug auf Buchhaltung, Jahresabschluss und Rechnungsprüfung.
Der Erzeugerring für Qualitätskartoffeln Mittelfranken nimmt zusammen mit dem Landeskuratorium die Qualitätsprüfung von Speise- und Veredelungskartoffeln in Bayern vor. Haupt-Vertragspartner in Mittelfranken ist die Firma Henglein in Wassermungenau (Landkreis Roth). Dort wird die gesamte angelieferte Verarbeitungsware durch die Qualitätsbonitur beurteilt.
Die Bonituren erfolgen in der Regel bei der Anlieferung an unsortierter Rohware oder aufbereiteter Ware. Bei der Einlagerung während der Haupternte ins firmeneigene Lager werden Rückstellmuster gezogen, welche etwa vier Wochen später bonitiert werden.
Die Qualitätsbefunde dienen den Kartoffelunternehmen als Grundlage für die Abrechnung mit den Lieferanten. Für die Landwirte sind die Ergebnisse der Bonituren wichtige Ansatzpunkte für qualitätsverbessernde Produktionsmaßnahmen.
2024 erlebten die mittelfränkischen Kartoffelbauern ein „durchwachsenes Jahr“, sagt der Erzeugerring-Geschäftsführer. 2022 war es „historisch schlecht“ – Folgen von Hitze und Trockenheit.
Die Sandböden in Mittelfranken mit ihrer geringeren Wasserspeicherkapazität sind „ein großes Manko“ bei Hitzephasen und intensiver Sonneneinstrahlung, erläutert Reingruber. Es gab empfindliche Ertrags- und Qualitätseinbußen. Für heuer hofft er, „dass der Kartoffelanbau nach den Draufzahljahren auch mal wieder was reinholt“. Die Kartoffelanbaufläche in Mittelfranken hat sich auf dem niedrigen Niveau von 1140 Hektar „einigermaßen stabilisiert“. Wobei nach wie vor von Jahr zu Jahr ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist. Der Schwerpunkt des Kartoffelanbaus liegt dabei mit zusammen etwa 740 Hektar in den Landkreisen Roth und Ansbach.
Es gebe kaum noch spezialisierte Kartoffelbetriebe, führt Reingruber aus. Seit 2010 gehe der Trend zur Biogasproduktion. Früher habe der Vertragspartner Henglein „50 bis 60 Prozent“ Kartoffeln aus Mittelfranken verarbeitet. Inzwischen sind es deutlich weniger. Im schlechten Erntejahr 2022 seien es nur etwa „10 bis 15 Prozent“.