Miroslav Kloses Nürnberger ließen sich als Spitzenreiter der 2. Fußball-Bundesliga in ihrer Fankurve leidenschaftlich feiern. Von dem Etikett einer Spitzenmannschaft wollte der Weltmeister von 2014 nach der Einstellung des vereinseigenen Startrekords von vor 27 Jahren aber nichts wissen.
„Nee, wir sind ein bisschen besser als in den letzten zwei Jahren gestartet, das schon“, meinte der frühere Nationalstürmer in seiner dritten Saison als Trainer der Franken nach dem 4:1 (3:0) gegen Arminia Bielefeld und dem perfekten Neun-Punkte-Auftakt. „Wir sind im Moment im Flow, es greifen viele Dinge und wir haben ein gewisses Selbstverständnis, Fußball zu spielen.“
Die Nürnberger Maschine läuft aktuell. In der Defensive präsentieren sich die Franken willensstark und hingebungsvoll, in der Offensive agieren sie eiskalt und handlungsschnell. So kommt dann ein Heimsieg unter Flutlicht gegen die Arminia zustande, die nicht unbedingt so deutlich unterlegen war.
„Die Effektivität und Qualität hatten wir nicht“, zollte Bielefelds Trainer Oliver Kirch dem siegreichen Gegner Respekt. „Wir haben eine ausgezeichnete Mannschaft, mit einer ausgezeichneten Qualität und wir haben außerdem einen echt guten Zusammenhalt“, meinte der Nürnberger Mittelfeldspieler Adam Markhiev, der gleich zweimal gegen die Arminia traf.
Makellos rund läuft der Nürnberger Motor nicht. Torwart Jan Reichert etwa erwies sich trotz eines Gegentores aus mehr als 40 Metern erneut als Rückhalt, der seine Mannschaft vor größeren Problemen bewahrte. Der Traditionsverein tritt aber mit einer Entschlossenheit auf, die eine eigene Qualität darstellt. „Wir haben Spieler, die das Momentum haben, es ist eine gewisse Leichtigkeit auf dem Platz“, attestierte Klose seiner Mannschaft.
Einer dieser Spieler ist Mohamed Ali Zoma. Der vor einem Jahr vom italienischen Drittligisten UC AlbinoLeffe gekommene pfeilschnelle Stürmer hat sich zu einem Toptorjäger entwickelt. Nach 14 Treffern in der vergangenen Saison war er in dieser Spielzeit schon viermal erfolgreich. Die Führung gegen die Arminia erzielte er mit einem Turbo-Solo über den halben Platz.
So ein Spieler ist begehrt. Deshalb riefen die Franken auch eine Ablöse von mindestens 20 Millionen Euro für ihn auf. Dass Zoma nun bleibt, unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Nürnberger bei ihren Aufstiegsplänen. „Heute ist unser Deadline-Day“, sagte Sportvorstand Joti Chatzialexiou während des Flutlichtspiels in der heimischen Arena und erklärte den 22-Jährigen in dieser Transferperiode für unverkäuflich.
Ob sich überhaupt ein Verein gefunden hätte, der so viel Geld für einen Zweitligastürmer gezahlt hätte? Egal. „Es ist für uns alle fantastisch“, meinte Klose über das Nein zu einem Wechsel des Angreifers. „Mit Momo ist der Weg noch nicht zu Ende. Ich bin überzeugt, dass ihm alle Türen offen stehen.“ Wenn Zoma weiter so trifft, trifft Kloses Aussage ganz bestimmt zu.
Die Nürnberger Basta-Ansage bei Zoma ist auch ein Signal an die Topteams der 2. Bundesliga wie den VfL Wolfsburg, Hertha BSC oder den 1. FC Heidenheim, dass die Franken diese Saison zumindest nicht als aufstiegsunfreundlich ansehen - zurückhaltend ausgedrückt. „Ja, kann man schon so deuten als Zeichen“, entgegnete Klose auf eine entsprechende Frage.
Zur Nürnberger Ernsthaftigkeit gehört aber auch der nachvollziehbare Verweis darauf, dass die Zweitligasaison noch lange ist und weiter geschuftet werden muss. „Wir werden an dem gemessen, wo wir gerade stehen und deswegen müssen wir weiter hart arbeiten“, sagte Klose.
Markhiev mahnte zur Bescheidenheit und meinte dann irgendwie doch ganz unbescheiden und mit einem nachgeschobenen Lacher: „Ich denke, die anderen Teams haben jetzt ein bisschen Angst vor uns.“ Wie viel die Rivalen angeblich tatsächlich haben, wird man dann kommende Woche in Kiel sehen, wenn die Nürnberger ihren Startrekord aus der Saison 1999/2000 mit einem weiteren Dreier übertreffen können.
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