Sie leisten Erste Hilfe für die Seele. Sie sind für Menschen da, die oft unvorbereitet mit Not- und Unglücksfällen in ihrem persönlichen Umfeld konfrontiert werden und die eine akute Krise haben. Yvonne Kerschbaum und Bianca Meyerhöfer-Klee gehören zum Team der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV), das seit 2016 im hiesigen BRK-Kreisverband besteht.
In der Regel werden sie und ihre Kollegen durch die Einsatzkräfte der Rettungsdienstorganisationen per Leitstelle alarmiert. Bei den Menschen, um die sie sich kümmern, kann es sich um Betroffene und Einsatzkräfte aus dem Rettungsdienst oder der Feuerwehr gleichermaßen handeln.
Die Arbeit ist nicht immer einfach. Sie erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Sensibilität und Fachwissen. Das haben Yvonne Kerschbaum und Bianca Meyerhöfer-Klee. Dafür wurden sie umfangreich ausgebildet und investierten dafür viel Freizeit – und das ehrenamtlich.
Sie begleiten Polizistinnen und Polizisten, die einer Familie den Tod ihres Angehörigen nach einem schweren Verkehrsunfall überbringen oder sie über den Suizid eines nahe stehenden Menschen informieren müssen.
Akutbetreuung leisten Kerschbaum und Meyerhöfer-Klee sowie die anderen PSNV'ler auch nach einer erfolglosen Reanimation oder für Opfer von Gewalt. Involviert sind sie ferner grundsätzlich bei Großschadensereignissen wie etwa schweren Unfällen mit mehreren Betroffenen oder Naturkatastrophen. Da es auch vorkommt, dass ihr Gegenüber nur wenig Deutsch oder Englisch spricht, kann man auf ein kleines Netz an Dolmetschern zurückgreifen, die etwa Französisch, Spanisch und Polnisch beherrschen.
Auch wenn die beiden Mitglieder der Psychosozialen Notfallversorgung schon viele Einsätze hatten, so gibt es doch einige, an die sie sich noch gut entsinnen können. „Am schwersten war es für mich, einer Familie die Nachricht zu überbringen, dass ihr Sohn tödlich verunglückt ist“, erzählt Kerschbaum.
Zu den kräftezehrenden Einsätzen gehören Unfälle und wenn die Reanimation eines jungen Menschen erfolglos ist, sagt Meyerhöfer-Klee. „Jeder Einsatz hat seine eigene Geschichte. Man erfährt viel über die betroffenen Familien. Die Menschen, die wir begleiten, befinden sich in einer Krise, resultierend meist aus einem Todesfall.“ Dann sind sie für sie da, bieten einen geschützten Raum für die Betroffenen, helfen dabei, sie emotional zu stabilisieren.
„Man braucht viel Fingerspitzengefühl und muss spüren, was die oder der andere braucht“, erzählen die beiden 47 und 49 Jahre alten Frauen. Während die einen reden wollen, möchten andere das nicht. Auch Schweigen muss man aushalten. Dauert ihr Einsatz länger als sechs Stunden, bedarf es einer Ablösung. Wenn sie bei Leuten daheim sind, schauen sie, ob diese jemanden brauchen, der bei ihnen übernachtet. Wichtig sei es, ein soziales Netzwerk aufzubauen, damit die Angehörigen nicht alleine im Schock verharren. Deshalb kann man auch an andere Fachdienste wie psychosoziale Betreuungsangebote weitervermitteln.
Die Einsätze lassen niemanden kalt, doch man entwickelt mit der Zeit eine gewisse Routine, um das Erlebte zu verarbeiten. Saunieren, wandern, einfach Dinge tun, die Freude bereiten – jede und jeder hat seine eigene Psychohygiene, sagen die beiden Frauen. Hilfreich ist es für sie, mit dem Team noch gemeinsam einen Kaffee zu trinken, sich zusammenzusetzen, um aus dem Einsatz „rauszugehen“, nachdem vorher das Erlebte nochmals besprochen wurde.
Es ist für die Helfenden wichtig, auf eigene Bedürfnisse zu achten, Gefühle zuzulassen und in den Alltag zurückzukehren, sobald es möglich ist. Zu vielen Einsätzen wurde das PSNV-Team schon in diesem Jahr angefordert. Eine der Gründerinnen ist Yvonne Kerschbaum, die eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten absolviert hat, in Kliniken in der Notaufnahme arbeitete sowie Nachtdienste in Seniorenheimen leistete.
Da sie sich neben Beruf und Familie noch sozial engagieren wollte, startete sie eine Ausbildung zur Sanitäterin und schloss sie ab. Es folgen Bereitschaftsdienste bei der Bereitschaft in Markt Erlbach, danach machte sie die Ausbildung in der Psychosozialen Notfallversorgung und leitet nun das Team des BRK im hiesigen Kreisverband.
Als stellvertretende Fachdienstleiterin fungiert Bianca Meyerhöfer-Klee, Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen, die auch beruflich mit Gesundheits- und Arbeitsschutz betraut ist. Berufsbegleitend studiert sie derzeit noch. In ihrer Bachelorarbeit beschäftigt sie sich mit dem Thema „Psychosoziale Notfallversorgung“. Sie ist zudem seit zwei Jahren bei der BRK-Bereitschaft Emskirchen und wirkte dort schon im Sanitätsdienst.
Die umfassende PSNV-Ausbildung ist wichtig. „Wenn ein großer Unfall ist, muss man die Lage erfassen. Wir sind im Setting groß geworden, erkennen die Ansprechpartner sofort“, stellen Kerschbaum und Meyerhöfer-Klee fest. Angedockt ist die Notfallseelsorge im PSNV-System. BRK, evangelische und katholische Notfallseelsorge bilden eine Alarmierungseinheit und stellen den Hintergrunddienst gemeinsam.
Sie alle leisten wertvolle Arbeit, von der jede und jeder profitiert: Betroffene, Angehörige und Einsatzkräfte. Der Bedarf ist groß, die Unterstützung wird gern angenommen. Sie ist Erste Hilfe für die Seele in einer akuten Krisenlage.