Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken - und auch die Leben von Igeln, Eichhörnchen und Co. verändern sich. Der Herbst ist eine wichtige Übergangszeit für Wildtiere, bevor die kalte Jahreszeit beginnt.
Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtierstiftung erklärt, was sie jetzt beschäftigt, welche Unterstützung die Tiere brauchen und worauf wir in Garten und Natur besonders achten können.
Jenifer Calvi: Im Herbst geht es vor allem für die Winterschläfer unter den Wildtieren um das große Fressen: Sie müssen sich in wenigen Wochen für den Winter ausreichende Fettreserven anfuttern und zusätzlich geschützte Quartiere finden, damit sie die nahrungsarmen Monate überstehen.
Der Igel ist nun auf der Suche nach Energiehaltigem: Laufkäfer, Ohrwürmer, Larven, Asseln oder kleine Spinnen stehen auf dem Speiseplan. Bilche wie Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmaus futtern sich mit Beeren, Nüssen und Samen satt. In naturnahen Gärten, auf Streuobstwiesen und ungemähten Grünflächen finden sie ihre Nahrung.
Wechselwarme Amphibien wie Erdkröten, Frösche, Molche und Reptilien wie etwa Eidechsen suchen bei sinkenden Temperaturen frostfreie Verstecke. Totholz, Stein- und Laubhaufen, Mauerspalten und Komposthaufen bieten ihnen Schutz.
Marienkäfer und Laufkäfer, Spinnen und Asseln verkriechen sich in dicken Laubschichten und unter Steinen. Schmetterlingsarten wie der Kleine Fuchs, das Tagpfauenauge oder der Zitronenfalter verstecken sich in Baumspalten oder Ecken von Geräteschuppen und verharren dort in der kalten Jahreszeit regungslos.
Jenifer Calvi: Indem man nicht aufräumt: Wo immer es geht, sollte in Gärten das Herbstlaub liegen bleiben. Im Laub sammeln sich Insekten, Schnecken, Raupen und Käfer an – die Nahrung der Insektenfresser. Das dicke Laub bietet zudem einen guten Unterschlupf für Igel und Kröte.
Für Winterschläfer ist ein ungestörter, sicherer Rückzugsort überlebenswichtig. Sie nutzen Verstecke auf alten Streuobstwiesen, in Reisighaufen oder in Hecken in naturnahen Gärten.
Wer Reisig liegen lässt und auch die dichte Brombeerhecke nicht beschneidet, schafft wichtige Winterquartiere. Auch alte Steinmauern im Garten sind wertvoll - in den Ritzen finden kleine Wildtiere Unterschlupf. Einen alten Baumstumpf muss man nicht entfernen, denn er bietet vielen Käferarten und Spinnentieren Versteckmöglichkeiten.
Und wer im Garten Brombeeren, Himbeeren oder die Samenstände von Wilder Möhre, Königskerze und Natternkopf stehen lässt, hilft doppelt: Zum einen finden Vögel dort Nahrung. Zum anderen überwintern in den Stängeln und der Laubstreu zahlreiche Insekten – sie sind die wichtigste Nahrungsgrundlage für Igel, Fledermäuse und insektenfressende Vögel. Hohle Pflanzenstängel werden über den Winter hinweg auch zu Wildbienenhotels.
Jenifer Calvi: Bei Gartenarbeiten im Herbst gilt es Rücksicht zu nehmen, damit Nester nicht zerstört oder die Tiere geweckt werden. Hundebesitzer sollten ihre Lieblinge dringend davon abhalten, unter Hecken oder an Baumwurzeln nach den schlafenden Bilchen oder Igeln zu stöbern.
Im Wald oder Park bleiben Spaziergänger am besten auf den Wegen, damit sie Wildtiere nicht stören. Denn jede Flucht kostet sie Energie und diese Energie müssen sie in Form von Futter wieder zurückholen. Hunde sollte man anleinen.
Verzichten Sie auch auf eine Beleuchtung des Gartens, erst recht, wenn sich dort niemand aufhält. Prüfen Sie, wo Licht gedimmt oder ganz abgeschaltet werden kann. Bereits kleine Anpassungen tragen dazu bei, die Nächte wieder dunkler, natürlicher und damit sicherer für Wildtiere zu machen.
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