Braucht man, gerade mit Blick auf das Naturparkzentrum in Scheinfeld, einen Ersatz für das Jugendübernachtungshaus in Markt Bibart? Das bisher bestehende Haus ist marode und nicht mehr zu sanieren. Gabi Schmidt stellte nun einen entsprechenden Antrag.
Im Jugendhilfeausschuss hat man – wenn auch meist in Form abstrakter Zahlen – mit schlimmen Verhältnissen zu tun, bis zum Fall, dass Kinder aus der Familie genommen werden müssen. Wenn Kinder und Jugendliche in einem Verein aktiv sind, haben sie dort einen „Heimathafen”, der verhindert, dass der Staat sie auffangen muss, ist die Landtagsabgeordne und das Ausschussmitglied Gabi Schmidt überzeugt. Deshalb sei es umso wichtiger, für die Vereinsjugend etwas zu tun und darum wollte sie erreichen, dass sich der Landkreis intensiv mit dem Bau eines neuen Jugendgästehauses in Markt Bibart befasst.
Diesen Antrag hatte die UWG-Kreisrätin im Vorfeld der Sitzung schriftlich gestellt. Zur Begründung verwies sie auf das in Scheinfeld geplante Naturparkzentrum Steigerwald: „Den Gruppen, die wir in den Landkreis locken wollen, müssen wir auch sinnvolle Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen.”
Mit Blick auf die fünf bis sechs Millionen Euro, die für das Vorhaben zu kalkulieren wären, sah das nicht nur Landrat Dr. Christian von Dobschütz kritisch. Dazu kommt: In einem Gespräch mit verschiedenen Anbietern von Jugendübernachtungsmöglichkeiten wie dem CVJM, dem Träger des europäischen Schullandheims in Bad Windsheim und dem Schullandheim in Obersteinbach sowie der Burg Hoheneck hätten die Beteiligten berichtet, dass das vorhandene Angebot so schlecht nicht sei. „Manche Anbieter müssen kämpfen.” Ein weiteres Haus wäre demnach also nicht unbedingt nötig, sondern würde womöglich den Konkurrenzdruck noch verschärfen.
In dieselbe Richtung zielte der stellvertretende Landrat und frühere Landtagsabgeordnete Hans Herold: Er erinnerte Gabi Schmidt daran, dass man gemeinsam im Haushaltsausschuss für Bad Windsheim und Obersteinbach 400.000 Euro wegen der Ausfälle durch Corona und sein Landtags-Nachfolger Werner Stieglitz mit ihr weitere 300.000 Euro für erforderliche Investitionen locker gemacht habe.
Schmidt hatte anfangs darauf hingewiesen, dass in vielen dieser Einrichtungen ein Rund-um-Paket angeboten würde. Viele Jugendgruppen seien aus Kostengründen aber lieber als Selbstversorger unterwegs. Außerdem verwies sie auf Förderprogramme des Bezirksjugendausschusses und des Staatsministeriums, die noch nicht einmal angefragt worden seien. Man müsse auch nicht so aufwendig bauen, sondern könne vielleicht eine kleinere Lösung mit Tiny-Häusern schaffen.
Als Hauptargument gegen den Bau sah der Landrat trotzdem die zu erwartenden Kosten. „Wir haben das Geld momentan einfach nicht.” Schützenhilfe erhielt er von Hans Herold: „Wenn wir die Kreisumlage stärker erhöhen müssen als vorgesehen, kommt das Landratsamt in die paradoxe Situation, dass es den einen oder anderen kommunalen Haushalt vielleicht nicht mehr genehmigen kann, der wegen der Kreisumlage in Schieflage gerät.”
Als Kompromiss schlug er vor, dass man zum Beispiel mit Obersteinbach und Bad Windsheim spreche und frage, ob sie auch Selbstversorger-Gruppen beherbergen. Wie der Landrat berichtete, wolle die Gemeinde Markt Bibart auf dem Grundstück, auf dem jetzt das Jugendübernachtungshaus steht, einen Kindergarten errichten. Spätestens dann hätte der Landkreis in Markt Bibart ohnehin kein geeignetes Grundstück mehr.
Letztlich ließ sich Schmidt auf von Dobschütz' Vorschlag an, den Bedarf an Jugendübernachtungsplätzen erneut zu prüfen, wenn das Naturparkzentrum fertig ist. Er hofft darauf, dass bis dahin auch die Wirtschaft angesprungen ist. „Wir sollten einen Weg finden, die Übernachtungsmöglichkeiten dann innerhalb des Naturparkzentrums zu schaffen”, meinte Herold.