Auch die schönste Kerwa geht einmal zu Ende. Laut einer von Bürgermeister Klaus Meier jüngst zitierten Umfrage, ist die Neustädter Kerwa die drittschönste in Franken, aber irgendwann mal ist sie eben auch vorbei. Seit Montag werden die Fahrgeschäfte abgebaut, es wird aufgeräumt, geputzt und vor allem das „Geld gezählt“. Die Bilanz der Schausteller fällt durchaus unterschiedlich aus.
Auf den Social-Media-Kanälen diskutierten die Besucherinnen und Besucher in den vergangenen Tagen „rauf und runter“, ob und warum in diesem Jahr „weniger los“ gewesen sei. Spekuliert wurde häufig, dass die Kerwa auf das Ende des Monats gefallen und beim einen oder anderen nicht mehr so viel Geld auf dem Konto gewesen sein könnte. Auch die sehr heißen Temperaturen könnten den einen oder anderen vom Kerwabesuch abgehalten haben, mutmaßten andere.
Stimmt das überhaupt? War weniger los? Bei den Wirten und Schaustellern hört sich das nicht unbedingt so an – die meisten jedenfalls klagten auf Nachfrage nicht. Verena Reinholdt, die das Schießhaus während der Kerwa bewirtschaftete, war beispielsweise durchaus zufrieden. „Es ist aber natürlich immer Luft nach oben“, sagte sie.
Im Kerwadorf waren Montagmittag gerade Thomas und Steffi Ullrich beim Abbauen und Aufräumen. Sie hatten beide das Gefühl, dass der Besuch heuer „ein bisschen schwankend“ war, zeigten sich aber im Großen und Ganzen ebenfalls zufrieden. Sicher sei: Das zweite Wochenende sei definitiv besser gelaufen als das erste.
Auch Marcel Wilhelm aus Aurich in Ostfriesland zog ein verhalten positives Fazit: Aufgrund der Hitze sei es bei seinem Action-Fahrgeschäft „Remmi Demmi“ zwar oftmals etwas später am Nachmittag losgegangen, als in den Vorjahren, aber dann seien die Familien mit Kindern umso mehr geströmt.
Cristina Störzer hingegen zeigte sich gestern enttäuscht. Die Nachfrage in ihrem Süßigkeitenwagen sei gar nicht gut gewesen – sie hoffe nun, wenigstens null auf null herauszukommen. Als zweites Standbein haben sie und ihr Mann Henry noch ein Spielegeschäft mit Entenangeln auf dem Festplatz – das sei etwas besser gelaufen. „Ich hoffe, wir kommen mit einem blauen Auge davon“, sagte sie und übte eine klitzekleine Kritik: Die Standgebühren seien schließlich nicht gerade billig.
Riesenradbetreiber, Michael Drliczek aus Fürth beklagte sich hingegen nicht. Die beiden Sonntage seien zwar extrem „schweißtreibend“ gewesen und deswegen war schon „etwas weniger los“, aber weil sein Fahrgeschäft für alle Altersgruppen geeignet ist, habe er doch relativ konstanten Zulauf erfahren: Das Riesenrad sei eben krisenfester als andere. „Vom Kleinkind bis zur Oma fahren alle gerne Riesenrad“. Kein Wunder – die Aussicht aus 32 Metern ist ja auch spektakulär – auch und vor allem in den kühleren Abendstunden.
Anne Falter von der Schnapsbude war eher mäßig zufrieden – sie habe in diesem Jahr rund 20 Prozent weniger als noch 2024 eingenommen. Der Bierumsatz sei zwar stabil geblieben, doch Cocktails waren deutlich weniger gefragt. Aufgefallen sei ihr darüber hinaus, dass das Feuerwerk seine Anziehungskraft etwas verloren habe. Als ganz persönliche Einlassung fügte sie hinzu, wie sehr sie sich Jahr für Jahr über die Blasmusik des Diespecker Musikvereins freue, der bekanntlich zum Ausklang der Kerwa den Zapfenstreich blase.
Rundum glücklich mit der Kerwa 2025 präsentierte sich Metzgermeister Michael Forster von der Landmetzgerei Moosmeier: „Ich bin super zufrieden“, strahlte er im Gespräch – auf die Neustädter Hungrigen sei eben immer Verlass. Dies bestätigte auch Volker Schönleben von der Metzgerei – gleichzeitig Festzeltbetreiber – Rösch. Das erste Wochenende sei beim Umsatz noch etwas „verhaltener“ gewesen, doch am zweiten Wochenende schienen die Leute wieder „flüssiger“ gewesen zu sein und zahlten nicht selten mit großen Scheinen.
Rundum zufrieden übrigens zeigte sich die Neustädter Polizei in ihrem gestrigen Bericht. „Ein Einschreiten war nur selten geboten und bei bestem Wetter blieben Sachbearbeitungen Mangelware.“ Nur „ganz wenige Anzeigen wegen Körperverletzung“ und kleinerer Raufereien habe man aufnehmen müssen und eine ganze Reihe „aufkeimender Streitigkeiten wurden durch die einschreitenden Kräfte befriedet, bevor Straftaten begangen werden konnten“.
Insgesamt ziehe man seitens der Neustädter Polizei ein „sehr positives Fazit“ der Kerwa – das Sicherheitskonzept der Stadt habe sich eindeutig bewährt.