Neustadt und die „Lindenstraße”: Doku-Film verrät die Bezüge zur Kult-Serie | FLZ.de

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Neustadt und die „Lindenstraße”: Doku-Film verrät die Bezüge zur Kult-Serie

Brigitte McNeill im Gespräch mit Lindenstraßen-Regisseur Hans W. Geißendörfer. Dieser lebte in der Reihenhaussiedlung „Tabor“, der Keimzelle für das Drehbuch. (Foto: Killen McNeill)
Brigitte McNeill im Gespräch mit Lindenstraßen-Regisseur Hans W. Geißendörfer. Dieser lebte in der Reihenhaussiedlung „Tabor“, der Keimzelle für das Drehbuch. (Foto: Killen McNeill)
Brigitte McNeill im Gespräch mit Lindenstraßen-Regisseur Hans W. Geißendörfer. Dieser lebte in der Reihenhaussiedlung „Tabor“, der Keimzelle für das Drehbuch. (Foto: Killen McNeill)

Vor genau fünf Jahren flimmerte die letzte Folge der TV-Serie Lindenstraße über die Bildschirme. Anlässlich dessen zeigen Brigitte und Killen McNeill am Samstag, 29. März, erneut den Dokumentarfilm „Die Neustädter und die Lindenstraße“ in ihrer Kulturscheune in Unterlaimbach.

Der Film war ursprünglich für das Heimatfest 2020 geplant. „Dass die Serie Lindenstraße eingestellt würde, ahnten wir nicht, als die Idee entstand“, sagte Walter Gramming. Der Neustädter Künstler übernahm die Regie, zum Filmteam gehörten außerdem seine Frau, die Künstlerin ushi f, sowie Brigitte und Killen McNeill. Brigitte McNeill sei ein Lindenstraßen-Fan der ersten Stunde gewesen, berichtet Walter Gramming über seine Cousine. Selbst im äußersten Notfall sei sie sonntags um 18.50 Uhr vor der „Flimmerkiste“ gesessen.

Insgesamt gab es 1758 Folgen der Kultserie

1758 Folgen gab es von der Kultserie Lindenstraße, die 1985 gestartet worden war und mit der letzten Folge am 29. März des Jahres 2020 eingestellt wurde. Sie spielt zwar in München und ist in den Filmstudios in Köln gedreht worden, ist aber wegen Serienerfinder und Regisseur Hans W. Geißendörfer auch eng mit der Stadt Neustadt verwurzelt. Jene Wurzeln galt es für Gramming, ushi f und die McNeills genauer zu erforschen.

Im Zuge der Dreharbeiten reiste das Neustädter Filmteam auch nach Köln, um Hans W. Geißendörfer und Marie-Luise Marjan, alias Mutter Beimer, zu interviewen. Gramming sprach aber auch mit Neustädtern, wie zum Beispiel Luise Beyerlein. „Ich bin sehr dankbar, dass ich die wunderbare Luise mit ihrer ganzen Wucht und so viel Humor bei den Vorbereitungen zu dieser Arbeit noch auf Video bannen konnte“, so Gramming über seine bereits verstorbene Interviewpartnerin.

Kindheitszeiten des Regisseurs in Neustadt

Beyerlein hatte Hans Wilhelm Geißendörfer noch als Kind erlebt. Die aus Augsburg geflüchtete Familie Geißendörfer mit den Kindern Hans Wilhelm, Hanna und Dieter lebte in Neustadt in einer ähnlichen Wohngemeinschaft, wie die Bewohner der Lindenstraße. Zuerst in der Nürnberger Straße, im heutigen Verlagshaus Schmidt, dann im Neustädter Tabor – einer von evangelischen Pfarrersfamilien bewohnten Reihenhaussiedlung.

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Beyerlein kannte die geheimen Fäden, die sich vom Tabor zum Haus Nr. 3 in der Lindenstraße spannten. Auch die Filmfiguren Mutter Beimer, Else Kling und andere Serienhelden wurden von Menschen aus Geißendörfers Kindheit inspiriert. „Und sie hat es auf faszinierende Weise vor der Kamera verraten“, sagt Gramming über Luise Beyerlein.

Ein Zeitzeuge, der die vaterlose Pfarrersfamilie Geißendörfer sehr gut kannte, war Cousin Friedrich Geißendörfer. Der Großvater Max Geißendörfer sei vielen aus Neustadt bekannt, er stand bei den Nazis am Pranger, weil er auf dem Fuhrwerk eines Juden gesehen wurde, der ihn wegen eines Fußleidens freundlicherweise vom Bahnhof mitgenommen hatte, so Friedrich Geißendörfer, der auch von seinem gewitzten Cousin Hans-Wilhelm zu erzählen weiß. Er berichtet im Film, wie der Lindenstraßen-Erfinder schon zu frühen Schulzeiten „Schundheftchen“ unter der Schulbank gelesen und an Mitschüler vertrieb hatte und sich gute Noten erschlich.

Die Neustädter sind weiter eine treue Fangemeinde

„Ich zieh’ hier aus, ich halte es nicht mehr aus!“, soll eine Mitbewohnerin des Tabors einmal geschrien haben, wenn die Racker mal wieder über die Stränge schlugen. Und schließlich zog einer aus. Es war Hans Wilhelm, der von seiner Mutter nach Windsbach ins Internat geschickt wurde, weil er nicht mehr versetzt worden war. Im Interview mit Brigitte McNeill steht der Kultregisseur auch dazu: „Es gab kaum einen im Tabor, der nicht einmal hocken blieb“.

Hans W. Geißendörfers Klassenkamerad war Wolfgang Mück. Der Historiker und Altbürgermeister kommt im Film ebenfalls zu Wort und ließ es sich auch nicht nehmen, zur von Brigitte McNeill organisierten Lindenstraßen-Demo nach der Verkündung des Serien-Aus zu kommen.

Die Neustädter Fangemeinde bedauert das Ende der Serie noch immer. „Und jetzt ist sie vergangen, diese wundervolle Serie, mit ihrem Studio und über hundert Meter langen Fluren, die mit Fotos von Stars und Sternchen gesäumt sind. Hier wurde ein Til Schweiger aus einem Kölner Theater heraus entdeckt und ein Herr Schlingensief fing hier mal als kleiner Produktionsleiter an“, sinniert Gramming.

Doku-Film läuft in der Kulturscheune

Er selbst und ushi f seien erst zu Fans geworden, „als die Serie schon in den letzten Zügen lag“, gibt Gramming zu. Gemeinsam mit ushi f und Brigitte McNeill hatte er ein Lindenstraßen-Wirtshausquiz organisiert. „Die Lindenstraßenmenschen haben als Stellvertreter gelebt, als Leidens- und Freudensmenschen, weil einer allein kann das ja gar nicht erleben“, so Filmemacher Gramming schwärmerisch.

Der Dokumentarfilm „Die Neustädter und die Lindenstraße“ ist am 29. März in McNeills Kulturscheune, Unterlaimbach 42, zu sehen. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Um Anmeldung unter killen.mcneill@t-online.de wird gebeten.

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