In Neustadt gibt es eine neue Vierer-WG, die von sich reden macht. Aber nicht wegen mit Bierflaschen überfüllter Kühlschränke, unausgeräumter Geschirrspülmaschinen oder anderer Wohngemeinschaftsklischees. Vielmehr wegen Videos, Fotos, Homepages und Gestaltung. Diese „Kreativ-WG“ feierte eine riesige Party in der NeuStadtHalle.
Das Quartett hat 180 Personen, vor allem aus der Wirtschaftswelt, nach Neustadt eingeladen, um die WG zu präsentieren. Sticheleien, berühmte Überraschungsgäste und jede Menge Redebeiträge, die vier wissen eben, was so eine WG-Feier bieten muss – nur eben ohne große Eskapaden, bedingt durch gewisse Flüssigkeiten.
Als Hauptmieter fungiert gewissermaßen Henrik Kubik. Der Videograf aus dem Sugenheimer Ortsteil Ullstadt hat mit seiner Agentur „Im Kasten“ schon über tausend Filme gedreht und geschnitten. „Die Macht der Emotionen“, sagt er. Die WG hat vorher schon eine tiefere Freundschaft verbunden – denn Kreative begegnen sich immer wieder. Wenn Firmen etwa Kubik beauftragt haben, dann war meist auch Fotograf Andreas Riedel vor Ort, für die passenden Bilder. „Ein Fotograf kommt heute auch noch.“ Ein Satz, der im Videografen meist ein sanftes Grauen verursacht. „Dann läuft dir der wieder durchs Bild.“ Mit Riedel sei das anders, man kennt und schätzt sich. Oft mit im Boot sind auch Thilo Schulze und Nadine Detzel von der Werbeagentur „Kameleon“ aus Seukendorf (Landkreis Fürth).
Und wenn man sich eh ständig sieht, kann man doch auch zusammenziehen – zumindest im übertragenen Sinn. Das Quartett fungiert nun unter dem Dach der „Kreativ-WG“, um sich besser abstimmen zu können. „Alles aus einer Hand. Wir haben uns sozusagen aus Versehen intern ein Netzwerk aufgebaut“, erklärt Schulze. Und dann winken da die Synergie-Effekte.
Andreas Riedel ist in Neustadt einer dieser bekannten bunten Hunde. Es gibt wahrscheinlich niemand, der ihn nicht zumindest mal gesehen hat. „Bei ihm kann man weder seine Fotos noch seine Kameras zählen, so viele hat er“, spöttelt Kubik. „Ein alter Hase im Geschäft und ein junger Hüpfer im Kopf.“ Felix Magath stand schon bei ihm vor der Linse, Klinikmitarbeiter, Unternehmer. Wenn er sein Licht aufstellt, kann auch Henrik Kubik profitieren, stichelt Riedel: „Dann hat der Heni auch mal gutes Licht.“ Die erste Stunde ähnelt einer kleinen Comedy-Show. Kreativ, mit echter Wohngenossen-Liebe.
Zu einer guten WG-Party gehören natürlich auch Ehrengäste. Solche, die mit ihren Erfahrungen alle unterhalten und weiterbilden. Und solche, die wiederum alle kennen. In Neustadt steht plötzlich Schauspieler Hannes Jaenicke auf der Bühne. Denn die moderne Wohngemeinschaft tut auch etwas für den guten Zweck. In diesem Fall verfolgt Nadine Detzel ein „Herzensprojekt“.
Als sie auf den Verein „Fans for Nature“ aufmerksam wurde, fiel ihr die verbesserungswürdige Gestaltung auf. Sie nahm es in die Hand. Die Ehrenamtlichen retten Orang-Utans mit Hilfe der Wärmebildkamera aus jenem indonesischen Regenwald, der mehr und mehr abgeholzt wird, und bringen die Tiere in Sicherheit. Hannes Jaenicke ist der prominente Schirmherr. Das Problem: Das Camp für die umgesiedelten Primaten ist voll und doch hat sich unter den Indonesiern der „verrückte Deutsche“ herumgesprochen, entsprechend würden immer wieder Tiere abgegeben. Auch Gründer Helmut Huber wirbt in Neustadt für das Projekt, online kann ein jeder spenden und auch Patenschaften für die Orang-Utans übernehmen.
Vorträge über Social Media, Künstliche Intelligenz, barrierefreie Homepages und das entsprechende neue Gesetz und vieles mehr: Input hat die Kreativ-WG genügend, das wird an diesem Abend klar. Und auch sonst lassen sich die Kreativen nicht lumpen. Spannende Nebel- und Lichteffekte. Eine große Show und viel, viel Applaus.
Plötzlich taucht auch Ex-Fußballer und Reality-TV-Sternchen Thorsten Legat auf. Im Gegensatz zu Hannes Jaenicke aber nicht in Fleisch und Blut, sondern als Videobotschaft. Eine Motivationsrede („Kämpft, dann wird an euch kein Weg vorbeiführen“) schließt sich an, mit einem lauten Gruß – Legats Markenzeichen – an die Kreativ-WG: „Kasalla“.
Ein kreativer Haufen unter einem Dach sind die vier. Mit Promis als Freunden. Abschließend klingt die WG-Party aus. Mit Essen, Gesprächen und Netzwerker-Tätigkeiten.