Neustadt: Die Grundwasserspiegel haben sich etwas erholt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.09.2024 09:00

Neustadt: Die Grundwasserspiegel haben sich etwas erholt

Ausgetrocknete Böden, schlechte Ernteerträge und extrem niedrige Grundwasserspiegel – damit hatte die Landwirtschaft im Landkreis zu kämpfen. Der viele Regen im Herbst 2023 und in den ersten Monaten des laufenden Jahres, hat für etwas Entspannung gesorgt. (Archivfoto: Kurt Güner)
Ausgetrocknete Böden, schlechte Ernteerträge und extrem niedrige Grundwasserspiegel – damit hatte die Landwirtschaft im Landkreis zu kämpfen. Der viele Regen im Herbst 2023 und in den ersten Monaten des laufenden Jahres, hat für etwas Entspannung gesorgt. (Archivfoto: Kurt Güner)
Ausgetrocknete Böden, schlechte Ernteerträge und extrem niedrige Grundwasserspiegel – damit hatte die Landwirtschaft im Landkreis zu kämpfen. Der viele Regen im Herbst 2023 und in den ersten Monaten des laufenden Jahres, hat für etwas Entspannung gesorgt. (Archivfoto: Kurt Güner)

Kein Autowaschen mehr am Samstagnachmittag, keine Planschbecken im Garten, dessen regelmäßige Bewässerung bitteschön auf das allernotwendigste Maß eingeschränkt werden möge: So oder so ähnlich lauteten die Appelle zuletzt im Jahr 2022 – der Grundwasserspiegel sei zu niedrig, die Wasserversorgung nicht mehr gesichert.

Auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim – vorzugsweise im Zenngrund – wurden solche Stimmen laut. Kein Wunder, angesichts der Tatsache, dass von den vergangenen zehn Jahren immerhin fünf zu den „Trockenjahren“ gezählt wurden – Jahre also, in denen deutlich weniger Niederschlag fiel, als in unseren Breiten im langjährigen Mittel zu erwarten war. Genauer gesagt: Ein Trockenjahr ist definiert als ein Jahr mit einer Jahresniederschlagssumme, die kleiner ist als 80 Prozent des klimatologischen Mittelwerts am jeweiligen Berechnungspunkt. 2015, 2018, 2019, 2020 und 2022 werden in Bayern zu diesen Jahren gezählt – vor allem in Franken galt die Lage phasenweise als dramatisch.

40 Prozent mehr Niederschläge

Doch jetzt müsste doch eigentlich alles wieder im Lot sein, oder? Denn schon 2023 regnete es vergleichsweise viel und zwischen Januar und Juli des laufenden Jahres war es ebenfalls sehr nass. Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) spricht vom „zweitwärmsten Winterhalbjahr seit Beginn der Aufzeichnungen mit einem Niederschlagsüberschuss von etwa 40 Prozent bayernweit“. Das wiederum brachte mit sich, dass „vor allem durch die sehr niederschlagsreichen Monate November und Dezember 2023 zum Jahresende bei vielen oberflächennahen und schnell reagierenden Grundwasservorkommen ein markanter Anstieg bei den Grundwassermessstellen und Quellen“ verzeichnet wurde.

Alles gut also? Nicht ganz, denn das Wasserwirtschaftsamt schreibt weiter: „Durch die zuletzt gehäuft aufgetretenen Trockenjahre kann das Defizit nicht durch einzelne regenreiche Monate wie in diesem Winterhalbjahr langfristig ausgeglichen werden. Das gilt auch für den Landkreis.“

Die Wasserversorgung war einst Aufgabe der Kommunen

Ein kurzer Blick zurück: Noch vor 40, 50 Jahren war die Wasserversorgung der Bevölkerung im Landkreis eine Sache der Kommunen. Brunnen wurden von diesen gebohrt und unterhalten, fast jede Gemeinde hatte einen Wasserwart, die Preise waren niedrig, das Wasser sauber. Das änderte sich nach und nach: Die Nitratbelastung vieler Grundwasserentnahmestellen, aber auch andere Verunreinigungen führten zu deutlich höheren gesetzlichen Auflagen und damit auch zu vermehrten Kontrollen.

Das wiederum bedeutete höhere Kosten und einen immensen Aufwand für die Kommunen. Zuletzt versorgten nur noch wenige Gemeinden ihre Dörfer selbst, darunter beispielsweise Baudenbach. Immer mehr gingen dazu über, sich aus dem riesigen Leitungsnetz der Fernwasserversorgung Franken beliefern zu lassen: Weniger Aufwand, stabile Versorgung und ein kalkulierbarer Bezugspreis. Braucht der Landkreis sein Grundwasser also gar nicht?

Weit gefehlt. Vor allem die Landwirtschaft hatte in den vormals angesprochenen Trockenjahren Alarm geschlagen: Die Böden könnten sich durch die langen Trockenperioden gar nicht mehr erholen, durch den sinkenden Grundwasserspiegel würden Bewässerungen immer problematischer – es drohten regelmäßige Missernten. Hat sich wenigstens daran in diesem Jahr etwas geändert?

„Ich bin kein Wasserexperte“, sagt Jürgen Dierauff, „sondern Landwirt. Aber ich weiß auch, dass es schlecht ist für unsere Böden, wenn die Trocken- und die Feuchtperioden jeweils zu lange dauern.“ Die momentane Situation bewertet der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes allerdings positiv, denn das „Mehr an Feuchtigkeit im Winter und Frühjahr hat sich ertragsmäßig positiv ausgewirkt“. Im Klartext: Beispielsweise beim Mais dürfte die Erntebilanz sehr gut aussehen, habe er von Kollegen gehört und der Weizen sei zumindest zufriedenstellend ausgefallen.

Andererseits hat Dierauff auch die trockenen Jahre nicht ganz so dramatisch empfunden, wie viele andere: „Wir waren mit unserem Klima und den Erträgen pro Hektar schon sehr verwöhnt – das war Jammern auf hohem Niveau. Der Klimawandel bedeutet halt auch, dass wir uns umstellen und langfristig mit weniger Niederschlag rechnen müssen. Bei der Anpassung stehen wir da noch am Anfang.“

Versorgungssicher nur mit Fernwasser

Auf die Frage, wie das Wasserwirtschaftsamt die Versorgungssicherheit im Landkreis momentan bewertet, erklärt Heiko Moßhammer, für den Landkreis zuständiger Sachbearbeiter beim WWA, beruhigend: Die Wasserversorgungsbilanz Mittelfranken zeige, „dass die Versorgung mit Trinkwasser in den meisten Gegenden im Landkreis künftig – auch unter Berücksichtigung von sich ändernden Gegebenheiten wie dem Klimawandel oder der demografischen Entwicklung – als uneingeschränkt versorgungssicher einzustufen ist.“

Das allerdings, so Moßhammer weiter, sei in erster Linie darauf zurückzuführen, „dass eine überwiegende Anzahl der Gemeinden Wasser vom Zweckverband Fernwasserversorgung Franken bezieht“.

Als Beispiel nennt Moßhammer den Markt Erlbacher Ortsteil Linden: Dort war in den Trockenjahren der Wassermangel als eklatant empfunden worden – Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß hatte Alarm geschlagen. Die Folge: „Nach den Versorgungsengpässen in den Jahren 2018/19 wurde eine Verbundleitung zur Fernwasserversorgung Franken errichtet. Neben der Aurachquelle dient nun die 4,6 Kilometer lange Verbundleitung als zweites Standbein für eine sichere Trinkwasserversorgung“, so das WWA.

Zurück zur Eingangsfrage: Ist das Autowaschen am Samstag keine ökologische Todsünde mehr? Darf das sommerliche Planschbecken wieder regelmäßig und ohne schlechtes Gewissen befüllt werden? Die Antwort lautet „Jein“: Zwar hat die Grundwasserneubildung im zurückliegenden Winterhalbjahr in vielen Bereichen des Landkreises recht gut funktioniert und die Pegel sind wieder deutlich höher, als noch in den vergangenen Jahren. Doch „auch die Beschaffenheit des Untergrunds wirkt sich maßgeblich auf die Grundwasserneubildung aus“, schreibt Moßhammer: „Im Landkreis befinden sich in der Mitte und im Westen vorwiegend tonige Gesteinserien des Gipskeupers und des Unteren Keupers, die nur eine geringe Grundwasserneubildung zulassen.“

Hoffnung auf neue Getreidesorten

Fazit: Eine Versorgung der Bevölkerung mit eigenen Brunnen ist im Landkreis nur noch sehr partiell möglich und wird in Zukunft keine größere Rolle mehr spielen. Zwar hat sich der Grundwasserspiegel momentan etwas erholt, doch werden wir weiterhin mit langen Trockenperioden rechnen müssen und zumindest Jürgen Dierauff baut seitens der Landwirtschaft auf die Forschung: „Ich hoffe auf die Neuzüchtung von Getreidesorten, die mit lang anhaltender Dürre besser zurechtkommen.“

Diesbezüglich gebe es schon ermutigende Resultate. Aber, so sagt Dierauff auch: „Insgesamt geht es uns noch sehr gut hier.“ Vor einigen Jahren sei er auf einer landwirtschaftlichen Lehrfahrt in der spanischen Provinz Andalusien gewesen. „Dort gibt es überhaupt kein regeneratives Grundwasser mehr. Das war die Vorstufe zur Wüste.“

Das Starkregendilemma

Trockenheit und Dürre auf der einen, Starkregen und Hochwasser auf der anderen Seite: Der Klimawandel stellt uns vor Herausforderungen. Die Wassermassen, die bei den immer häufiger auftretenden Starkregenereignissen auf den Landkreis niedergehen, sind bislang zur Auffüllung der Grundwasservorräte kaum nutzbar, schreibt das Wasserwirtschaftsamt: „Insbesondere Starkniederschläge in hoher Menge und von kurzer Dauer fließen auf ausgetrockneten Böden teilweise direkt wieder an der Oberfläche ab.“ Das bedeutet: Das Wasser lässt zwar Flüsse und Bäche anschwellen und überflutet Orte – wird aber meist durch die überlastete Kanalisation und durch natürliche Fließgewässer so schnell abtransportiert, dass es kaum versickert und das Grundwasser damit auch nicht auffüllt. Was also kann man mit den Wassermassen sinnvoll anstellen? Wie kann man sie gegen die Dürreperioden nutzen? Nun, in einem Pilotprojekt namens „Klimaresilienter Landkreis“ wurden hierzulande etliche Maßnahmen eingeleitet, mit denen man das Wasser binden, halten und für Dürrephasen verwenden will. Ein paar Beispiele: Reinigung und Umnutzung von zwei ehemaligen Teichkläranlagen als Wasserspeicher, Reinigung und Umnutzung von 27 ehemaligen Güllegruben als Wasserspeicher, Intensivierung von Gehölzanpflanzungen zur Beschattung von Gewässern (gegen die Verdunstung) und die Wasserrückhaltung in so genannten „Grünen Gräben“. Das alles seien gute Ansätze, gute Ideen, sagt BBV-Kreisobmann Jürgen Dierauff, aber „noch immer nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Denn „wenn’s nicht regnet, können wir auch nichts zurückhalten – und die Phasen ganz ohne Regen werden noch länger werden, denke ich.“


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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