Obwohl gut einsehbar, kracht es an der Schnepfendorfer Kreuzung im Westen der Stadt immer wieder heftig. 2025 passierten dort bereits drei größere Unfälle mit sechs Verletzen. Forderungen nach baulichen Gegenmaßnahmen blieben lange unerhört. Jetzt gibt es Bewegung. Ein Kreisel kommt zwar wohl nicht, eine Ampel rückt aber näher.
Es sind vor allem Felder und Wiesen zu sehen an jener Stelle, an der sich die Staatsstraße 1022 und die Kreisstraße AN6 kreuzen. Eigentlich ziehen dort weder markante Landschaftsabschnitte noch Bebauungsteile die Konzentration von Verkehrsteilnehmenden auf sich. Zweifellos wird an der Kreuzung gerne zu schnell gefahren. Eine Erklärung für die häufigen Unfälle dort ist das jedoch nicht.
Es gab vor einigen Jahren Maßnahmen. So wurden an den beiden untergeordneten Straßeneinmündungen Stoppschilder aufgestellt und Stoppzeichen auf die Fahrbahn gemalt. Und an der Staatsstraße erfolgte für den Abschnitt eine Begrenzung auf 70 Stundenkilometer. Das hatte aber nicht die erhoffte Wirkung. Vor allem in den nächstgelegenen Ortschaften Schnepfendorf, Leuzenbronn und Bettenfeld wuchs deshalb das Unverständnis über die Gesamtsituation.
Hermann Uhl, pensionierter Polizist aus Leuzenbronn und für die Freie Rothenburger Vereinigung (FRV) auch Mitglied im Stadtrat, wurde jetzt stellvertretend für viele Bürgerinnen und Bürger dieser Dörfer aktiv. Er verfasste ein Schreiben, in welchem die Daten jener schwereren Unfälle aufgelistet sind, die seit 2021 an der Kreuzung passiert sind. Das waren deren neun, mit insgesamt 26 mehr oder weniger stark verletzten Personen - der jüngste erst vor gut zwei Wochen, bei dem ein Motorradfahrer stürzte und zu Schaden kam.
Uhl erklärt in dem Brief, den er an das Staatliche Bauamt, die Polizei, das Landratsamt und die Stadt Rothenburg schickte, dass die Stelle seit Jahrzehnten als Unfallhäufungspunkt bekannt sei und er erstmals 1990 um geeignete Gegenmaßnahmen gebeten habe. Zunächst seien aber weitere Unfälle passiert, zwischen 1992 und 1998 deren zehn.
Daraufhin sei im November 1999 in der Nähe eine Notrufsäule aufgestellt worden. An der Kreuzung selbst habe es aber seither weiterhin in loser Folge mehr oder weniger schwere Zusammenstöße gegeben, weshalb er hoffe, dass nun endlich baulich etwas gemacht werde, so Hermann Uhl: „Kurzfristig sollte dort eine Ampelanlage installiert werden, langfristiges Ziel aber ein Kreisverkehr sein”, schrieb er.
Vom Staatlichen Bauamt kam inzwischen auch eine Antwort auf seinen Brief. Formuliert wurde diese von Baurat Daniel Rosenbaum, der sich für Uhls Engagement sowie dessen „langjährige Beobachtung des Unfallgeschehens an vorbezeichneter Kreuzung” bedankte. Die Fachbehörde teile das Anliegen, „die Sicherheit an dieser Kreuzung zu verbessern”, so Rosenbaum. Es sei „uns bewusst, dass die Maßnahmen zur Unfallreduzierung bislang nicht die erhoffte Wirkung gezeigt haben”, räumte er ein. Derzeit werde deshalb die Errichtung einer Ampelanlage an dieser Stelle geprüft.
Es sei davon auszugehen, dass die Errichtung einer solchen genauso zu einer Reduzierung der Unfallhäufigkeit und -schwere an dieser Stelle beitragen könne wie ein Kreisverkehr. Hier komme dann auch Aspekt der Wirtschaftlichkeit ins Spiel. Der Regelpreis für die Errichtung eines Kreisverkehrs betrage derzeit rund 1,2 Millionen Euro, während die vorläufige Kostenschätzung für die Errichtung einer Lichtsignalanlage 275.000 Euro betrage, so Rosenbaum.
Zu Wort meldete sich in der Angelegenheit auf Anfrage der Redaktion inzwischen auch Oberbürgermeister Dr. Markus Naser, der die Überlegungen zur Installation einer Ampelanlage an dieser Stelle begrüßte. Zwar sei es richtig gewesen, zunächst „kostengünstigere Varianten der Kreuzungssicherung” auszuprobieren. Da sich die gewünschte Wirkung aber nicht eingestellt habe, sei nun etwas Weitergehendes zu unternehmen.
„Sicherlich könnte auch ein Kreisverkehr die nötige Verkehrssicherungswirkung erzielen”, so Naser. „Dafür wäre aber ein Grundstückszukauf erforderlich, und es müsste mehr Fläche versiegelt werden”. Die Kosten wären überdies um ein Vielfaches höher. Dem Stadtrat werde deshalb in seiner nächsten Sitzung vorgeschlagen, „einen Grundsatzbeschluss zu fassen, in dem er sich für die Installation einer Ampelanlage ausspricht und sich dazu bereit erklärt, den Kostenanteil, der auf die Stadt zukommen wird, zu übernehmen und die Haushaltsmittel entsprechend einzuplanen”.