Dass Verkehrsthemen schon mal kommunalpolitischen Sprengstoff bergen, ist nicht ungewöhnlich. In Neuhof war es sogar nur ein verhältnismäßig kurzes Stück Radweg, das in der jüngsten Gemeinderatssitzung für geradezu chaotische Zustände gesorgt hat.
Auf dem Tisch lag der Beschlussvorschlag von Bürgermeisterin Claudia Wust (CSU/Freie Bürger) und der Verwaltung, einen Gefahrenpunkt zwischen dem Neuhöfer Ortsausgang und dem Ortsteil Hirschneuses durch das Anlegen eines knapp 300 Meter langen Radwegs mit einer wassergebundenen Schotterdecke zu entschärfen. Dieser sollte auf südlicher Seite parallel zur Kreisstraße 10 verlaufen. Kostenpunkt: knapp 27.000 Euro.
Das Thema beschäftigt die Gemeinde bereits seit Jahren. Das Wäldchen dort macht die Verkehrssituation unübersichtlich. Hinzu kommt ein Anstieg, der Radfahrer fester in die Pedale treten lässt, wodurch es möglicherweise zu Pendelbewegungen kommt. Durch den neuen Radweg würde möglicherweise der bergab fahrende Zweiradverkehr trotzdem auf der Kreisstraße Richtung Neuhof flitzen, glaubt die Bürgermeisterin. Für die stärker gefährdeten Radler, die in die entgegengesetzte Richtung unterwegs sind, hätte man nun aber eine finanzierbare und deutlich sicherere Alternative.
Anfang des Jahres hatte der Gemeinderat eigentlich bereits entschieden, diese Lösung umzusetzen. Doch statt den Auftrag nun einfach zu vergeben, wurde der eingeschlagene Weg noch einmal komplett infrage gestellt und engagiert diskutiert. Denn die Hirschneuseser und Teile des Gremiums wünschen sich eigentlich einen Radweg von Ortsschild zu Ortsschild.
Für Schärfe sorgte vor allem der frühere Gemeinderat Ewald Sieber aus Hirschneuses, der als Gast an der Sitzung teilnahm und gleich zu Beginn die Bürgerfragestunde – die eigentlich, wie der Name schon sagt, für konkrete Fragen gedacht ist – nutzte, um den Entscheidungsträgern eine zünftige Standpauke zu halten.
„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Hier scheint mir einfach der Wille zu fehlen“, kritisierte er frustriert und mischte sich im weiteren Verlauf des Abends regelwidrig immer wieder ein. Laut Geschäftsordnung darf Zuschauenden nur im Ausnahmefall auf Antrag und nach Mehrheitsbeschluss des Ratsgremiums das Wort erteilt werden. Dies sah Bürgermeisterin Claudia Wust offenbar nicht so eng.
Gerne hätte sie einen Haken hinter das Thema gemacht. Stattdessen musste sie darlegen, warum andere Lösungen kaum umsetzbar sind: „Laut Einschätzung des Radverkehrsbeauftragten des Landkreises ist ein straßenbegleitender Radweg von Ortsschild zu Ortsschild aufgrund der Topographie und des zu geringen Platzangebots nicht möglich.“ Es wären umfassende Tiefbauarbeiten zu tätigen sowie verschiedene Brücken und Querungen zu errichten, welche die Maßnahme unverhältnismäßig teuer machen würden.
Nicht zum Schnäppchenpreis zu haben ist auch ein nur circa 1000 Meter langes Teilstück von der Straußmühle bis auf die Höhe der Kläranlage, denn ausgerechnet in diesem Bereich wäre ein umfangreicher Landerwerb nötig
Auch die Variante, den Weg von der Rosenau oberhalb des Edeka-Markts vorbeizuführen und östlich des Gefahrenpunkts in die Kreisstraße einmünden zu lassen, scheide aus, da hier Baumaschinen schlichtweg nicht hinkommen. Ganz zu schweigen davon, dass die Radfahrer dann die Kreisstraße queren müssten. „Die beteiligten Fachleute haben uns darauf hingewiesen, dass es dies in jedem Fall zu vermeiden gilt, weil es die Gefahr nur erhöht“, erinnerte Wust.
Dies wäre auch ein Problem bei der Route, die Heiko Scheuenstuhl (CSU/Freie Bürger) vorschlug. Er warb dafür, statt auf der südlichen eine Umgehung auf der nördlichen Seite vorzusehen, die allerdings einen Umweg von mehr als 600 Metern bedeuten würde.
Daraufhin wurde das Thema erst einmal vertagt. Bürgermeisterin Wust will bis zu einer der nächsten Sitzungen Kostenvoranschläge für die „große Baumaßnahme“ – einen Radweg entlang der Kreisstraße von der Straußmühle bis zur Kläranlage – sowie für die „Variante Heiko Scheuenstuhl“ einholen.