Wer steckt schon gerne Geld in etwas, das bald komplett erneuert wird und später gar nicht mehr einem selbst gehören soll? Der Landkreis will genau das jetzt tun, und zwar bei einer Brücke der Kreisstraße über die Bahnlinie bei Neuherberg.
Die Kreisstraße geht von Neuherberg aus gesehen von der Auffahrt auf die B13 ab und überquert schon nach wenigen Metern die Bahnlinie zwischen Würzburg und Ansbach. Untersucht wurden jetzt die Brückenkappen, wie Sachgebietsleiter Niko Schwarz dem Kreis-Bauausschuss erläuterte. Das ist der nicht befahrene Rand der Brücke, auf dem in diesem Fall auch die Leitplanken montiert sind.
Verankert worden waren 1975, beim Bau der Brücke, die Kappen mit Ankerschrauben, die zur damaligen Zeit noch keinen Korrosionsschutz hatten. In die Fuge zwischen Brückenkappe und Brücke kann Wasser, im Winter auch mit Tausalz, eindringen. Ein Ingenieurbüro überprüfte die Brückenkappen. Immerhin war es nahe Freiburg schon einmal passiert, dass eines dieser tonnenschweren Betonteile von einer Abrissbrücke herunterfiel und einen Zugunfall verursachte. Das Ergebnis der Prüfung durch den Ingenieur: Ohne die Ankerschrauben kann das Büro nicht für die Standsicherheit der Brückenkappen bei Neuherberg garantieren.
Als Sofortmaßnahme wurde deshalb dafür gesorgt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Aufpralls auf die Leitplanken sinkt: Die Fahrbahn wurde verengt, es gilt Tempo 30. Da die Leitplanken auf der Kappe stehen, würden in diesem Fall große Kräfte auftreten. Schnellstmöglich sollen aber zusätzliche Kappenanker eingebaut werden.
Da die Brücke die Bahnlinie und die dazugehörige Oberleitung überquert, ist in diesem Falle seitlich ein weiteres horizontales Teil, ein Berührschutz, befestigt. Dieser entspreche auch nicht mehr dem Stand der Technik: Er soll abgebaut und durch einen provisorischen vertikalen Berührschutz ersetzt werden. Die Uhr tickt dabei, denn natürlich ist eine Abstimmung mit der Bahn nötig. Müsste man die Zugstrecke für die Dauer der Ertüchtigung der Brücke stilllegen, dann wäre das teuer. Deshalb bat Landrat Dr. Christian von Dobschütz vom Kreisbauausschuss um Ermächtigung, die Arbeiten selbst vergeben zu dürfen. Hierfür soll eine sowieso im Februar geplante Streckensperrung genutzt werden.
Die Brücke wird auch dann Thema bleiben, denn mittelfristig soll dieses Stück der Kreisstraße dem Staat übertragen werden. Im Gegenzug soll die Staatsstraße bei Freihaslach, mit deren Sanierung der Kreis auf Kosten des Staats bereits begonnen hat, an den Kreis fallen. Davor aber muss die Neuherberger Brücke erneuert werden. Dieser Ersatz würde auf jeden Fall fällig, so Schwarz, er falle aber möglicherweise für eine künftige Staatsstraße umfangreicher aus. Der Bauausschuss haderte mit den Reparaturkosten. Der Landrat meinte: „Ich bin gerne bereit, über pragmatische Lösungen zu sprechen. Aber hier ist es mir zu heikel.“ Das verstanden alle, er wurde einstimmig zu einer schnellen Vergabe ermächtigt.