Wer knapp bei Kasse ist und zuhause seine Wäsche nicht waschen kann, hat bald die Möglichkeit, dies kostenlos neben der Life Church in Ansbach zu tun. Der Salon soll auch Gelegenheit sein, um mit Menschen im angeschlossenen Begegnungscafé bei einem warmen Getränk ins Gespräch zu kommen, und er will damit eine Stütze sein.
Ingo Sips, Gemeindemitarbeiter der Life Church, und weitere Mitglieder der freien Kirche wollten aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten Bedürftigen unter die Arme greifen. Sips erfuhr durch seine ehrenamtliche Arbeit beim Blauen Kreuz und Gesprächen mit Markus Schlötterer von der Obdachlosenhilfe der Stadt, dass in Ansbach Bedarf besteht für günstige Waschmöglichkeiten – abseits der Obdachlosenunterkünfte.
Obdachlose, Studenten, Senioren, Familien mit Kindern. Jeder darf seine Wäsche ab Ende Januar ins Pastorenhaus in der Türkenstraße bringen. Dort wird es zwei Waschmaschinen – sie wurden gespendet – und zwei Wäschetrockner geben. Die Wartezeit kann vor Ort bei Kaffee und kleinen Snacks überbrückt werden. Jeweils zwei Gemeindemitglieder werden den Salon beaufsichtigen, in der Küche für Nachschub sorgen und für Gespräche offen sein.
Doch nicht nur dreckige Wäsche soll Anlass für einen Besuch sein. „Vielleicht kommt jemand auch nur für den Kaffee“, sagt Sips, „das ist auch in Ordnung“. Es soll eine Anlaufstelle für Menschen sein, die sich womöglich auf der Suche nach einem einfühlsamen Gesprächspartner befinden. Eine Person, die sie berät, wenn es Hilfebedarf gibt.
Oft sieht man gar nicht, wer Hilfe benötigt, erzählt der 43-Jährige aus eigener Erfahrung. „Gerade die, die zuhause sitzen und nichts haben.“ Ihm ist besonders wichtig: „Alle Leute können ohne Scham kommen.“ Und vor allem sollen sie das Gefühl spüren, angenommen und geliebt zu werden.
„Auch wenn die Gesellschaft einem oft ein anderes Gefühl vermittelt, wenn man suchtkrank ist“, nennt der Gemeindehelfer als Beispiel. Der 43-Jährige hat „ein Herz dafür“. Er selbst war jahrelang alkohol- und drogenabhängig. Er wisse deshalb, wie es ist, alleine zu sein.
„Ich habe damals meinen Job und meine Wohnung in Erlangen verloren“, erzählt er bei einer Tasse Kaffee. Durch Freunde – die zum Teil Christen waren – hat er nach einer Langzeittherapie seinen Weg zum Glauben gefunden, 2018 zur Ansbacher Life Church und somit aus der Sucht heraus. Er habe eine „Befreiung erlebt“, sagt Sips und lächelt. Sein Leben hat sich letztendlich zum Guten gewandt. „Manchmal ist es wirklich ein Wunder.“
Aktuell würden sich die Mitarbeitenden ausgiebig darauf vorbereiten, wie Besuchern des Waschsalons bei akuten Problemen am besten geholfen werden kann. „Wir können nicht alle Fragen abdecken“, sagt Sips. Doch sie werden versuchen, die Betroffenen entsprechend an Anlaufstellen der Stadt – wie Wohnungsnothilfe oder Suchtberatung – weiterzuvermitteln.
Dies soll „der Start für weitere soziale Projekte“ – wie zum Beispiel Unterstützung beim Ausfüllen von Verwaltungspapieren – sein, erzählt der Gemeindehelfer.
Der Waschsalon befindet sich in der Türkenstraße 18 in Ansbach und hat ab 20. Januar jeden Samstag von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Am Sonntag, 7. Januar, findet ab 10 Uhr ein Gottesdienst mit Segnung der Mitarbeiter und anschließendem Tag der offenen Tür statt.
Die Life Church Ansbach ist eine von insgesamt 60 Gemeinden der evangelischen Freikirche Via Movement. Sie ist Teil des Bundes freikirchlicher Pfingstgemeinden und Mitglied des Komitees der evangelischen Allianz in Ansbach. Die Kirche steht in keinem Zusammenhang mit der umstrittenen Universal Life Church in den USA.