Neuer Förster in Markt Bibart: Der Steigerwald ist sein Revier | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 01.01.2024 10:00

Neuer Förster in Markt Bibart: Der Steigerwald ist sein Revier

In der vor kurzem neu geschaffenen Forstdienststelle im Markt Bibarter Torschreinerhaus ist Matthias Lunz der erste Förster. (Foto: Andreas Reum)
In der vor kurzem neu geschaffenen Forstdienststelle im Markt Bibarter Torschreinerhaus ist Matthias Lunz der erste Förster. (Foto: Andreas Reum)
In der vor kurzem neu geschaffenen Forstdienststelle im Markt Bibarter Torschreinerhaus ist Matthias Lunz der erste Förster. (Foto: Andreas Reum)

Matthias Lunz überlegt nicht lange. Sein Lieblingsbaum ist „schon die Eiche“, die heimische Traubeneiche. Eine markante Krone und interessantes Holz, nennt der Förster dafür als Gründe. Aber natürlich kümmert er sich auch um all die anderen Baumarten, die in seinem Revier sprießen.

Das sind vergleichsweise viele. Die Gegend ist geprägt von ehemaligen Mittelwäldern. Das fördert den Artenreichtum, erklärt der 34-Jährige, der in Neustadt/Aisch wohnt und seit November das neu geschaffene Revier Markt Bibart leitet. Dazu gehören auch Langenfeld, Markt Nordheim, Weigenheim, vor allem Sugenheim und auch der Osing. In Markt Bibart selbst hat der Staatsförster nicht so viel zu tun; die Marktgemeinde hat als Bewirtschaftungspartner die Forstbetriebsgemeinschaft, nicht die staatliche Forstverwaltung.

Matthias Lunz studierte in Freising

Matthias Lunz stammt aus Rimbach bei Markt Erlbach. Sein Abitur machte er am Neustädter Friedrich-Alexander-Gymnasium. Wohin für ihn die berufliche Reise gehen sollte, war zunächst offen. Er entschloss sich erst einmal zu einem Freiwilligen ökologischen Jahr, und zwar am Forstamt in Ebrach, im nördlichen Steigerwald. Das gab ihm einen guten Einblick, was die Staatsforstverwaltung so alles tut – und den Impuls, in Freising das Forstwesen zu studieren.

Seine Anwärterzeit führte ihn unter anderem nach Wiesentheid, wo er anderthalb Jahre lang die Reviervertretung inne hatte. 2015 legte er seine Forstinspektorenprüfung ab und wurde im Jahr darauf von der Forstverwaltung eingestellt. Sechseinhalb Jahre lang leitete Lunz das Revier Oerlenbach, südlich von Bad Kissingen, im Zuständigkeitsbereich des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt/Saale, bevor er sich heuer zurück in heimische Gefilde bewarb und – inzwischen als Forstamtmann – die Markt Bibarter Stelle bekam.

Keine Räume in Sugenheim

Dort wurde im Torschreinerhaus das Revier-Büro eingerichtet. Für den Zuständigkeitsbereich wäre Sugenheim nicht nur zentraler gelegen, es bildet mit seinem Hunderte Hektar großen Kommunalwäldern auch ein Hauptbetätigungsfeld für den Förster. Doch konnten dort keine Räumlichkeiten gefunden werden, erklärt Lunz.

So hat er nun ein kleines, pragmatisch eingerichtetes Büro im Erdgeschoss des historischen Markt Bibarter Gebäudes an der Nürnberger Straße. Dort verbringt er einen Teil seiner Arbeitszeit, wenn es etwa um das auch im Forstbereich durchaus verzwickte Zuschusswesen geht. Doch nur einen Bürojob zu haben, kann sich der 34-Jährige gar nicht vorstellen.

Auf seinem Schreibtisch hat er etwa eine Landkarte, auf der die Sugenheimer Wälder mit farbigen Mustern überzogen sind. Jedes Muster steht für einen anderen Status und gibt damit einen Hinweis auf das Alter und den Zustand des dortigen Baumbestands, woraus sich dann eventuell nötige Maßnahmen ableiten lassen.

In den paar Wochen seiner bisherigen Dienstzeit war Lunz bereits in jeder der Gemeinden seines Zuständigkeitsbereichs und hat sich in einigen Ecken seines Reviers umgesehen. Bis er es aber wirklich kennt, wird es wohl ein, zwei Jahre dauern, schätzt der Förster.

Der Wald soll aus verschiedenen Baumarten bestehen

Ein Stück weit kann er auf seine bisherigen Berufserfahrungen zurückgreifen. Denn auch in seinem vormaligen Revier bei Oerlenbach gibt es solche ehemaligen Mittelwälder mit viel Eiche und einem hohen Laubwaldanteil. Wo es aber noch an Erfahrung mangelt, und zwar im gesamten Forstwesen, ist das Thema zukunftsfähiger Wald.

Dass die Esskastanie eine Option sein könnte, dazu gibt es inzwischen schon ein paar Daten. Ob vielleicht die Douglasie die Fichte (die als wahrscheinliches Klimawandel-Opfer gilt) als „Brotbaum der Forstwirtschaft“ ersetzen kann, ist noch eine offene Frage. Zu einzelnen Bäumen hat man zwar Erkenntnisse, was aber meist noch fehlt, sind die Beobachtungen, wie sich jene in den hiesigen Breiten neuen Baumarten in einem größeren Bestand verhalten.

Auch deshalb ist es Lunz wichtig, dass ein Wald aus mehreren Baumarten besteht, mindestens vier hält er für geboten. So kann gegebenenfalls der Ausfall einer Art besser verkraftet werden. Ob der Waldumbau gelungen ist, wird wohl selbst ein vergleichsweise junger Förster wie Lunz zu Lebzeiten nicht mehr erfahren.

Das gehört zum Schicksal der Forstleute: die Früchte ihrer Arbeit ernten erst die nächsten Generationen. Doch bereut hat Lunz seine Berufsentscheidung bisher nicht.

north