Die Organisatoren waren überrascht und überglücklich: Rund 500 Teilnehmer sind zu einer Kundgebung gegen Rechtsradikalismus und rechte Parteien wie die AfD auf den Sternplatz in Neuendettelsau gekommen. Am Sonntag um fünf Minuten vor zwölf Uhr begann die Demonstration.
Eingeladen hatten der „Sichere Hafen“ und das Bündnis für Familie mit zahlreichen Parteien und kirchlichen Organisationen. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Neuendettelsau, Alexander Wöhnl, moderierte die Redebeiträge und unterstrich, dass Hass keine Meinung sei. Er wertete die große Zahl an Teilnehmern an der Kundgebung als ein „klares Zeichen gegen Rechts“.
Neuendettelsaus Bürgermeister Christoph Schmoll brachte das stete Anwachsen der Wahlergebnisse der rechten Parteien, vor allem der AfD, in Zusammenhang mit den 1920er Jahren. Die Rechten könnten nicht länger als ein kleines Häuflein abgetan werden. Die Mehrheit der Bevölkerung dürfe es nicht zulassen, so seine Forderung, dass die Demokratie ausgehöhlt werde.
Die Sorgen der Menschen müssten ernst genommen werden, damit diese nicht in die Arme der AfD getrieben würden, betonte Schmoll. Nicht jeder, der seine Sorgen oder seinen Unmut über die aktuelle Politik zum Ausdruck bringe, dürfe in die rechte Ecke gedrängt werden oder den rechten Stempel aufgedrückt bekommen. Die große Teilnehmerzahl an der Kundgebung bezeichnete Schmoll als ein „großes Zeichen gegen Rechts im östlichen Landkreis“.
Eckard Dürr, Sprecher des Bündnisses für Familie in Neuendettelsau, konstatierte, dass im politischen System Deutschlands in den vergangenen Jahren ein deutlicher Rechtsruck zu beobachten sei. Es müsse alles getan werden, so Dürr, damit sich das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte nicht wiederholt.
Dürr erinnerte an das gute Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen im Oktober 2023 in Neuendettelsau. Die Partei erreichte 14,5 Prozent Stimmenanteil. Er befürchtete, dass ihr Abschneiden bei der Europawahl noch größer wird. Es sei besorgniserregend, dass auch die etablierten demokratischen Parteien teilweise die Standpunkte der Rechten übernommen hätten. Es sei eine schwierige politische Zeit, so Dürr, aber Populisten nachzulaufen, sei keine Lösung für eines der Probleme. „Lasst uns weiter für die freiheitliche Demokratie streiten“, lautete sein Appell.
Neuendettelsaus ehemaliger Bürgermeister und amtierender Kreisrat Gerhard Korn wies auch auf die Geschichte hin, indem er das Anwachsen der Rechten mit „Die Weimarer Republik lässt grüßen“ kommentierte. Es herrsche zu viel Angst und Unsicherheit in der Bevölkerung, so Korn. Unsere Art zu leben, wie es seit Jahrzehnten der Fall sei, müsse erhalten werden. Freiheit und Demokratie machten Arbeit, so Korn. Sein Aufruf: „Packen wir es gemeinsam an und schützen unsere Demokratie.“
Manfred Riedel vom „Sicheren Hafen“, der sich um Geflüchtete kümmert, sagte, dass es zwar fünf vor zwölf Uhr sei, aber noch nicht zu spät. Auch er machte auf den Rückhalt der AfD in der Neuendettelsauer Wählerschaft aufmerksam und hob hervor, dass gerade ausländische Arbeitskräfte in vielen Bereichen der Wirtschaft, beispielsweise der Pflege oder der Gastronomie, dringend gebraucht werden.
Riedel beklagte die unzureichende Betreuung Geflüchteter, damit sie sich integrieren und die deutsche Sprache lernen können. Um den Rassismus zu überwinden, sei es wichtig, so Riedel, dass es Kontakte zu den Geflüchteten gebe. Er rief auch dazu auf, sich in den Parteien zu engagieren, um eine demokratische und solidarische Politik zu gestalten.
Alexander Wöhnl schloss die Kundgebung mit den Worten: „Wir brauchen Menschenrechte, keine rechten Menschen.“