Neue Namen, neues Tempo: Klopp feiert seine Siegpremiere | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.10.2026 09:24, aktualisiert am 01.10.2026 22:53

Neue Namen, neues Tempo: Klopp feiert seine Siegpremiere

Erzielte das erste Heimtor unter Jürgen Klopp: Der Münchner Tom Bischof. (Foto: Tom Weller/dpa)
Erzielte das erste Heimtor unter Jürgen Klopp: Der Münchner Tom Bischof. (Foto: Tom Weller/dpa)
Erzielte das erste Heimtor unter Jürgen Klopp: Der Münchner Tom Bischof. (Foto: Tom Weller/dpa)

Jürgen Klopp herzte DFB-Sportdirektor Rudi Völler, packte sich jeden seiner Nationalspieler für ein dickes Dankeschön und klopfte sich dann vor den Fans fest mit der Hand auf die Brust. Die runderneuerte Nationalmannschaft mit Debütant Mika Baur als 1000. Nationalspieler hat dem Bundestrainer seinen ersehnten ersten Sieg im neuen Amt beschert. Endlich wieder mit Fußball-Spaß sorgten Premierentorschütze Tom Bischof (39. Minute) und der wie befreit wirbelnde Florian Wirtz (61.) beim mit viel Offensivmut erspielten 2:0 (1:0)-Erfolg gegen Serbien in München für die Treffer. 

„Es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Jeder Einzelne hat alles auf den Platz gelassen, ist dem Matchplan nachgegangen und hat eigentlich fast alles richtig gemacht“, sagte der überragende Wirtz. Auch Bischof schwärmte: „Unbeschreiblich. Das Stadion hat gebrannt. Wir waren von Anfang an voll da.“

Die nach dem Ergebnis-Dämpfer beim 0:1 gegen Griechenland schnell aufgekommenen Zweifel an einem schnellen Klopp-Effekt zum Neustart der DFB-Auswahl nach dem WM-Desaster sind durch den ersten Lichtblick wieder vertrieben - denn das System funktionierte im dritten Spiel zum ersten Mal so richtig. Für den 59-Jährigen war der Sieg vor 68.121 Zuschauern eine riesige Befreiung. Die Fans feierten die erste Klopp-Party in schwarz-rot-gold. 

Nach dem Schichtwechsel zu seinem zweiten Kader ohne etablierte Kräfte wie Kapitän Joshua Kimmich oder Abwehrchef Jonathan Tah startete der DFB-Chefcoach mit einer komplett neuen Startelf. Besonders das junge Mittelfeld mit Bischof (21 Jahre), Wirtz (23) und Aleksandar Pavlovic (22) zeigte den Powerfußball Marke Klopp. Weiterer Pluspunkt: Erstmals seit sieben Länderspielen stand beim DFB-Debüt von Torwarthoffnung Jonas Urbig hinten wieder die Null. 

Jetzt die Revanche gegen Griechenland

Durch den Erfolg gegen das weiter punktlose Schlusslicht Serbien hat sich auch die Situation in der Nations League für die DFB-Elf wieder verbessert. Am Sonntag geht es zum Rückspiel nach Griechenland - dort hat Klopp noch eine Rechnung offen. Die zuvor zweimal siegreichen Griechen verspielten beim 2:2 gegen die Niederländer spät noch eine 2:0-Führung und liegen als Tabellenführer nun drei Punkte vor Deutschland.

In Urbig und dem Freiburger Außenstürmer Derry Scherhant schickte Klopp zwei Debütanten von Beginn an aufs Feld. Gegen den erwartet tiefen Block der Serben konnte Scherhant gleich mit einigen guten Aktionen auf sich aufmerksam machen. 

Chancenwucher gegen schwache Serben

Die ersten guten Chance vergaben Pavlovic, Nick Woltemade und Gnabry. Klopp applaudierte seinen Schützlingen zwar häufig, forderte aber an der Seitenlinie auch gestenreich noch mehr Tempo. Immer wieder kam die DFB-Elf aussichtsreich vor das Tor der meist passiven Serben, zeigte aber im Abschluss Schwächen. Bischofs Schuss fand nur das Außennetz (24.). Nach einer feinen Kombination über Florian Wirtz und Woltemade scheiterte Gnabry frei vor Gäste-Schlussmann Djordje Petrovic (30.).

Das wäre auf der anderen Seite fast bestraft worden. Bei einigen Risiko-Aktionen in der Defensive war schon ein Raunen über die Ränge gezogen, als der frühere Bundesliga-Profi Filip Kostic plötzlich der deutschen Abwehr enteilte. An seiner Flanke von der Grundlinie rutschte Kosta Nedeljkovic nur um Zentimeter vorbei (32.). 

Künftiger Klopp-Chef Mertesacker: „Ergebnisse ersetzen gar nichts“

Hatte die Partie gegen Griechenland noch auf so manchen Zuschauer eher einschläfernd gewirkt, konnten sich die Fans im Münchner Fußball-Tempel über Action nicht beklagen. Nachdem Wirtz zunächst noch eine dicke Kopfball-Chance vergab (35.) und wenig später den Pfosten traf, erlöste Bischof die Gastgeber im Nachschuss. Der 21-Jährige, der von der U21 in den A-Kader gewechselt war, bejubelte im zweiten Länderspiel das erste Tor.

Das erste Heimtor unter Klopp war längst verdient, Pavlovic hätte fast noch vor der Pause erhöht. Mit viel Beifall schickte das Publikum die DFB-Auswahl in die Pause, Dynamik und Einsatz stimmten diesmal. Auch der künftige DFB-Geschäftsführer Per Mertesacker schaute bei seinem letzten Einsatz als ZDF-Experte genau hin. „Ergebnisse ersetzen gar nichts. Euphorie kann abebben“, hatte der frühere Weltmeister vor dem Anpfiff gemahnt.

Das sieht zwar auch Klopp nicht anders, sein Kader-Casting aber setzte der Bundestrainer auch nach der Pause fort. Saïd El Mala kam als nächster Debütant für Gnabry ins Spiel, Wirtz übernahm die Kapitänsbinde.

Baur als 1000. DFB-Debütant

Das Bild auf dem Rasen änderte sich nicht. Die deutsche Mannschaft kam zu klaren Chancen, hätte schon durch El Mala (57.) und Woltemade (59.) die Vorentscheidung erzwingen können. Als Wirtz dann das längst überfällige zweite Tor erzielte, klatschte Klopp vor der deutschen Bank befreit jeden ab, der seinen Weg kreuzte. Maximilian Mittelstädt hatte den Liverpool-Profi im Strafraum bedient, Wirtz ließ cool noch Gegenspieler Srdjan Babic aussteigen und schob flach ein. 

Nun blieb noch Zeit für etwas deutsche Fußball-Historie: Klopp wechselte weiter, als 1000. Debütant der DFB-Historie kam der 22 Jahre alte Baur von Celtic Glasgow, Sohn des früheren Handball-Nationalspielers Markus Baur, in die einseitige Partie. Ihren Schwung behielten die Klopp-Mannen bis zum Schluss, nur weitere Tore gelangen nicht mehr.

© dpa-infocom, dpa:261001-930-772498/5


Von dpa
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