Neue Initiative in Bad Windsheim will es „Besser gemeinsam” machen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.04.2025 08:00

Neue Initiative in Bad Windsheim will es „Besser gemeinsam” machen

Sabine Detsch, Christa Schlosser, Birgitt Pischke, Erika Reichert und Claudia Lemke (von links) wollen die Initiative Besser gemeinsam gründen und Menschen zusammen bringen. (Foto: Katrin Merklein)
Sabine Detsch, Christa Schlosser, Birgitt Pischke, Erika Reichert und Claudia Lemke (von links) wollen die Initiative Besser gemeinsam gründen und Menschen zusammen bringen. (Foto: Katrin Merklein)
Sabine Detsch, Christa Schlosser, Birgitt Pischke, Erika Reichert und Claudia Lemke (von links) wollen die Initiative Besser gemeinsam gründen und Menschen zusammen bringen. (Foto: Katrin Merklein)

„Es ist ein sch . . . Gefühl, alleine zu sein.“ Niemanden zu haben, mit dem man etwas unternehmen kann, ohne sich als Anhängsel zu fühlen, davon hatte Claudia Lemke die Nase voll. Mittlerweile hat sie sich wieder etwas aufgebaut, nun will sie auch anderen helfen. „Besser gemeinsam“ heißt die neue Initiative in Bad Windsheim.

Natürlich hat Claudia Lemke Freunde, erzählt sie. Aber die seien alle in einer Partnerschaft gewesen, als sie und ihr Mann sich getrennt hatten. Die 58-Jährige habe zwar immer wieder was unternommen mit diesen Freunden,aber „ich hab’ mich immer wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt“. Ihre erwachsenen Kinder hatten mittlerweile ihre eigenen Familien. „Ich wollte nicht immer stören“, auch wenn die Kinder das vielleicht gar nicht so empfanden. „Ich wollte mir einfach wieder selbst etwas aufbauen.“

Irgendwann, so erzählt Claudia Lemke, sei sie so verzweifelt gewesen: „Da bin ich einfach hin“, zu einer Selbsthilfegruppe in Neustadt. Einer von sehr vielen, die die Caritas dort für alle möglichen Lebensbereiche anbietet, erzählt Lemke beeindruckt. So etwas, findet sie, brauche es auch in Bad Windsheim. Auf Facebook startete sie in einer Bad-Windsheim-Gruppe einen ersten Aufruf. „Ich wollte einfach mal abklopfen, ob es eine Nachfrage gibt.“

Interesse ist bereits da

Und die gab es, sie erhielt viel Zustimmung. Drei bis vier Leute hätten spontan echtes Interesse bekundet, sie würden ein Angebot nutzen. Bei der Stadt informierte sich Lemke, welche Möglichkeiten es denn gibt und wurde an Sabine Detsch, die Vorsitzende des Fördervereins Klosterchor und Historische Stadtbibliothek, verwiesen, die die Koordination für das Haus der Begegnung H1 inne hat. Während der Sanierung des Klosters ist das Angebot des H1 im Steinhaus an der Kegetstraße 1 untergebracht.

Detsch und Lemke waren sich schnell einig: „Das brauchen wir in Bad Windsheim.“ Es gebe zwar viele Angebote, sagt Detsch, aber nicht gebündelt und oft wissen Betroffene gar nicht, dass es überhaupt irgendetwas gibt. Eine gute Vernetzung sei das Ziel und die müsse auch bekannt gemacht werden. In Bad Windsheim gehe das, was in Neustadt die Caritas anbietet, nicht so einfach, da es keinen „bezahlten Anbieter“ und auch keinen städtischen Beauftragten gibt. „Hier muss viel über das Ehrenamt gehen“, sagt Detsch.

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Selbsthilfegruppe schreckt ab

Christa Schlosser vom Förderverein Klosterchor sowie Erika Reichert (Vorsitzende) und Birgitt Pischke vom Seniorenrat der Stadt Bad Windsheim, waren sofort begeistert, auch die Nachbarschaftshilfe und das Projekt Strohhalm unterstützen das Vorhaben. Es gebe zwar das Begegnungscafé, das alle zwei Wochen stattfinde, ansonsten aber nichts dergleichen für Menschen, die alleine sind in Bad Windsheim, sagt Erika Reichert.

Da das Wort Selbsthilfegruppe abschrecke, war dieser Name keine Option für die Frauen. „Die Hemmschwelle zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen, ist doch sehr hoch“, sagt Detsch. Deshalb habe man sich entschieden, eine Initiative zu gründen. Der Name: „Besser gemeinsam“. Das Motto: „Nichts muss, alles kann.“ Lemke findet das „super gelungen“. Es sei alles sehr offen, nichts festgezurrt und das soll es auch nicht sein.

Jeder, der kommt, soll sich einbringen dürfen – mit seinen Ideen und Vorschlägen. Wenn einer gerne Spiele spielt, könnte man sich zu Spielenachmittagen treffen, oder man plane gemeinsam einen Ausflug, aber auch einfach quatschen ist drin. Synergien zu den Angeboten, die in Bad Windsheim bereits vorhanden sind, sollen geschaffen werden, erklärt Detsch. Es dürfe jeder kommen, der wolle, ohne sich anmelden zu müssen.

Alle zwei Wochen am Samstag

Die gemeinsamen Treffen sollen vorerst alle zwei Wochen am Samstag stattfinden, so der erste Plan. An diesem Wochentag sei aktuell viel Platz im Steinhaus, in dem sich bislang beispielsweise der Schachclub oder auch eine Initiative für Eltern autistischer Kinder bereits regelmäßig treffen.

Beim ersten Treffen werde man aber erst einmal gemeinsam über die weiteren Pläne sprechen. „Dann sieht man, wo die Reise hingeht“, sagt Detsch.

Reichert ist es vor allem wichtig, dass sich alle Generationen angesprochen fühlen. Wenn der Seniorenrat im Spiel sei, impliziere dies oft: „Das ist nur für die Alten.“ Doch Menschen jeden Alters könnten sich aus den unterschiedlichsten Gründen einsam fühlen. Für sie solle die Initiative eine Initialzündung sein, um sich einen Freundeskreis aufzubauen und irgendwann – wie Claudia Lemke – nicht mehr einsam zu sein.

Auftakt von „Besser gemeinsam“ ist am Sonntag, 6. April, im Steinhaus in der Kegetstraße 1 in Bad Windsheim. Bei Kaffee und Keksen haben die interessierten Besucher und Besucherinnen ab 15 Uhr viel Zeit zum Plaudern und zum Kennenlernen.


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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