Das Tageszentrum für seelische Gesundheit „Mittendrin” im Diakonischen Werk Ansbach will seelisch kranke Menschen in die Gesellschaft integrieren. Bislang erledigt ein Teil der Klientinnen und Klienten Montagearbeiten für ein großes Unternehmen. Doch damit ist jetzt Schluss. Wie soll es weitergehen?
Das Tageszentrum sitzt an der Promenade. „Bei uns sind Menschen mit einer diagnostizierten psychischen Krankheit“, erläuterte die Leiterin des Zentrums, Melanie Helmreich, schon in einem früheren FLZ-Gespräch das Aufnahmekriterium. Sie wohnen nicht im „Mittendrin“, sondern kommen tagsüber – aus Stadt und Landkreis Ansbach.
Kostenträger ist der Bezirk Mittelfranken. Es gehe darum, wieder eine Tagesstruktur und soziale Kontakte zu bekommen, informierte die Sozialpädagogin. Zu dieser Tagesstruktur zählen zum Beispiel die Montagearbeiten für den bisherigen langjährigen Kooperationspartner, eine heimische Firma.
Schon Anfang des Jahres wollte das Tageszentrum „Mittendrin“ den Klientinnen und Klienten in Sachen Montagearbeiten gern eine größere Bandbreite anbieten. So drückte es Melanie Helmreich aus. Deshalb hielt man Ausschau nach Firmen, die Interesse haben zusammenzuarbeiten – in Form etwa von Sortieren, Falten, Stecken oder Etikettieren.
„Da hat sich nichts getan”, bedauert nun Heilerziehungspflegerin Susanne Hartnagel, die für das Montageprojekt mit zuständig ist. In der neuen Woche fällt überdies die Arbeit für den bisherigen Auftraggeber weg, wie die Verantwortlichen ausführen. Kritik äußern sie nicht.
Wie gleicht das Tageszentrum das Ende der Kooperation aus? „Wir haben hier im Haus schon noch Projekte, gerade in einem Kreativbereich”, sagt die stellvertretende Leiterin des Tageszentrums, Nina Goth. Da seien noch Klientinnen und Klienten beschäftigt, die dies bisher schon geleistet hättet. Es falle also nicht alles weg an Tätigkeit.
Die Kreativprodukte, zum Beispiel Grußkarten oder Kerzen, bietet das „Mittendrin” auch beim Nahversorger Tante Anna in der Neustadt an, wie Christiane Halenke darlegt. Sie ist beim Diakonischen Werk für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising, also Mittelbeschaffung, zuständig.
„Für den kreativen Teil unserer Klientinnen und Klienten ist das sehr gut”, stellt Nina Goth fest. Aber viele sehen sich schon eher in Sortier- oder Verpackungsarbeiten, wie sie und ihre Kollegin Susanne Hartnagel schildern. Umso stärker sucht das Tageszentrum neue Kooperationspartnerinnen oder -partner aus der Wirtschaft. „Je mehr, desto besser”, betont Susanne Hartnagel.
Unternehmen anzuschreiben, brachte noch keinen Erfolg, wie Nina Goth berichtet. Die Situation „ist schwierig”. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass die Arbeiten nicht völlig eilig sind und es sich um einfache, nicht zu komplexe Arbeitsschritte handelt. Die Klientinnen und Klienten kämen aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern.
„Lagerkapazität von circa 25 Kubikmetern hätten wir da”, hebt Susanne Hartnagel hervor. Sie weist unter anderem auf den sozialen Nutzen für mögliche Unternehmen hin, indem „sie mit uns zusammenarbeiten”.
Die Ware könne das Zentrum abholen und zurückbringen. „Dieses Be- und Entladen und das Mitfahren zu den Auftraggebern ist natürlich auch ein Teil der Arbeit für viele”, gibt Nina Goth zu bedenken. Der Teil der Klientinnen und Klienten in der Montage „definiert sich auch über die Arbeit”, macht Heilerziehungspflegerin Susanne Hartnagel deutlich.
„Sie kommen hier rein, setzen sich hin und wollen dann aktiv werden.” Es sei ein bedeutsamer Teil ihres Lebens. Gerade ein Mann werde wohl sehr unter dem Aus leiden, weil ihm die Arbeit viel Halt gebe. „Für den einen oder anderen ist das ein super Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.”
Speziell mit Montagearbeiten seien zehn Personen beschäftigt, Frauen und Männer. Das Alter sei bunt gemischt: von Anfang, Mitte 20 bis Anfang 60. Derzeit sind insgesamt 41 Klientinnen und Klienten im Tageszentrum angemeldet, wie Nina Goth berichtet.
Sie seien freilich nicht jeden Tag alle vor Ort. Im Durchschnitt kämen 25 Menschen am Tag ins Haus. Nicht alle sind nach ihren Worten in unterschiedliche Projekten wie die Montage eingebunden. „Manche Klienten sind wirklich auch tatsächlich nur hier: einfach damit sie hierherkommen.”
Weitere Informationen gibt es per E-Mail: tageszentrum-mittendrin@diakonie-ansbach.de