„Die Lebensretter App: Region der Lebensretter”, wurde nun auch im Landkreis im Rettungsbereich eingeführt. Die App soll dabei helfen, geschulte Ersthelfer zu alarmieren, wenn sie in der Nähe von Notfallpatienten sind. Damit sollen ein Stück weit die langen Strecken der Rettungsfahrzeuge im Landkreis ausgeglichen werden.
Um auch in ländlichen Gebieten eine schnelle Ersthilfe gewährleisten zu können, soll diese spezielle Software Abhilfe schaffen und wird deshalb nun im Landkreis genutzt, hieß es neulich in einer Tischvorlage des Neustädter Kreisausschusses. Im Falle eines Herzstillstandes sendet die Rettungsleitstelle ein Notfallsignal an die App. Nutzer, die sich im Umkreis des Signals befinden, werden durch die App alarmiert und können in kürzester Zeit beim Patienten sein und helfen.
Bei einem Herzstillstand zählt laut dem Neustädter leitenden Oberarzt Dr. Piotr Heckel jede Minute. Im Gespräch mit der Redaktion nennt er ein Beispiel aus seinem Wirkungskreis: Ein Mann im mittleren Alter erlitt vor einiger Zeit einen Herzstillstand. Seine Frau wählte den Notruf und begann mit der Herzdruckmassage. Innerhalb von eineinhalb Minuten sei ein Ersthelfer vor Ort gewesen – ein Nachbar, der durch die Leitstelle und deren Alarm in der Lebensretter-App direkt informiert worden war und helfen konnte. Der Patient wurde gerettet und habe durch das schnelle Handeln keine größeren gesundheitlichen Einschränkungen davon getragen, so Heckel.
Der Verein „Region der Lebensretter” wurde 2017 gegründet. Seiner Homepage ist zu entnehmen, dass es genau um solche Situationen und um die schnelle Hilfe für Patienten gehen soll. Deshalb wurde kurz nach Gründung des Vereins bereits die besagte App an den Start gebracht. Entwickelt wurde sie von verschiedenen Notfall- und Intensivmedizinern sowie von unterschiedlichen Hilfsorganisationen. Die Überschrift der Website lautet: Unser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das reanimationsfreie Intervall auf ein Minimum zu verkürzen.
Sobald ein Notruf in der Zentrale eingeht, kontaktieren die Mitarbeitenden das Rettungsteam und den Notarzt beziehungsweise die Notärztin. Neuerdings wird aber auch eine Notfallmeldung in der App geschaltet, heißt es in der Information für die Kreistagsmitglieder. Jede qualifizierte registrierte Person, die sich in der Nähe des Notfalls befindet, bekommt eine Meldung auf ihr Telefon und kann diese annehmen, sofern sie verfügbar ist und sich in der Lage sieht zu helfen.
Die Ersthelfer oder Ersthelferinnen machen sich anschließend auf dem Weg zu dem Patienten. Ehrenamtliche sind dabei in einer Region der langen Wege oftmals schneller vor Ort als der Notarzt oder die Notärztin. Durch die App lassen sich die Minuten bis zur Rettung deshalb merklich verkürzen, bestätigt auch Heckel.
So gut dies klingt, es gibt jedoch auch kritische Stimmen. Denn „qualifizierte Helfer”, das sind nicht selten Rettungssanis oder Angehörige von Feuerwehren, die beruflich oder in ihrem Ehrenamt ohnehin schon stark belastet sind. So gab es beispielsweise zuletzt bei der Uffenheimer Feuerwehr schon leise Kritik, dass die First-Responder dort bereits sehr viel in Anspruch genommen werden, oftmals weit über die eigentlichen Aufgaben der Feuerwehren hinaus.
Der Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Rainer Weiskirchen äußert sich dazu im Gespräch mit der Redaktion: ,,Wir schauen, dass wir da auch entsprechend qualifizierte Hilfe zu den Patienten bringen”, betont aber auch, dass es nicht zu den ursprünglichen Aufgaben der Feuerwehr gehört, bei Herzstillständen zu behandeln. Sie seien größtenteils auf die Löschung von Bränden, technische Hilfeleistungen oder auch Unfälle spezialisiert – Erste Hilfe sei zwar Bestandteil der neuen Aufgaben, könne jedoch nicht zum Standard werden. Mittelfristig erhofften sich die Ehrenamtlichen durch die Verbreitung und Nutzung der App jedoch einen zumindest kleinen Rückgang der Reanimationen.
Der Emskirchner Feuerwehrkommandant Jens Gutmann sieht die Einführung der App ebenfalls positiv: ,,Das System der App finde ich schon super”, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Er schätze die regionenübergreifende Alarmierung, die feste Aufgabenverteilung der Ersthelfer und Ersthelferinnen und die Anzeige nahe liegender Defibrillatoren.
Zu jedem Notfall werden vier verschiedene Rollen benötigt, heißt es auch auf der Website der „Region der Lebensretter”. Nummer eins und zwei teilen sich die Aufgabe der Herzdruckmassage. Person drei bringt schnellstmöglich den nächstgelegenen Defibrillator zum Patienten und der letzte Helfende soll den Einsatzort für den Rettungsdienst zugänglich machen und ihn einweisen, .
Dr. Piotr Heckel betont zusätzlich die evidenzbasierten Vorteile einer schnellen Hilfe bei Herzstillständen. Das schnelle Behandeln steigere die Chance auf das Überleben enorm und beeinflusse den Verlauf der Genesung sehr positiv.
Im Kreisausschuss regte sich keinerlei Widerstand gegen die Einführung der App – im Gegenteil: Stellvertretende Landrätin Ruth Halbritter sprach von einer „tollen Sache” und Landrat Dr. Christian von Dobschütz ergänzte, dass sich bereits ein Bürger in diesem Zusammenhang mit einer weiteren Anregung an die Landkreisverwaltung gewandt habe: Man könne doch die Anrufsammeltaxis mit Defibrillatoren ausrüsten, die seien ja schließlich überall unterwegs. Im Übrigen hätten sich bereits mehr als 400 Personen bereit erklärt, diese App auf ihre Mobiltelefone zu laden.