Neubau an der Bauschuttdeponie am Haldenweg in Ansbach wirft Fragen auf | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.07.2025 11:20

Neubau an der Bauschuttdeponie am Haldenweg in Ansbach wirft Fragen auf

Aus dieser Übersicht wird die Historie der Deponie deutlich: Dort sind Bauschutt und Hausmüll eingelagert, teilweise übereinander. (Grafik: Stadt Ansbach)
Aus dieser Übersicht wird die Historie der Deponie deutlich: Dort sind Bauschutt und Hausmüll eingelagert, teilweise übereinander. (Grafik: Stadt Ansbach)
Aus dieser Übersicht wird die Historie der Deponie deutlich: Dort sind Bauschutt und Hausmüll eingelagert, teilweise übereinander. (Grafik: Stadt Ansbach)

In der Bauschuttdeponie am Haldenweg wurde nicht immer Bauschutt entsorgt. Ein Umstand, der lange bekannt ist, aber jetzt wieder für Probleme sorgt. Grund dafür ist die neue Lagerhalle, die gerade auf dem Areal errichtet wird – der Aushub, der von der Deponie stammt, kann dort nicht entsorgt werden. Das wirft viele Fragen auf.

Seit Wochen lagert vor dem Eingang zur Deponie am Haldenweg eine durchaus ansehnliche Menge an Schutt. Bei genauerer Betrachtung ist es ein Mix aus Erde, Steinen, ein paar alten Glasflaschen und Resten von Baumaterialien, die zu einem bunten Sammelsurium meterhoch aufgetürmt sind: Es handelt sich um den Aushub der 25 Mal 25 Meter umfassenden neuen Lagerhalle, in der künftig Streusalz für den Winterdienst, aber auch anderes Schüttgut aufbewahrt werden soll. Und dieser Aushub ist nun Stein des Anstoßes.

Wiedereinbau soll nicht erlaubt sein

Denn die aus rund zwei Meter Tiefe beförderten Materialien dürfen nach Darstellung des Tiefbauamtes als Betreiber auf der bestehenden Deponie nicht wieder eingebaut werden. Dabei lagerten sie dort jahrzehntelang. Nach Ansicht des Baureferats und des städtischen Umweltamtes als staatlicher Aufsichtsbehörde muss der Aushub auf einer speziell dafür geeigneten Deponie entsorgt werden. Auf jeden Fall nicht in Ansbach.

Grund dafür ist die Einstufung der Müllkippe am Haldenweg als DK-0-Deponie. In dieser Kategorie darf – vereinfacht ausgedrückt – lediglich mineralischer Bauschutt „mit geringem Schadstoffgehalt” landen. „Das angefallene Erdaushubmaterial wird eingestuft als Material der Deponieklasse 1”, schreibt die Stadt auf eine FLZ-Anfrage.

Eine übliche Beprobung hatte demnach ergeben, dass der Aushub in die Kategorie „mäßig belasteter” Abfall fällt. De facto: Sondermüll. Doch war das und die damit notwendige anderweitige Entsorgung nicht absehbar, lautet eine der Fragen, die Kritiker nun stellen.

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Eine klare Antwort dazu steht von der Stadt aus. Fakt ist, dass die neue Halle just an einer Stelle des Areals errichtet wird, auf der eben nicht nur Bauschutt im Boden lagert. „Das Deponiegelände wurde von 1930 bis 1963 als Hausmülldeponie genutzt und leider ist nicht bekannt, was dort damals abgelagert wurde“, beantwortete die städtische Verwaltung anno 2019 eine entsprechende Nachfrage zur Historie der Deponie.

Erfahrungswerte waren vorhanden

Bei der Baugrunduntersuchung vor dem Spatenstich zur neuen Halle wurde das übliche Prozedere eingehalten und die Tragfähigkeit des Untergrunds untersucht. „Das Gutachten gibt Aufschluss über den Aufbau des Bodens, seine Tragfähigkeit, die Wasserverhältnisse und weitere baurelevante Eigenschaften”, erklärt die städtische Verwaltung und packt eine entscheidende Information in einen Nebensatz. „Das Aushubmaterial wurde untersucht, nachdem es aus dem Boden gelöst war.” Das Ergebnis war freilich wenig überraschend und bestätigte lediglich das, was bereits in der Baugrunduntersuchung festgehalten worden war.

Zudem gab es Erfahrungswerte aus der jüngeren Vergangenheit: Bereits 2019 mussten nach einem kleineren Bauprojekt auf der Deponie rund 1500 Tonnen kontaminierten Aushubs auf einer speziellen Deponie entsorgt werden. In den Jahren bis 1978 waren auf einer ersten Erweiterungsfläche, auf der nun die neue Lagerhalle errichtet wird, sowohl Hausmüll als auch Bauschutt abgelagert worden. Schon damals war das dort vor vielen Jahren abgelagerte Material aus Sicht des Umweltamtes der Stadt „völlig inhomogen“. Tenor: Kein Mensch wisse, was dort alles liegt.

Weil im Betriebsamt aber kein Platz für den Neubau einer Lagerhalle wäre, war die Wahl auf das Areal am Haldenweg gefallen. Eine vermeintlich naheliegende Lösung. Allerdings inklusive finanzieller Folgen, die noch nicht absehbar sind, wie die Stadt selbst einräumt. „Die Entsorgung des Materials wurde ausgeschrieben. Aktuell läuft das Verfahren noch.” Zu den anfallenden Kosten könne daher zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage getroffen werden.

Auch schweigt sich die Stadt aus, ob der finanzielle Entsorgungsaufwand in den bislang taxierten Gesamtkosten für den Neubau von rund 1,38 Millionen Euro bereits eingerechnet ist. In Fachkreisen wird die ausgeschriebene Entsorgung als eine Art Lotteriespiel bezeichnet. Findet sich ein Betrieb, dessen Auftragsbücher gerade leer sind, könnte die finanzielle Belastung der nicht gerade prall gefüllten Stadtkasse überschaubar bleiben. Im anderen Fall dürfte es deutlich teurer werden. Eine weitere Möglichkeit wäre es, vor der Entsorgung Steine, Bauschutt und sonstige Materialien aussieben zu lassen – es ist ein Rechenspiel, was am Ende günstiger ist.

Hat die Deponie das falsche Etikett erhalten?

Ein möglicher Bestandsschutz für die Deponie und damit die Möglichkeit, das Aushub-Material wieder selbst verfüllen zu können, kommt in diesem Fall wohl nicht in Frage. Grundsätzlich gilt: Wird die ursprüngliche Nutzung aufgegeben oder wird die Nutzungsart verändert, verfällt der Bestandsschutz.

Nach FLZ-Informationen wurde auf den über drei Jahrzehnte lang am Haldenweg abgelagerten Hausmüll eine rund zehn Meter dicke Erdschicht aufgebracht, ehe es ab 1978 zur Umnutzung des Areals zur Bauschuttdeponie kam. 2016 war das Volumen der Deponie auf sieben Hektar um 1,8 Millionen Kubikmeter erweitert worden. Das entspricht einer Nutzungsdauer von 60 Jahren.

In dem Zusammenhang ist offen, ob die Deponie bei der Einstufung in die DK-0-Klasse nicht das falsche Etikett erhalten hat oder aber falsch befüllt worden ist. Es war eine Deponie für Hausmüll und ist jetzt eine für Bauschutt. Nach aktuellem Stand ist nur klar: Jeder Meter ausgehobener Boden auf dem als Mischbereich bekannten Gelände müsste wieder aufwändig entsorgt werden. Stellt sich da nicht die millionenschwere Frage nach einer grundsätzlichen Sanierung des bestehenden Areals? Auch darauf gibt es noch keine Antworten.


Von Florian Pöhlmann [fp] (f.poehlmann@flz.de)
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