Es soll ein Neubau werden. Das war für die meisten Mitglieder des Kreisausschusses sowie des Kreisbauausschusses klar, nachdem Architektin Birgit Braunschmidt die Planungen für das Berufliche Schulzentrum in Bad Windsheim vorgestellt hatte. Dabei hatte sie die Grobkosten für Sanierung und Erweiterung denen eines Neubaus gegenüberstellt.
Für eine Generalsanierung würden demnach rund 31,3 Millionen Euro anfallen, für ein neues Gebäude zirka 27,3 Millionen. „Die Grobkosten sind keine detaillierte Kostenaufstellung, sondern eine erste Orientierung“, sagte Braunschmidt und ergänzte, dass aufgrund der bestehenden Bausubstanz bei Sanierung und Erweiterung unvorhersehbare Zusatzkosten entstehen können.
Dass das BBZ in die Jahre gekommen ist, wurde beim Rundgang mit Schulleiterin Michaela Müller deutlich, nicht nur durch die Wasserflecken an der Decke eines Raums. Mit dabei war auch ihr Kollege von der Schule im Aischgrund, Alexander Knäulein. Er zeigte die Räumlichkeiten, die seine Schülerinnen und Schüler aus den Stütz- und Förderklassen nutzen.
Im besuchten Trakt wurden Bereiche zum Chillen, Kochen, zum Arbeiten und eine Fahrradwerkstatt eingerichtet. Diese existieren neben den herkömmlichen Klassenzimmern. Bei den Nutzern der Räume handele es sich, so Knäulein, um Schülerinnen und Schüler, die derzeit weder eine Regelschule noch die Regelklassen der Schule im Aischgrund besuchen könnten. Sie haben unter anderem Probleme im Bereich der sozialen und emotionalen Entwicklung und seien im Verhalten speziell. Wichtig sei es für sie unter anderem, Alltagskompetenzen und vieles im sozialen Bereich zu erlernen.
Maximal acht Schüler besuchen eine Stütz- und Förderklasse – in der Regel ein bis zwei Schuljahre. Danach sollen sie in Regelschulen oder Regelklassen der Schule im Aischgrund reintegriert werden. Leider gelinge das nicht immer.
„Diese Räume hier haben einen besonderen Spirit. Dieser lässt sich bei einem Neubau nicht so hinbekommen“, betonte Landrat Dr. Christian von Dobschütz. Die Sorgen, keinen Ersatz für die Räume zu bekommen, treibt auch Knäulein um. Eine Verzahnung zwischen Schule und diesem Trakt sei wichtig – neue Örtlichkeiten eine Herausforderung. Zu versuchen, solche Räumlichkeiten anderswo im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zu finden, wäre angesichts fehlender Krisenfestigkeit für die Schüler ein Problem, stellte der Schulleiter fest.
Doch gerade diese Räume werden beim Abriss verschwinden, „auch wenn einem das Herz blutet“, so der Landrat. Der Platz wird für den Neubau benötigt. Birgit Braunschmidt hatte nach einer eingehenden Wirtschaftlichkeitsbetrachtung deutlich gemacht, dass man nach einer ausführlichen Prüfung davon ausgehe, dass ein Abbruch und Neubau mindestens kostenneutral, wenn nicht sogar kostengünstiger werden als eine Generalsanierung nebst Anbau. Sie verwies auf die allgemeine Faustregel, nach der eine Sanierung mindestens 20 Prozent günstiger sein müsse als ein Neubau, um wirtschaftlich sinnvoll zu sein. Dies sei auch das Credo der Regierung, wenn es um die Finanzierung gehe.
Wie sieht die Vorplanung aus? Diese basiert auf zwei Gebäudeteilen, die sich zum Schulbereich hin öffnen und sich in Form und Dimension an der angrenzenden Bebauung orientieren. Der Haupteingang ist im Süden vorgesehen, der Pausenbereich als geschützter Raum. Für den Nordbau sind in der Vorplanung die Unterbringung der Verwaltung, der Berufsintegrationsklassen, der allgemein Unterrichtsräume der Berufsschule, Fachräume für diese und Übungsräume für die Wirtschaftsschule vorgesehen.
Für den Südbau sind eine offene Treppe als Atrium geplant sowie eine Mensa und Bibliothek, die beide zur Aula geöffnet werden können, Klassenzimmer für die Wirtschaftsschule und ein Bereich für Lernforen und Einzelinklusion. Auf einen Keller würde man verzichten – auch wegen der Kosten und Bodengutachten. Die Technik käme in die Dachebene, angedacht ist ein niedrig geneigtes umlaufenden Pultdach.
Man sei gewillt, den Bau in einem Aufwasch zu machen und nicht in mehreren Abschnitten, so der Landrat. Auf Containerlösungen würde er gern verzichten, lieber andere Ersatzlösungen suchen. Manfred Müller fragte nach, ob man geprüft habe, ob es möglich sei, viergeschossig zu bauen. So könne man Flächen sparen. Dazu bedürfe es weiterer Bodenuntersuchungen, entgegnete die Architektin und wies darauf hin, dass bei den vorgestellten Plänen die Bereiche der Wirtschafts- und Berufsschule getrennt seien.
Windsheims Bürgermeister Jürgen Heckel merkte an, dass es nicht im städtebaulichen Interesse sei, im Wohngebiet noch eine vierte Etage aufzusetzen, „drei fügen sich gut ein.“ Mit Blick auf die Bäume betonte die Architektin, dass nur wenige wegfallen, nachdem es mehrere Nachfragen gab. Zum Schluss sprach man erneut die ganz grob geschätzten Kosten von 27,3 Millionen Euro an. Man gehe, so der Landrat, bei dieser Summe von einer Förderung von rund 16,9 Millionen Euro aus und einem Eigenanteil von 10,4 Millionen. Dies sei aber alles noch vage.