Die Künstlerin Elise Mahler stand im Mittelpunkt der aktuellen Sonderführung der Reihe „Kunst sehen und verstehen“. Jutta Striffler vom Freundeskreis des RothenburgMuseums führte dabei nicht nur durch die Räume im Museum, sondern nahm die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit auf einen Streifzug durch die Stadt.
Denn Elise Mahler lebte von 1896 an rund 20 Jahre lang in Rothenburg und hat an vielen Orten ihre Spuren hinterlassen. Zu ihrem 100. Todesjahr ist ihr im RothenburgMuseum eine Sonderausstellung gewidmet, die einen Einblick in ihr Leben und Schaffen gibt. Im Jahr 2009 hatte es schon einmal eine Ausstellung der Künstlerin gegeben, „damals hat es mich gepackt“, erinnert sich Jutta Striffler. Und die Begeisterung für die unerschrockene und energische Frau, die Einfluss auf viele andere Künstlerinnen dieser Zeit hatte, hat sie bis heute nicht mehr losgelassen.
Dabei sollte Elise Mahler, die 1856 in Flensburg geboren wurde, ursprünglich in einem Hamburger Gutshof als Wirtschafterin arbeiten. „Aber das war gar nichts für sie“, erzählt Striffler. „Eigentlich wollte sie schon immer malen.“ Mahlers Glück: Ihr Vater entdeckte und förderte ihr Talent. So konnte sie – obwohl das damals für Frauen noch unüblich war – zunächst handwerkliche Grundlagen in der Hamburger Gewerbeschule lernen und ließ sich anschließend an einer Berliner Malschule ausbilden. „Die Familie hatte die nötigen finanziellen Mittel“, betont Striffler.
Warum Mahler 1896 nach Rothenburg kam? „Die Stadt war schon damals der Inbegriff für Romantik“, weiß Striffler, „mit all ihren Türmchen und Winkeln“. Zahlreiche Kunstschaffende, darunter auch Arthur Wasse, hätten hier Inspirationen für ihre Werke gefunden.
Elise Mahler war geschäftstüchtig. Mit dem festen Vorsatz, mit ihrer Malkunst den Lebensunterhalt zu verdienen, gründet sie zusammen mit der Wienerin Maria Ressel eine Malschule für Frauen, die bald regen Zuspruch findet.
Der damalige Bürgermeister Karl Mann habe schon früh das Potenzial von Mahler erkannt und sie in vielerlei Hinsicht unterstützt, so Striffler. Immerhin habe die Künstlerszene dazu beigetragen, den Fremdenverkehr in der Stadt deutlich zu beleben. Das verhalf wiederum Elise Mahler zu einem guten Absatz ihrer Postkarten. Die lässt sie anfangs in München drucken. Doch als sie bemerkt, dass die Druckerei ihr zu viel Geld abknöpft, kauft sie kurzerhand selbst eine Druckmaschine, erlernt das Handwerk und druckt ihre Postkarten im eigenen Verlag seitdem selbst. „Das zeigt deutlich, wie Mahler war. Die ließ sich nichts gefallen“, betont Striffler.
Vielen männlichen Kollegen in der Stadt seien Elise Mahler und Maria Ressel „ein Dorn im Auge“ gewesen – sie waren als „Malweiber“ und „Terpentin-Tanten“ verschrien. Aufgrund ihres Erfolges, aber auch, weil die beiden Frauen zusammen wohnten, was zu der Zeit noch nicht gesellschaftlich anerkannt war. Erneut habe sich Bürgermeister Mann eingeschaltet und den beiden Frauen „sehr günstig“ die Bronnenmühle im Taubertal verpachtet. Dort führten sie ihre Malschule weiter und eröffneten zudem eine Pension.
Jutta Striffler hat die Mühle als Zielpunkt der kleinen Stadttour gewählt. Zuvor allerdings geht es vom Museum aus einmal quer durch die Altstadt in Richtung Spitalhof. Das Ziel ist das Spitalbereiterhaus – besser bekannt als Hegereiterhaus –, wo Elise Mahler anfangs ihre Malschule betrieb und wohnte.
Anschließend geht es weiter zum Baumeisterhaus. Hier richteten die beiden Frauen 1905 einen Kunstsalon ein – neben Kunstwerken und Malutensilien konnte man hier auch Bücher leihen und im Innenhof einen Kaffee genießen. Noch heute ist dort ein Café untergebracht – Jutta Striffler wirft mit der Gruppe einen Blick in den Innenhof. Auf dem Weg zur Bronnenmühle gibt es eine weitere Überraschung: Familie Tenelsen renoviert seit mehreren Jahren das Fledermaushaus, das Mahler als Ferienhaus vermietete. Die Gruppe darf auch hier einmal hineinspitzeln.
Erst als der Erste Weltkrieg die Käuferschichten in Rothenburg wegbrechen ließ, verließen Elise Mahler und Maria Ressel die Stadt.
Die Sonderausstellung im RothenburgMuseum ist noch bis zum 31. Dezember zu sehen.