Zwischen Bad Windsheim und Ipsheim, nahe Oberndorf, liegt vom Geißbuck bis zum Hasenbuck viel Gips unter der Erde. Der soll bald abgebaut werden. Der Bund Naturschutz ist aus verschiedenen Gründen dagegen.
Inmitten von landwirtschaftlich genutzten Flächen, umgeben von Getreide- und Maisfeldern und Wiesen, schaut ein Relikt vergangener Landschaften aus dem Boden: der Hirtenhügel. Er ist das kleinste der vier Gebiete aus anstehendem Gipsgestein, auch als „die Gipshügel“ bekannt. Hans Seitz aus Bad Windsheim kennt die vielen seltenen Pflanzenarten, die hier wachsen. Das Frühlingsadonisröschen gedeiht hier ebenso wie die Erd-Segge, die Spanische Schwarzwurzel, der Kicher-Tragant oder die Spargelerbse.
Um dieses rund 0,5 Hektar große Gebiet sorgt sich der Bund Naturschutz (BN), aber nicht nur darum. Die Organisation sieht unkalkulierbare Risiken für das Grundwasser, die Quellen oder die Wasserqualität und befürchtet Auswirkungen auf Natur- und Vogelschutzgebiete. Der Abbau berge aber auch Gefahren für die Landwirtschaft durch die Staubbelastung durch den Tagebau, etwa wenn sich Stäube auf die Blätter der Weinreben legten, meint Jonas Kaufmann, Regionalreferent des Bundes Naturschutz Mittelfranken.
Mit großen Bannern protestierten BN-Mitglieder aus dem gesamten Landkreis vor Ort gegen den Abbau in der geplanten Form und machten auf die ihrer Ansicht nach vorhandenen gravierenden Mängel des Vorhabens aufmerksam.
Die Firma CA-TEX GmbH aus Lünen beabsichtigt die Errichtung und den Betrieb des „Gipsabbaus Oberndorf“ mit einer vorgesehenen jährlichen Fördermenge von 70.000 bis 140.000 Tonnen Rohgips, also durchschnittlich 100.000 Tonnen pro Jahr. Der Gipsabbau Oberndorf dient laut dem Rahmenbetriebsplan, der auf der Homepage der Regierung von Oberfranken einsehbar ist, der langfristigen Rohstoffsicherung für das Werk Hartershofen (Landkreis Ansbach) der Etex Building Performance GmbH und für das Werk Sulzheim (Landkreis Schweinfurt) der CASEA GmbH.
Es ist geplant, den Rohgips sowohl im Tagebau als auch im Untertagebau (Vortrieb eines Untersuchungsstollens) zu gewinnen. Es ist laut Rahmenbetriebsplan keine Aufbereitung im Bereich des Gewinnungsfeldes vorgesehen; der gewonnene Naturgips wird also vor Ort auf Lastwagen verladen und zur weiteren Verarbeitung in die Aufbereitungsanlagen im Werk Hartershofen und Werk Sulzheim transportiert.
Der Abbau ist in neun Abschnitten in den Tagebauen Ost und West – getrennt durch eine Stromtrasse – und in untertägigen Erkundungsstollen geplant. Die gesamte Abbaufläche beträgt, wie Informationen der Stadt Bad Windsheim zu entnehmen ist, etwa 112 Hektar.
Doch es handele sich um ein trockenes und sehr sensibles Gebiet, sagt BN-Kreisgruppenvorsitzende Karin Eigenthaler. Deshalb sei alles, was hier Veränderungen bringe, erst einmal kritisch zu hinterfragen. Das bedeute nicht, dass ein Gipsabbau im dezenten Maß nicht möglich wäre. Eigenthaler nennt einen Genehmigungszeitraum von 20 Jahren. Danach schaue man, was die Auswirkungen sind, und prüfe neu. Was dem BN aber sauer aufstößt, ist der bislang auf bis zu 175 Jahre ausgelegte Abbau. In einem solch langen Zeitraum drohten Veränderungen bei der Landschaft und den Arten.
Mit der Aktion vor Ort wollte der BN nun darauf aufmerksam machen, dass und warum es unsinnig ist, den Gipsabbau nach den bisherigen Plänen voranzutreiben, sagte Kaufmann. Gefragt seien auch die Bürger und Bürgerinnen, die sich zum Beispiel in einer Bürgerinitiative organisieren könnten.
Da das Bergrecht sehr stark sei, sei es generell schwierig, solche Projekte zu verhindern, meinte Kaufmann. Wenn man es aber nicht versuche, könne man auch nichts ändern. Vielleicht gelinge es ja doch irgendwie, das Projekt auf ein erträglicheres Niveau herunterzubrechen.
Karin Eigenthaler richtete gegenüber der Redaktion den Blick auch auf die Zeit danach. Geplant sei, dass nach dem Gipsabbau die Fläche mit unbelastetem Abraum von anderer Stelle aufgefüllt werde und der Oberboden wieder darüberkommt. Es werde aber ein Loch einfach gefüllt, das Wasser „plumpse runter bis auf den Grenzdolomit“. Ob da dann noch Landwirtschaft möglich sei, bleibe offen.
Angesichts der Vielzahl unbeantworteter Fragen und Risiken fordert der BN, das Vorhaben in der vorgelegten Form nicht zu genehmigen und stattdessen eine umfassende Neuausrichtung der Rohstoffstrategie in der Region einzuleiten. Es solle der Wandel zu einer echten Kreislaufwirtschaft vorangetrieben werden, wünscht sich Kaufmann.