Was ist wichtiger – die Versorgung mit erneuerbaren Energien oder der Schutz der Natur und des Landschaftsbildes im Naturpark Frankenhöhe? Vor dieser schwierigen Frage stand der Umweltausschuss des Kreistags.
Konkret geht es um eine geplante Biogasanlage mit einigen Nebengebäuden in der Nähe von Cadolzhofen, einem Ortsteil der Gemeinde Windelsbach. Der geplante Standort liegt im Naturpark Frankenhöhe und grenzt an das Naturschutz- und FFH-Gebiet Cadolzhofener Hutung mit artenreichem Trockenrasen an.
Damit dort dennoch eine Biogasanlage zur Stromerzeugung und zur Nahwärmeversorgung errichtet werden kann, hat die Gemeinde Windelsbach beantragt, eine fast drei Hektar große Fläche aus dem Naturpark und dafür rund vier Hektar landwirtschaftliche Grundstücke am Ortsrand in den Geltungsbereich der Naturpark-Verordnung aufzunehmen. Erst wenn das Grundstück nicht mehr in der Schutzzone des Naturparks liegt, kann die Gemeinde mit der Bauleitplanung ihrerseits den Weg für das Projekt freimachen.
Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt und der Landesbund für Vogelschutz lehnen das Vorhaben hab, weil es ihrer Ansicht nach unter anderem wegen seiner weithin sichtbaren Kuppeln das Landschaftsbild der Frankenhöhe zu stark schädigt. Der Zweck eines Landschaftsschutzgebiets werde damit „ad absurdum geführt”, heißt es in der Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde, die Sachgebietsleiterin Stefanie Schwarz in der Sitzung erläuterte.
Die derzeit geplante Eingrünung sei „mangelhaft” und es sei fraglich, ob ein so großer Eingriff in die Landschaft überhaupt ausgeglichen werden könne. Unklar sei, welche Auswirkungen eine mögliche künftige Erweiterung auf die benachbarten Flächen hat. Außerdem seien im Vorfeld nicht sämtliche Alternativen geprüft worden.
Diesen Vorwurf will der potenzielle Anlagenbetreiber Günter Schmidt allerdings nicht auf sich sitzen lassen. Er betreibt schon seit 2005 eine Biogasanlage in Cadolzhofen. Sie versorgt fast das ganze Dorf mit Wärme. Künftig sollen Biogasanlagen nur noch Strom produzieren, wenn er im Netz gebraucht wird. Am jetzigen Standort sei ein entsprechender Ausbau nicht möglich.
Ab 2026 dürfe die alte Anlage wegen der geltenden Vorschriften nur noch mit 45 Prozent der aktuellen Leistung laufen. Daher könne sie nicht mehr wirtschaftlich betrieben und das Nahwärmenetz Cadolzhofen nicht mehr ausreichend versorgt werden. Die neue Anlage hingegen könnte durch ihre zentrale Lage zusätzlich den benachbarten Ort Windelsbach beheizen.
Darüber hinaus würden die auf der Fläche schon vorhandenen Gärrestelager in die neue Anlage integriert. Der Standort sei die „einzige realistische Option”. Alternativen habe man gründlich geprüft. Die wenigen Flächen im Gemeindegebiet, die nicht im Landschaftsschutzgebiet liegen, seien aber nicht erwerbbar oder wegen ihrer Topografie nicht nutzbar.
Bei einem Ortstermin verschafften sich die Ausschussmitglieder gemeinsam mit der Betreiberfamilie und dem Windelsbacher Bürgermeister Werner Schuster einen Eindruck von der Situation.
Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU) sprach sich für die Herausnahme des Gebiets aus dem Naturpark aus, setzt sich aber auch dafür ein, dass der Einfluss auf das Landschaftsbild durch die Farbgestaltung, Eingrünung und Höhe der Anlage minimiert werden sollte.
Eine Weiterentwicklung der vom Menschen gestalteten Kulturlandschaft sieht Gerhard Korn (CSU) in dem Projekt. Sein Fraktionskollege Johannes Schneider plädierte dafür, es zu respektieren, „wenn sich die Leute vor Ort und die Gemeinde einig sind”. Reinhold Meyer erklärte, wegen der bereits vorhandenen Erschließung und Bebauung sei der Standort ideal. Auch Rainer Erdel (FDP) sprach sich dafür aus, ebenso wie die Ausschussmitglieder der Freien Wähler.
Isabella Hirsch (Grüne) meinte hingegen, dieses spezielle Gebiet sei so sensibel, dass sie sich wünschen würde, „dass wir andere Lösungen finden”. Andy Zeller (Grüne) ergänzte, eine solche Anlage gehöre eigentlich in ein Gewerbegebiet. Jürgen Schilling (ÖDP) sprach wie andere Kreisräte von einer schwierigen Entscheidung. Am Ende wogen für ihn der Schutz von Artenreichtum und Natur schwerer.
Anders ging die Abwägung bei Uwe Reissmann (SPD) aus. Bei einer Ablehnung müsste man auch sagen, „wo die Heizenergie sonst in Zukunft herkommen soll”, begründete er seine Zustimmung. Neben den Gegenstimmen von Grünen und ÖDP gab es auch eine aus den Reihen der CSU. Michael Sommer forderte, die Unterlagen so vorzubereiten, „dass wir eine vernünftige Entscheidungsgrundlage haben”.
Letztlich empfahl der Umweltausschuss, mit zehn zu vier Stimmen, dem Kreistag über den Kreisausschuss, die Flurstücke für die Biogasanlage aus der Naturpark-Schutzzone herauszunehmen und die vorgeschlagenen Ausgleichsflächen aufzunehmen.