Mit fast 90 Teilnehmern stieß das Treffen des Nahversorger-Netzwerks im Landkreis Ansbach auf große Resonanz. Direktvermarkter und Lebensmittelhandwerker wie Bäcker und Metzger sowie Gastronomen, Dorfläden, Frischemärkte und Verkaufsautomaten schaffen regionale Wertschöpfung.
Um die Direktvermarktung zu stärken, lassen sich die Betriebe einiges einfallen. Sie bieten Fleisch, Wurst, Brot, Kartoffeln, Gemüse, Eier, Käse und Obst auf direkten Weg über Hofläden, den Fahrverkauf, den Wochenmarkt, Frischeautomaten und den Veranstaltungsservice an. Sie verkaufen ihre Rohstoffe auch zur Weiterverarbeitung an das Ernährungshandwerk, an den privaten oder genossenschaftlichen Handel, an Molkereien, Schlachtbetriebe, Gastronomen.
Beim Treffen war unter anderem Simon Ohr, ein Ferienbauernhofbesitzer aus Binzwangen, anwesend. Er hat die Idee, seinen Gästen künftig regionale Produkte anzubieten, damit sie sich ihr Frühstück mit frischen Eiern, Marmelade und anderen Spezialitäten aus der Umgebung zubereiten können.
Bei der Veranstaltung kam er ins Gespräch mit verschiedenen Direktvermarktern und hat bereits konkrete Produkte im Kopf, die er aufnehmen möchte. Auch das Grillen ist ein großes Thema auf dem Hof. Bisher haben die Gäste ihr Fleisch häufig irgendwo gekauft. Beim Treffen intensivierte sich der Kontakt mit einer regionalen Metzgerei. Künftig bezieht der Ferienbauernhof das Fleisch von dort – genau die Waren und in den Verpackungseinheiten, die für die Gäste praktisch sind.
Beispiele aus der Praxis lieferten ein paar Betriebe: Der Fischhof Hausmann in Altendettelsau betreibt seit drei Generationen Teichwirtschaft (60 Hektar). Die Eltern und ihre drei erwachsene Kinder bilden ein Team und haben ihr Frischfischangebot zeitlich und räumlich erweitert durch Verkaufsautomaten. „Das kommt gut an“, sagte Eva Hausmann.
Patrick Meßthaler aus Wolframs-Eschenbach betreibt eine Weihnachtsbaumplantage im Nebenerwerb. Zwischen acht und zehn Jahre benötigen die jungen Pflanzen, um zu Weihnachtsbäumen heranzuwachsen. Jedes Jahr pflanzt er neue Setzlinge, die gepflegt und während des Wachstums in Form geschnitten werden. Gras und Unkraut zwischen den Reihen halten Schafe klein. Abnehmer seiner regional erzeugten Weihnachtsbäume sind der Großhandel und Direktvermarkter.
Die noch junge Ezzich-Manufaktur in Großhaslach produziert Essig in verschiedenen Geschmacksrichtungen in Bio-Qualität. Regionale Geschäfte, Direktvermarkter und Hofläden bieten die Produkte in ihrem Sortiment an. Wie Daniela Rotalla erzählte, haben sie und ihr Mann den Sprung aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit gewagt und beschäftigen Menschen mit Behinderung als wertvolle Arbeitnehmer.
Die Brüder Tobias und Manuel Seitz bieten Fleisch vom Schwein aus eigener Aufzucht und eigener Schlachtung an. Die Ferkel werden am Hof von Muttersauen geboren. Die robuste Schweinerasse kann auf der Weide in Leutershausen ihrer artgerechten Beschäftigung nachgehen bis zur Schlachtung im eigenen Betrieb in Aurach, zu der auch eine Metzgerei gehört. Im Anschluss an die Veranstaltung waren auch Betriebseinblicke vor Ort möglich.
Zu den Teilnehmern des Netzwerk-Treffens gehörte auch Walter Güntner aus Weidenbach. Er betreibt mit seiner Frau und Mitarbeitern eine Metzgerei und Gastwirtschaft. Was das Personal anbelangt, könne er von Glück reden, sagte er. Zur Kundschaft gehören auch Schüler und Studenten aus Triesdorf, die sich außerhalb der Öffnungszeiten am Verkaufsautomaten mit Speisen und Brotzeiten eindecken.
Eine Hofladen-Betreiberin aus Colmberg informierte sich bei dem Weidenbacher über seine Erfahrungen mit dem Warenautomat und über die Kosten, die bei Kauf oder Miete entstehen. Sie tat dies aus Interesse an neuen Absatzmöglichkeiten ihrer Eigenerzeugnisse.
Der Austausch untereinander war ein wichtiger Teil des Programms. Als Möglichkeit, voneinander zu lernen, Kooperationen aufzubauen und sich gegenseitig zu unterstützen. Andrea Denzinger vom Regionalmanagement als Teil der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Landkreis Ansbach und Susanne Feicht vom Sachgebiet Ernährung und Haushaltsleistungen am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ansbach führten die Veranstaltung gemeinsam durch. Sie verwiesen auf Beratungs- und Förderangebote beider Behörden für Direktvermarkter.
AELF-Leiter Bernd Nagel warb für eine zahlreiche Teilnahme an der „Bauernmeile“ am Erntedanksonntag im Oktober in Ansbach und um neue Fachkräfte für Ernährung und Haushaltsführung mit Blick auf das kommende Schuljahr. Landrat Dr. Jürgen Ludwig lobt die Zusammenarbeit vor Ort, die das Profil einer Region schärfe.
Regionalmanagerin Andrea Denzinger unterbreitete Vorschläge für gemeinsame Marketingaktivitäten, um Kulinarik und Herstellung vom Acker bis zum Teller ansprechend umzusetzen. Als Beispiele nannte sie Hoffeste, Brotbackseminare, Verkostungen, Einblicke in die Familienbetriebe. In Kürze soll es eine Schulung für Direktvermarkter geben. Eine professionelle Marketingagentur wird Anleitungen für eine gute Außendarstellung geben.
In zwei Fachforen standen die Themen Künstliche Intelligenz (KI) sowie Wirtschaftlichkeit und Preiskalkulation für Direktvermarkter im Fokus. Vor Ort konnte man auch beobachten, wie sich etwa die Stadtbäckerei in Wolframs-Eschenbach (in Eigentum der Kommune) mit dem Dorfladen Dombühl austauscht. Dabei ging es um die Unternehmensform und die Organisation.
Für Aufmerksamkeit sorgten auch besondere Produkte und Dienstleistungen. Zum Beispiel Mohn-Nudeln, Emmermehl, Aronia-Essig sowie Spanferkelservice und Bienenpädagogik wurden angeboten.