Manche würden sich vielleicht um diese Aufgabe drücken, obwohl klar ist, dass sie verletzten Wildtieren viel Leid erspart. Denn wenn das entkräftete Lebewesen gefunden wird, muss Katrin Stahl es normalerweise töten, um es zu erlösen. Sie und ihre Hündin Isi sind eins von zwei Nachsuchen-Gespannen im Jägerverein Uffenheim.
Zu verhindern, dass ein Tier qualvoll verendet, ist die Motivation, die die Frau aus dem Weigenheimer Gemeindeteil Reuscherin (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) und ihre Hündin antreibt, immer besser zu werden. Dabei ist so eine Nachsuche sowohl für das Tier wie auch für den Mensch strapaziös. Oft führt sie durch dichtes Gestrüpp oder unwegsames Gelände.
An diesem Tag wurde die Suche aber pressefreundlich fingiert, in weithin ebenem und gut begehbarem Gelände. Bei einer echten Nachsuche darf kein Außenstehender dabei sein. Die Arbeit von Stahl und ihrer Isi unterliegt der Verschwiegenheit.
Denn es ist sehr wichtig, dass ein Jäger sich meldet, wenn er ein Tier nicht richtig getroffen hat. Das fällt vielen nicht so leicht, denn eigentlich sind sie gehalten, nur dann zu schießen, wenn sie sicher sind, das Tier sofort töten zu können. Aber draußen in der Natur geschieht eben nicht immer alles nach Lehrplan.
„Wir sind alle nur Menschen“, sagt die Vorsitzende des Uffenheimer Jägervereins Elfi Sappa, die selbst das erste Mal eine Nachsuche live miterlebt. Eine andere Konstellation, in der Stahl informiert wird, ist ein Wildunfall, bei dem das angefahrene Reh oder der Hase sich noch schwer verletzt in den Wald schleppt.
Jetzt erklärt Katrin Stahl den „Anschuss“, also die Stelle, an der das Tier verletzt wurde. Es gibt ganze Seminare, in denen nur die Informationen vermittelt werden, die der Profi aus ein paar Knochensplittern und etwas Blut gewinnen kann.
„Ist es hellrot und blasig? Dann stammt es vermutlich aus der Lunge und die Nachsuche dauert normalerweise nur kurz“, erläutert die 36-Jährige. Als Tochter eines passionierten Jägers wurde sie schon mit der Jagd groß, mit 16 Jahren machte sie ihren Jagdschein. Dunkelrotes, ein bisschen grisseliges Blut stamme dagegen aus dem Magen. Mit einer solchen Verletzung kann sich das Tier noch kilometerweit fortschleppen.
Hilfreich ist in beiden Fällen, den Ausgangspunkt zu markieren – zum Beispiel durch ein Stück Binde aus dem Verbandskasten an einem Ast – und ansonsten nicht zu viel umherzulaufen, denn dann wird es für den Hund schwierig.
Isi, mit vollem Namen Isgard vom Rodekopp, ist ein Deutsch-Langhaar, ein klassischer Vorstehhund: „Mit dem kann man fast alles machen“, berichtet die Jägerin. Sie ist spürbar begeistert vom Charakter und von den Fähigkeiten ihres Hundes. Auch wenn Isi sich nicht äußern kann, dürfte das auf Gegenseitigkeit beruhen. „In einem guten Gespann müssen sich Mensch und Tier voll aufeinander verlassen können.“
Interessanterweise lässt sich die Schweißspur nach einem kurzen Regen am besten verfolgen – dann sind die Gerüche sehr intensiv. Schwierig wird es dagegen bei großer Trockenheit, gefrorenem Boden oder Neuschnee auf der Spur.
Zielstrebig, flink, aber unaufgeregt folgt die vierjährige Hündin der Fährte des Rehs. Sie lässt sich nicht beirren, als die von Wildschweinspuren gekreuzt wird, und wird auch nicht hektisch, als sie einmal kurz nicht weiter weiß.
Vielleicht einen Meter weit kommt sie von der Spur ab, kehrt dann aber sofort zurück. Hat sich das Wild auf seiner Flucht irgendwo kurz niedergelassen, dann verweist Isi auf dieses Wundbett extra – indem sie sich einmal dreht und kurz stehenbleibt.
Nach etwa 300 Metern hat sie das Reh – in diesem Fall eine Rehdecke, also das Fell – gefunden und wird dafür ausgiebig gelobt. Ganz ungefährlich ist Isis Aufgabe nicht. Es gibt eine Hundeschutzjacke, welche die Hündin beispielsweise vor den Zähnen eines Wildschweins schützt. Ein Erste-Hilfe-Set für Hunde, Wasser und ein Funkgerät, mit dem man Hündin orten kann, wenn man sie von der speziellen, verhedder-armen, langen Leine lassen muss, sind mit dabei.
Auch von Katrin Stahl wird einiges verlangt: auf allen Vieren durchs Gebüsch, einmal sogar einem Reh mit zwei gebrochenen Hinterläufen in einen Weiher hinterher. „Das war schwierig“, erinnert sie sich.
Etwa 40- bis 50-mal während der Jagdsaison wird Stahl informiert. Zum Glück hat sie einen toleranten Arbeitgeber. Denn: „Ein halber bis dreiviertel Tag ist dann gleich ’rum.“ Fast alle Nachsuchen enden erfolgreich, das heißt: Das Tier wurde gefunden – und falls nötig erlöst.