Der Kastanienhof in Ansbach bietet seit über 100 Jahren Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen einen sicheren Zufluchtsort. Mit Angeboten wie der Heilpädagogischen Tagesstätte, ambulanten Hilfen und einer neuen Inobhutnahmestelle leistet die Einrichtung einen wichtigen Beitrag zur regionalen Jugendhilfe.
Christof Loos, der Einrichtungsleiter des Kastanienhofs in Ansbach, präsentierte seine Einrichtung im Rahmen einer Sitzung des Jugendhilfeausschusses der Stadt. Dabei betonte Loos, dass die Gelder, die die Stadt Ansbach in die Jugendeinrichtung investiert, gut angelegt seien. Seit 1912 dient der Kastanienhof als Zufluchtsort für Kinder und Jugendliche in Not. Besonders in den letzten 40 Jahren hat sich die Einrichtung durch konkrete Hilfsangebote als wichtiger Bestandteil der regionalen Jugendhilfe etabliert.
Eine besondere Neuerung beim Kastanienhof ist die 2023 eingerichtete Inobhutnahmestelle. Bis zu sieben Kinder und Jugendliche können dort gleichzeitig betreut werden. Diese neue Abteilung wurde für junge Menschen im Alter von sechs bis 17 Jahren, die sich in akuten Krisensituationen befinden und daher eine kurzfristige, intensive Betreuung benötigen, eingerichtet.
Unter der Inobhutnahme versteht man die vorläufige Aufnahme und Unterbringung eines Kindes oder Jugendlichen in einer Notsituation, welche durch das Jugendamt veranlasst wird. Die Aufnahme erfolgt rund um die Uhr und ist immer dann möglich, wenn das zuständige Jugendamt eine Inobhutnahme ausspricht und die Kosten übernimmt. Loos erklärt: „Die Nachfrage ist bayernweit enorm.“
Die Bedeutung dieser neuen Einrichtung zeigt sich auch darin, dass bereits vier der sieben Plätze fest durch verschiedene Jugendämter reserviert wurden. So haben sich sowohl die Jugendämter der Stadt als auch des Landkreises Ansbach jeweils einen Platz gesichert. Zusätzlich hält der Kastanienhof für die Landkreise Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Erlangen-Höchstadt ebenfalls jeweils einen Platz für kurzfristige Notfälle frei.
Dies ermöglicht es den zuständigen Behörden, bei dringenden Fällen schnell auf vorhandene Kapazitäten zurückzugreifen und die betroffenen Kinder und Jugendlichen in einem geschützten Umfeld unterzubringen. Loos schildert zudem die teils verzweifelte Lage vieler Jugendämter: „Wochenlang telefonieren Mitarbeitende herum, um einen Platz zu finden.“
Die Kapazitäten für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Not sind begrenzt. Dass der Kastanienhof eine Antwort auf dieses Problem bietet, zeigt sich in der Bilanz der ersten zwölf Monate. In diesem Zeitraum konnten 44 Kinder und Jugendliche in Notsituationen aufgenommen und betreut werden.
Ingrid Fischer-de Groot, die Leiterin der Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT) des Kastanienhofs, erläuterte die Angebote ihrer Abteilung. Die HPT bietet Platz für insgesamt 40 Kinder und Jugendliche, die in vier Gruppen betreut werden. Diese Form der Hilfe richtet sich an junge Menschen, die eine intensive heilpädagogische Betreuung benötigen.
Die ambulanten Hilfen richten sich an Familien, die in schwierigen Lebenslagen Unterstützung benötigen, und bieten verschiedene Formen der Betreuung an. Kerstin Dachsbacher, die die Ambulanten Hilfen der Einrichtung leitet, und ihr Team bieten Erziehungsbeistandschaften, sozialpädagogische Familienhilfen sowie betreutes Einzelwohnen an.
Gemeinsam mit ihren Kollegen betreut Dachsbacher derzeit 60 Familien und junge Menschen direkt in ihrem Zuhause. Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Familien bei der Bewältigung von Erziehungs- und Alltagsproblemen zur Seite zu stehen und so eine Stabilisierung im familiären Umfeld zu erreichen.