Nach Unfall bei Münchzell: Autofahrer wegen Mordversuchs angeklagt | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 03.04.2024 14:38, aktualisiert am 03.04.2024 19:57

Nach Unfall bei Münchzell: Autofahrer wegen Mordversuchs angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Ansbach hat Anklage wegen versuchten Mordes gegen einen Unfallfahrer bei Münchzell erhoben. (Archivbild: NEWS5 / Oßwald)
Die Staatsanwaltschaft Ansbach hat Anklage wegen versuchten Mordes gegen einen Unfallfahrer bei Münchzell erhoben. (Archivbild: NEWS5 / Oßwald)
Die Staatsanwaltschaft Ansbach hat Anklage wegen versuchten Mordes gegen einen Unfallfahrer bei Münchzell erhoben. (Archivbild: NEWS5 / Oßwald)

Mehr als eine Woche lang fahndete die Polizei im August 2022 nach dem Autofahrer, der nach einem Unfall eine schwer verletzte Fahrradfahrerin im Graben liegen ließ und floh. Das abgerissene Teil eines Geländewagens führte die Ermittler dann zu einem Rentner. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 74-Jährigen erhoben – wegen versuchten Mordes.

Zugetragen hatte sich der Unfall am 3. August 2022 gegen 21 Uhr auf der viel befahrenen Verbindungsstraße zwischen Großhabersdorf (Landkreis Fürth) und Bruckberg (Landkreis Ansbach). Der damals 73-jährige Rentner war in Richtung Bruckberg unterwegs gewesen. Zwischen Münchzell und Kehlmünz, zwei Ortsteile von Dietenhofen, fuhr er laut den Ermittlungen etwa 70 km/h. Sein Auto – ein grüner Suzuki Jimny, wie sich später herausstellte – erfasste dabei die 24 Jahre alte Fahrradfahrerin von hinten.

Ein Autofahrer bemerkte die Frau im Straßengraben

Die junge Frau wurde in den Straßengraben geschleudert. Dort blieb sie mit einer Wirbelsäulenverletzung und einer Gehirnerschütterung liegen. An den Folgen leidet sie laut Staatsanwaltschaft Ansbach noch heute. Der Unfallverursacher fuhr davon, ohne sich um sie zu kümmern oder den Rettungsdienst zu verständigen. Um 21.15 Uhr wurde die Frau von einem Autofahrer bemerkt. Er holte Hilfe.

Die Kriminalpolizei übernahm den Fall und leitete umfangreiche Fahndungsmaßnahmen ein. Im Mittelpunkt stand der Jimny, ein Autotyp, der wegen seiner Robustheit und des Allradantriebs unter anderem bei Jägern und Wanderern beliebt ist. Dabei erhielt die Polizei den Hinweis auf den Rentner. Am 11. August 2022 wurde er mit den Vorwürfen konfrontiert. Er sagte aus, er habe die Radfahrerin nicht gesehen. Den Aufprall an seinem Wagen habe er für einen Wildunfall gehalten.

Das steckt hinter dem Mordvorwurf

Das glaubt ihm die Staatsanwaltschaft nicht, wie aus der Mitteilung über die nun erfolgten Anklageerhebung hervorgeht. Laut ihrem Sprecher Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier ist die Behörde auf Grundlage von Sachverständigengutachten überzeugt davon, dass der Mann „den Unfall wahrgenommen und auch die Möglichkeit schwerster bis hin zu tödlichen Verletzungen in Betracht gezogen“ hat. Durch seine Flucht habe er sich „der Verantwortung für den von ihm verursachten Unfall“ entziehen wollen.

Mehr zum Thema Blaulicht
Großeinsatz in Dinkelsbühler Pflegezentrum: Frittieröl löst Brandmelder ausEinbruch in Schlauersbach: Ehepaar begegnet Dieben im eigenen HausKollision nahe Hesselberg: Autofahrerin übersieht Rennradfahrer gleich zweimalZweistündiger Feuerwehreinsatz bei Markt Nordheim: Strohhaufen stand in FlammenDrei Verletzte bei Gerangel: Ladendieb wird im Ansbacher Brücken-Center renitentRattengift in Oberscheinfeld in fremden Garten geworfen: Störten bellende Hunde?„Bankraub” in Herrieden: Unbekannte möblieren heimlich den Sportplatz um19-Jähriger stürzt in Ansbach von Pedelec, weil er einem Hasen ausweichen wollteMotorräder unter der Lupe: Polizei nimmt Biker an der B25 in den BlickFeuer in Waldstück im Ansbacher Westen: Polizei geht von Brandstiftung ausAuto überschlägt sich nach Crash: Unfall führt zu Totalsperrung der A6 bei AurachZwei Knochenbrüche nach Stürzen auf Radweg bei Leutershausen am gleichen TagDrei tote Rehkitze bei Windsbach: Polizei ermittelt gegen LandwirtBeziehungsstreit in Ansbach: Heckscheibe eingeschlagen, Fahrerin unter DrogenSchlägerei im Uffenheimer Freibad: Zwölfjähriger kurz bewusstlos

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat der Autofahrer damit drei Straftaten begangen: Zum einen den eigentlichen Unfall, den sie als fahrlässige Körperverletzung wertet. Nach den Ermittlungserkenntnissen war der Mann ohne zu bremsen und ohne einen Ausweichversuch bei Tageslicht von hinten auf die Frau aufgefahren.

Die zweite Straftat war das unerlaubte Entfernen vom Unfallort, die dritte Straftat der damit verbundene versuchte Mord zur Verdeckung der ersten Straftat. Der Führerschein des Rentners ist seit 11. August 2022 sichergestellt. Das Ansbacher Schwurgericht muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt und das Hauptverfahren gegen den 74-Jährigen eröffnet.


Von Andrea Walke, Daniela Ramsauer und Gudrun Bayer
north