Nach Streit um Biogas-Blockheizkraftwerk in Rügland: Neuer Standort gewählt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.02.2026 08:27

Nach Streit um Biogas-Blockheizkraftwerk in Rügland: Neuer Standort gewählt

Weiter weg vom Neubaugebiet befindet sich der neue Standort des Biogas-Blockheizkraftwerks. (Foto: Yvonne Neckermann)
Weiter weg vom Neubaugebiet befindet sich der neue Standort des Biogas-Blockheizkraftwerks. (Foto: Yvonne Neckermann)
Weiter weg vom Neubaugebiet befindet sich der neue Standort des Biogas-Blockheizkraftwerks. (Foto: Yvonne Neckermann)

Gute Nachrichten für die Gegner des geplanten Biogas-Blockheizkraftwerks (BHKW) am Neubaugebiet Seefeld: Die Vorhabenträger geben den Standort auf. Stattdessen soll für eine Fläche rund 400 Meter weiter westlich ein neues Genehmigungsverfahren gestartet werden.

Der alternative Platz ist weiter entfernt vom Baugebiet und den Immobilien der Beschwerdeführerinnen und -führer. Zum Nachteil werden könnte diese Kompromissbereitschaft allerdings den 45 Hauseigentümerinnen und -eigentümern, die ihre Anwesen mit Energie aus dieser Anlage beheizen wollen und sich die Umsetzung des Projekts Nahwärmenetz dringend wünschen. Denn ob der neue Standort genehmigungsfähig ist, ist nicht abschließend geklärt.

Stimmung unter den Anwohnenden aufgeheizt

Das ist das Ergebnis einer Bürger- und Informationsversammlung im Wirtshaus in Rügland, zu der die Gemeinde eingeladen hatte. Die Veranstaltung war mit rund 140 Personen gut besucht. Darunter waren viele Menschen aus dem Neubaugebiet, die Petitionen gegen das Vorhaben unterzeichnet hatten, aber auch Vertreterinnen und Vertreter der Genossenschaft, deren geplantes Wärmenetz mit Energie aus dem BHKW versorgt werden soll.

Obwohl sowohl die Gemeinde als auch die Projektverantwortlichen sehr um Konsens bemüht waren, war die Stimmung vor allem unter den Anwohnerinnen und Anwohnern des ursprünglichen Planungsgebiets teils aufgeheizt. Das Thema polarisiert. Die Linie verläuft zwischen den Menschen des Altorts, die auf die Nahwärme setzen, und den Anliegerinnen und Anliegern des Neubaugebiets, die ihre Immobilien mit anderen Heizsystemen betreiben.

Als Moderator führte Norbert Bleisteiner, Leiter des Triesdorfer Fachzentrums für Energie- und Landtechnik, durch die Veranstaltung und bemühte sich, diese ergebnisorientiert und sachlich zu gestalten.

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Standort am Neubaugebiet „nicht optimal”

Ausdrücklich räumte Bürgermeister Wolfgang Schicktanz ein: „Die Gemeinde und der Gemeinderat haben gemerkt, dass die Information der Öffentlichkeit über das Vorhaben nicht gut gelaufen und auch der Standort nicht optimal ist.“ Zwar sei es rechtlich durchaus möglich, das Vorhaben gegenüber der Ecke Poststeige – Eichenstraße zu realisieren. „Aber nicht, wenn so viele Menschen dagegen sind.“

Der ursprüngliche Platz ist komplett vom Tisch – dies sicherte auch Landwirt Stefan Hammerl zu. Ein Blockheizkraftwerk mit angeschlossenem Pufferspeicherturm errichten und betreiben will Hammerl allerdings weiterhin. Das Biogas soll per Erdleitung vom landwirtschaftlichen Betrieb in Stockheim kommen. Die gegründete Genossenschaft beabsichtigt, die Energie abzunehmen und damit ein Wärmenetz zu speisen. Auch die Gemeinde ist beteiligt und hat vor, mehrere kommunale Gebäude anzuschließen. Zweiter Bürgermeister Armin Pfister sitzt als Vertreter der Kommune im Aufsichtsrat.

Der Aufsichtsrat und der künftige Betreiber des geplanten Biogas-Blockheizkraftwerks suchen nach einer Lösung, mit der auch die Anwohnerinnen und Anwohner des Projektgebiets leben können (von links am derzeit vorgesehenen Standort: Zweiter Bürgermeister Armin Pfister, Florian Belda, Mischa Bauer, Landwirt Stefan Hammerl und seine Frau Andrea Hammerl sowie Frank Tischer).<br> (Foto: Yvonne Neckermann)
Der Aufsichtsrat und der künftige Betreiber des geplanten Biogas-Blockheizkraftwerks suchen nach einer Lösung, mit der auch die Anwohnerinnen und Anwohner des Projektgebiets leben können (von links am derzeit vorgesehenen Standort: Zweiter Bürgermeister Armin Pfister, Florian Belda, Mischa Bauer, Landwirt Stefan Hammerl und seine Frau Andrea Hammerl sowie Frank Tischer).<br> (Foto: Yvonne Neckermann)

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Zunächst war die rund 2000 Quadratmeter große Fläche in zentraler Lage vorgesehen. Der Pufferspeicherturm sollte bis zu 18 Meter hoch sein. Nach der öffentlichen Auslegung der Pläne regte sich jedoch Widerstand. Anwohnerinnen und Anwohner kritisierten insbesondere die Nähe zur Wohnbebauung. Befürchtet wurden unter anderem Lärm und Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes durch die Höhe des Turms. Diese wurde als Reaktion auf die Proteste auf 14 Meter reduziert, außerdem wurde ein Alternativstandort gesucht.

Positive Signale von den Behörden

Die Mehrheit der Anwesenden im Wirtshaus kann mit dem Acker weiter draußen eher leben – so jedenfalls das Stimmungsbild, das Bürgermeister Schicktanz und zweiter Bürgermeister Pfister schließlich mitnahmen. Klar wurde aber auch: Die Umplanung könnte das Vorhaben Nahwärmenetz komplett zum Scheitern bringen. „Nach ersten Gesprächen wurden bereits positive Signale von den Genehmigungsbehörden gesendet“, konnte Fachplaner Florian Fischer zwar berichten. Stattgefunden habe aber erst eine ganz unverbindliche Vorprüfung. Tiefergehende Untersuchungen müssten folgen.

„Sollte es auch an diesem Standort nichts werden, dann wird es kein Wärmenetz in Rügland geben“, so Stefan Hammerls Einschätzung. „In dem Fall kommt nämlich in den nächsten Jahrzehnten sicherlich niemand mehr, der bereit wäre, hier eins zu planen.“ Zu hoch sei das Risiko, hohe Investitionssummen zu verspielen.


Von Yvonne Neckermann [YVONNE NECKERMANN] (Yvonne.Neckermann@gmx.de)
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