Seit dem verheerenden Feuer in der Silvesternacht stehen einige Bewohnerinnen und Bewohner aus der Herbartstraße noch immer ohne feste Bleibe da. Marcus Morris ist einer von ihnen. Er lebt seither in einem Ansbacher Hotel. Doch nun bleiben die Zahlungen seiner Versicherung aus, eine langfristige Lösung ist noch nicht spruchreif.
Das neue Jahr startete in Ansbach mit einem großen Schreck. Während überall Feuerwerkskörper den Himmel erhellten, brannte ein Haus in der Herbartstraße lichterloh. Die Flammen machten 22 Wohnungen unbewohnbar – fast 40 Menschen waren von jetzt auf gleich obdachlos.
Die Betroffenen kamen spontan bei Verwandten, Freunden und in Hotels unter. Mittlerweile haben manche neue Wohnungen bezogen, während andere noch auf der Suche sind. Die Joseph-Stiftung, der das Mehrfamilienhaus gehört, half bei der Vermittlung und unterstützte die Menschen finanziell mit mindestens 1000 Euro pro Haushalt. Auch die Stadt Ansbach engagierte sich.
Wer über eine Hausratversicherung verfügt, konnte darauf vertrauen, dass die Kosten für die neue Unterbringung teilweise übernommen werden. Maximal 100 Tage sind es bei dem 48-jährigen Marcus Morris gewesen – das ist im Vertrag mit seiner Versicherung geregelt. Doch die Wohnungssuche gestaltete sich schwerer als gedacht, wie er in einem Gespräch mit der Fränkischen Landeszeitung erzählte.
Dass er alles aktuell nur mit seinem Smartphone erledigen kann, ist nicht immer leicht. Denn Morris ist blind. An seinem PC, der nach dem Brand eingelagert wurde, hätte er weitere Hilfsmittel zur Verfügung. Diesen kann er derzeit aber nicht nutzen.
Seit April zahlt Morris' Versicherung die Unterbringung im Hotel nicht mehr, weshalb er die zuständigen Stellen erneut um Hilfe bat. „Ich hatte mir mehr Unterstützung erhofft”, sagte der 48-Jährige im Gespräch. Diese bekam er von der Geschäftsführerin des Ansbacher Hotels, in dem er derzeit lebt – sie meldete sich bei der FLZ.
Die aktuelle Sachlage sieht so aus: Morris kann weiterhin in einem Apartment des Ansbacher Hotels wohnen bleiben. Die Kosten hierfür trägt bis Mitte Mai seiner Aussage nach die Versicherung der Joseph-Stiftung. Wie es danach weitergeht, weiß er allerdings nicht. Der 48-Jährige steht nach wie vor im engen Austausch mit der Stadt Ansbach. In eine Obdachlosenunterkunft zu müssen, möchte er vermeiden.
Was Morris sucht sind ein bis zwei Zimmer mit etwa 40 Quadratmetern Fläche. Eins ist ihm wichtig: zentrumsnah. Wegen seiner Seheinschränkung ist er darauf angewiesen, Geschäfte und Behörden zu Fuß erreichen zu können. Laut der Joseph-Stiftung sei die Wohnungssuche für ihn „besonders herausfordernd, da die betroffene Person auf eine behindertengerechte Wohnung angewiesen ist.” Das weist Morris zurück. Seiner Aussage nach müsse die Wohnung nicht speziell behindertengerecht sein.
„Die Mitarbeitenden der Joseph‑Stiftung arbeiten weiterhin intensiv an einer Lösung”, teilte die Stiftung auf FLZ- Anfrage mit. „Derzeit zeichnet sich ab, dass mittelfristig eine geeignete Wohnung im Bestand der Joseph-Stiftung frei werden könnte.” Ganz sicher ist das aber noch nicht, weshalb Morris weiterhin auch selbst sucht.
In der Silvesternacht war der 48-Jährige zu Hause, als der Brand gegen 0.20 Uhr ausgebrochen ist. Weil die Feuerwerkskörper so laut waren, waren Morris und seine Tante – deren Wohnung ausgebrannt ist – noch wach und bemerkten das Feuer. „Das war ein Schock.” Als klar war, dass es brennt, schnappten sie sich den Hund der Tante und verließen das Haus.
„Das war dann erst einmal Chaos”, erinnert sich Morris. Die Nachbarn klingelten sich gegenseitig aus dem Bett. Keiner wusste, wer zu Hause war und wer auf einer Silvesterparty auswärts. Es war also lange unklar, ob sich noch Personen in Gefahr befanden. Zum Glück gab es nur wenige leichte Verletzungen. Marcus Morris: „So will man nicht das neue Jahr beginnen. Das war natürlich schon schlimm.” In der Weinbergturnhalle gegenüber war eine Notversorgung eingerichtet. Von dort aus konnten Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses nur zusehen, wie die Flammen immer größer wurden, berichtete er.
Die Wohnung des 48-Jährigen im Erdgeschoss ist vom Löschwasser beschädigt – die Flammen aus dem Stockwerk darüber verschonten sie. Sowohl die Decke der Wohnung als auch der Boden müssen erneuert werden, sagte Morris. Aktuell werden die Wohnungen ausgeräumt, Handwerker gehen ein und aus.
In Morris' Wohnung steht nichts mehr, was an die Zeit vor dem Brand erinnert. Das Mobiliar ist weg. Der Boden im Ess- und Wohnbereich ist bereits teilweise aufgerissen, die Leitungen der Fußbodenheizung sind zu sehen. Auch die Duschwand wurde entfernt. Es riecht mehr als drei Monate später noch immer nach Rauch.
Im südlichen Teil des Mehrfamilienhauses konnten vor Kurzem die ersten Mieterinnen und Mieter wieder einziehen. Ihre Apartments blieben überwiegend verschont, erzählt eine Nachbarin von ihrem Balkon aus. Sie will weiter in dem Holzbau wohnen und ist optimistisch angesichts der anstehenden Baumaßnahmen. Marcus Morris bleibt hingegen skeptisch. Denn wie lange die Sanierungsarbeiten andauern und wie groß der Schaden im nördlichen Teil des Gebäudes tatsächlich ist, ist noch immer unklar.