Schlachthof zu - Legehennenproblem gelöst? Mitnichten - dass die Branche weiterhin vor unlösbaren und lösbaren Problemen steht, wurde bei einer Podiumsdiskussion anlässlich der Schließung eines Geflügelschlachthofs in Wassertrüdingen klar. Die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatte zur Veranstaltung eingeladen.
„Den Atem angehalten hat die Geflügelbranche”, als der Schlachthof in Wassertrüdingen im Mai geschlossen wurde, sagte Robert Schmack vom Landesverband der bayerischen Geflügelwirtschaft. Auf Einladung der Grünen waren außerdem Dr. Christoph Maisack von der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutz, Dr. Rebecca Holmes von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, Isabelle Ruhnke, Professorin für Geflügel an der Freien Universität Berlin und Vorsitzende des Ausschusses für Geflügel der Bundestierärztekammer, nach Wassertrüdingen gekommen, um über die Frage „Wie geht es weiter?” zu diskutieren.
500 Stunden Videomaterial hatten Mitglieder der Tierschutzorganisation Aninova aufgenommen, nach letztem Stand wurden 700 Übergriffe an den Hennen dokumentiert, davon laut Aninova „über 500 eindeutige Straftaten”. Die Mitarbeiter, die der Tierquälerei beschuldigt werden, wurden entlassen. Es waren wenige, die den Betrieb einer ganzen Familie zerstört haben, dieser Meinung ist Robert Schmack. Seinen Wirtschaftszweig getroffen habe die Schließung, da nun die über zehn Millionen Tiere im Jahr, die in Wassertrüdingen geschlachtet wurden, anderweitig verwertet werden müssen.
Doch „unsere Freunde aus Polen haben uns gerettet”, sagt Schmack. Weil wegen der Geflügelpest dort viele Tiere gestorben seien, hätten sie „Schlachtkapazitäten freigemacht”. Dadurch würden die Tiere nun deutlich weiter transportiert, für die Landwirte bedeute dies höhere Transportkosten.
Fatal bei einem Tier, das Teil eines „Pfenniggeschäftes” ist, wie es Dr. Rebecca Holmes von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz bezeichnet. 18 Cent pro 2-Kilogramm-Huhn nehmen die Legehennenbesitzer nach ihren Angaben ein. „Es gibt keinen wirtschaftlichen Anreiz, für das Wohl der Tiere zu sorgen”, meint sie.
Wenn Legehennen am Ende ihrer Nutz- und damit auch Lebenszeit zum Schlachthof transportiert werden, gelten der Europäischen Tierschutztransportverordnung zufolge klare Regeln. Verletzte Tiere oder solche mit physiologischen Schäden dürften eigentlich nicht transportiert werden. Ehe sie in den LKW zum Schlachthof geladen werden, müssen sie dahingehend überprüft werden. Bei den Massenabholungen von Geflügel jedoch werde nicht das einzelne Tier, sondern die ganze Herde betrachtet. Durch diese Vorgehensweise würde viele Tiere - trotz Schwächen - transportiert.
Auch das bei der Ausstallung verbreitete Fangen von den Tieren an den Füßen und das anschließende Tragen mit hängendem Kopf erhöhe das Stresslevel, meint Isabelle Ruhnke, Professorin für Geflügel an der Freien Universität Berlin.
Der anschließende Transport bedeutet für die Hennen Stress: „sie sind durch ihre hohe Legeleistung stark ausgezehrt und geschwächt”. Damit das Fleisch bei der Schlachtung nicht verkotet wird, wird den Tieren bereits vor dem Transport das Futter entzogen, eine Stunde vorher auch das Wasser. 4000 bis 6000 Tiere landen dann im Wagen, bei Hitze bekämen die Tiere, die in der Mitte sind, kaum Luft. Nach Wassertrüdingen waren sie im Schnitt vier Stunden unterwegs - nach Polen sind es acht bis zwölf - „wenn sie im Stau stehen eben länger”, wie Holmes sagt.
„Dürfen Sie hier Sachen behaupten, die nicht stimmen?”, fragt Josef Wohlfrom, der stellvertretende Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbands Baden-Württemberg, aus dem Publikum. Er versichert, dass die Geflügelhalter ihr Möglichstes zum Wohl der Tiere tun, die legale Überwachung der Mitarbeiter mit Kamera wäre eine Lösung. Doch wegen des Datenschutzes ist sie aktuell in Deutschland nicht gestattet.
„Hätte es eine Videoüberwachung gegeben, hätte es die Verstöße in Wassertrüdingen nicht gegeben”, ist auch Dr. Christoph Maisack von der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutz überzeugt. Ein Gesetzesentwurf, nachdem die Videoüberwachung gestattet ist, liege bereits vor. Doch das von der CSU geführte Bundeslandwirtschaftsministerium werde ihm nicht zustimmen, befürchtet Maisack.
Mit Zustimmung der Angestellten wäre der Einsatz von Kameras ohne Probleme möglich, sagt Paul Knoblach, Sprecher für Tierschutz der Grünen, der die Podiumsdiskussion mitinitiiert hat. Der Landwirt selbst kennt Schlachthöfe, die so handeln. Als Mitglied der Grünen steht er für eine Landwirtschaft „unter guten Bedingungen für alle Mitgeschöpfe”. Die Landwirte hätten die Pflicht, ihren Job gutzumachen. „Mit jedem Skandal wenden sich mehr Menschen angeekelt ab”, sagt er.