Eng aneinander gekuschelt ruhen die vier Höckerschwan-Küken auf Stroh in einer Ecke. Vor rund einer Woche sind sie zu Vollwaisen geworden. Dass es ihnen jetzt gut geht und sie in Sicherheit sind, ist engagierten Menschen zu verdanken. Drei Tage lang haben sie sich für die Rettung der Tiere eingesetzt.
Es begann mit einem Hilferuf in den sozialen Medien. Ob jemand jemanden kenne, der sich verwaisten Schwanen-Küken annehmen könnte? Sie würden im Feuchtbiotop an der Staatsstraße 2253, zwischen Bad Windsheim und Berolzheim in der Nähe des Kühwasengrabens, herumirren. Die Elterntiere seien mutmaßlich von einem Zug überfahren worden, hieß es.
Obwohl sich der Greifvogelschutz „Palmenhorst“ Krautostheim eigentlich nicht um Wasservögel kümmert, haben Maria Auer, ihr Mann und ihr Sohn Danilo Batz trotzdem nicht gezögert, als der Hilferuf sie erreichte. Gemeinsam sind sie zum Biotop gefahren, um die Schwanen-Kinder zu suchen und sie zu sichern. Doch das Vorhaben wurde zur Herausforderung. Während Auer am Ufer auf die Suche ging, war ihr Mann ins Wasser gewatet. „Die Wassertiefe war nicht das Problem, aber der Morast“, sagt Auer. Ihr Mann sei immer tiefer im Schlamm versunken und habe nur mit Mühe von ihr und ihrem Sohn wieder herausgezogen werden können. So sei schnell klar gewesen: „Wir brauchen ein Boot.“
Also telefonierte Auer, kontaktierte Feuerwehr und Polizei. Wieder war es ein Aufruf in den sozialen Medien, der schließlich dazu führte, dass sich ein Mann aus Ickelheim meldete. Er kam mit seinem Schlauchboot und unterstützte bei der Suche. Über Umwege schalteten sich dann auch die Wasserwachten aus Bad Windsheim und Münchsteinach ein. Insgesamt acht ihrer Ehrenamtlichen und ein Boot waren im Einsatz, um die Schwäne zu suchen. „Sie sind in Neopren-Anzügen und an Seilen gesichert durch den Morast gewatet“, sagt Auer. Ihr Sohn Danilo Batz sei vorweg gegangen, durch Dornen und das drei Meter hohe Schilf. Hin und wieder hätten sie die Schwäne in der Ferne gesehen. Doch die Kleinen waren auf dem Wasser wendiger und schneller als ihre vermeintlichen Retter. So sei man nie nah genug herangekommen, um sie zu sichern. Die Suche musste erfolglos abgebrochen werden. Daraufhin hatte Auer noch einmal über die sozialen Medien aufgerufen, ihr Sichtungen des Nachwuchses zu melden.
Am Sonntag hieß es dann plötzlich, die Tiere seien offenbar durch die Unterführung der Staatsstraße gewandert und wären nun im Bachlauf auf der anderen Straßenseite anzutreffen. Unterstützt von Mitgliedern der Wildtierhilfe Mittelfranken sind Auer und ihr Sohn umgehend dorthin hingefahren. „Wir haben die Unterführung mit einem Netz versperrt und die Schwäne in diese Richtung getrieben, so dass wir sie sichern konnten“, erzählt Danilo Batz. Seine Erleichterung in dem Moment sei riesig gewesen.
In der Auffangstation Greifvogelschutz Palmenhorst in Krautostheim haben die Tiere nun vorübergehend eine neue Heimat gefunden. Auer hat ihnen ein provisorisches Gehege gestaltet: mit einer Bademuschel voller Wasser, Palmen und Stroh. Auf ihrem Speiseplan stehen faserige Wasserpflanzen, Feldsalat, Maden und Teichsticks, eigentlich Fischfutter. „Sie sind total fit“, sagt Auer. Die Kotuntersuchung und der Kropfabstrich seien unauffällig gewesen. Vitamine und Kalzium gab es trotzdem.
Auer schätzt, dass die Tiere gerade mal vier Wochen alt sind. Mit fünf Monaten werden sie langsam anfangen zu fliegen. Das wird dann auch der Zeitpunkt sein, an dem sie wieder an die Freiheit gewöhnt werden sollen. Dafür hat Auer bereits ein Grundstück gefunden, das an einen Bach angrenzt. Nach Bad Windsheim werden sie auf keinen Fall zurückkehren. Weil die Umstände, unter denen die Elterntiere gestorben sind, rätselhaft und mysteriös bleiben.
Denn angeblich sollen die Schwäne von einem Zug überfahren worden sein. Auer und ihr Sohn halten diese Theorie für unwahrscheinlich, genauso wie Vertreter des Komitees gegen den Vogelmord (CABS) und Fachleute der Wildtierhilfe Mittelfranken. Es sind unter anderem Bilder von der Auffindesituation der toten Schwäne, die die Fachleute daran zweifeln lassen, dass ein Zug für ihren Tod verantwortlich sein soll.
So hat jedes Tier, das bei Auer und Batz strandet, seine eigene schicksalhafte Geschichte: die Turmfalken, der Rotmilan, die Waldkäuze, die Wanderfalken, die Waldohreulen, der Sperber und die Mäusebussarde. Die Not sei groß, sagt Auer. Im vergangenen Monat haben ihr Sohn und sie rund 70 Tiere aufgenommen und versorgt. Mittlerweile sind sie rund um die Uhr damit beschäftigt, die Vögel zu versorgen und ihre Leben zu bewahren. Zumal aktuell viele Jungtiere in der Auffangstation abgegeben werden. Ein Sperber war jüngst auch dabei. Auer konnte seine innere Blutung stillen. Dank ihr wird auch er weiter leben.
Wer die Arbeit des Greifvogelschutzes „Palmenhorst“ unterstützen möchte, kann Kontakt aufnehmen. Alle Infos gibt es online unter www.greifvogelschutz-palmenhorst.com, per Mail an die Adresse info@greifvogelschutz-palmenhorst.de oder unter Telefonnummer 0151/141818343.