Das Amtsgericht Ansbach hat eine Anklage der Staatsanwaltschaft gegen vier Jugendliche zugelassen. Sie werden beschuldigt, die Flagge des Staates Israel am Ansbacher Rathaus in der Silvesternacht mit Feuerwerkskörpern beschossen zu haben. Bei der Tat waren sie zwischen 15 und 16 Jahre alt.
Verhandelt wird am 15. Dezember vor dem Jugendschöffengericht, wie ein Sprecher des Amtsgerichts auf eine Anfrage der FLZ mitteilte. Die Ansbacher Staatsanwaltschaft hatte im September Anklage zum Jugendschöffengericht erhoben. Es entscheidet mit einer hauptamtlichen Richterin und zwei Schöffen und kann Strafen für den gesamten Bereich des Jugendrechts bis zu zehn Jahren Haft verhängen.
Im Dezember geht es um die Verletzung von Flaggen und Hoheitszeichen ausländischer Staaten. Der Strafrahmen reicht dafür von Geldstrafen bis zu zwei Jahren Haft. Zwei der Angeklagten gehören zu einer Gruppe von sieben Jugendlichen, die erst im Juli vom Jugendschöffengericht wegen Raubüberfällen auf Filialen von H&M und dm in Ansbach verurteilt worden waren. Sechs haben Berufung eingelegt, fünf sitzen weiter in Untersuchungshaft. Diese Berufungsverhandlung am Landgericht Ansbach ist noch nicht terminiert.
In der Nacht zum Silvester hatten Passanten die Polizei alarmiert, weil mehrere Personen mit Pyro-Technik mehrfach die Fassade des Rathauses beschossen. Die Polizei war kurz nach Mitternacht schnell genug vor Ort, um zwei Verdächtige festzunehmen. Über diese 15 und 17 Jahre alten Jugendlichen kamen die Ermittler rasch zu fünf weiteren Tatverdächtigen zwischen 15 und 17 Jahren. Sie stammen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und der Türkei. Ihre Staatsangehörigkeit ist in diesem Fall wichtig, weil ihr Motiv politischer Natur war.
Neben den Aussagen von Zeugen und der Auswertung der sichergestellten Handys lieferte ein Video wichtige Hinweise für die Polizei. Ein Mann, der vom Turm der Johanniskirche das Feuerwerk fotografieren wollte, hatte geistesgegenwärtig mit seinem Handy das Geschehen gefilmt.
Die Beiträge der sieben Verdächtigen waren unterschiedlich. Während einige mit Feuerwerkskörpern wiederholt auf die Flagge schossen, hielten sich andere eher im Hintergrund. Ein Jugendlicher versuchte vergeblich, an der Fassade hochzuklettern, um die bereits beschädigte Flagge zu Boden zu reißen. Sie wurde nach der Tat umgehend ersetzt.
Die Ansbacher Staatsanwaltschaft entschloss sich nach der Auswertung aller Beweismittel, nur vier Jugendliche anzuklagen. Bei den übrigen drei Jugendlichen, gegen die ermittelt wurde, sei nicht eindeutig nachzuweisen, welchen Beitrag zu der Tat sie geleistet haben, erklärte Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier auf FLZ-Anfrage. Von den vier Angeklagten haben zwei die syrische, einer die irakische und einer die deutsche Staatsangehörigkeit.
Nach den Angaben des Oberstaatsanwalts saßen zwei der vier Angeklagten bereits im Juli vor dem Jugendschöffengericht. Sie wurden wegen Raubüberfällen und Einbrüchen verurteilt. Ihr Ziel war am 4. Januar 2024 auch eine Filiale der Bekleidungskette H&M, die hinter neben dem Rathaus liegt. Am 4. Dezember hatten zwei Jugendliche eine dm-Filiale in der Ansbacher Welserstraße überfallen.
Einer der jetzt wegen des Flaggen-Angriffs angeklagten Jugendlichen war bei beiden Raubüberfällen dabei, einer in der H&M-Filiale. Diese beiden haben ihre Beteiligung bei der Tat am Rathaus in der Silvesternacht nach den Angaben von Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier gestanden.
Die zwei anderen Angeklagten haben dazu noch keine Angaben gemacht. Sie waren nicht bei den Raubüberfällen beteiligt, ihnen wird jedoch eine andere Tat vorgeworfen. Sie sollen am 16. Mai 2025 im Ansbacher Zumach-Gärtla neben dem Rezatparkplatz zusammen mit zwei anderen Jugendlichen einen fünften Jugendlichen verprügelt haben. Auslöser sollen Beleidigungen gewesen sein. Dieser Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung wird am 15. Dezember mit verhandelt.
Die Fassade des Rathauses am Martin-Luther-Platz wird abwechselnd von vier Flaggen geschmückt. Über die aktuelle Auswahl entscheidet der Oberbürgermeister.