Massive Anfeindungen, hochgradig ehrenrührige Beleidigungen und einen Vertrauensbruch nennt Johann Heller als Gründe dafür, dass er unlängst von seinem Ehrenamt als dritter Bürgermeister der Stadt Herrieden zurückgetreten ist. Konkret geht es um Vorfälle in seinem Wohnort Sickersdorf, zu denen sich der Kommunalpolitiker jetzt öffentlich geäußert hat.
Die Entscheidung ihres bisherigen zweiten Stellvertreters hat Bürgermeisterin Dorina Jechnerer bereits im Stadtrat bekannt gegeben, ohne nähere Hintergründe zu nennen. Derweil bat Johann Heller damals auf Anfrage um Bedenkzeit, zumal er die Vorfälle zunächst verarbeiten wolle, bevor er seinen Schritt der Bevölkerung erklären werde.
Und das tat der erkennbar menschlich zutiefst verletzte Heller nun im Gespräch mit der FLZ. Im Mittelpunkt des Streits steht demnach der Spielplatz in Herriedens Ortsteil Sickersdorf, in dem 57 Einwohnerinnen und Einwohner mit zwölf Kindern leben. Das nach wie vor in seinem Eigentum befindliche Areal habe er der Kommune vor 22 Jahren für den Spielplatz kostenlos zur Verfügung gestellt. Aufgrund von Haftungsfragen sei dann später mit der Kommune ein Vertrag geschlossen worden, auf dessen Basis er von der Stadt eine Pacht in Höhe von fünf Euro pro Jahr erhalte.
Im zurückliegenden Jahr habe er dann entschieden, ein barrierefreies Wohnhaus für sich als Alterssitz zu bauen, erzählte der Sickersdorfer. Und für den Bauplatz benötige er einen Teil des Spielplatzes. Deshalb habe er wegen des Eigenbedarfs die Stadtspitze informiert und mit dieser vereinbart, das Areal so anzupassen, dass zum einen das für sein künftiges Haus benötigte Grundstück ausreiche und zum anderen die Größe des Spielplatzes – so wie bisher mit 1075 Quadratmetern – auch künftig auf seinem Land erhalten bleibe. Nur der Grundriss der Anlage habe sich etwas verändert. Der einzige Nachteil für die Nutzer sei, dass diese künftig etwa 100 Meter weiter zum Spielplatz laufen müssen.
Inzwischen sind die Spielgeräte entsprechend neu arrangiert, ein Parkplatz für die Autos der Eltern ist angelegt. Komplett umzäunt ist das Areal im Außenbereich allerdings noch nicht, zumal dafür laut Heller die Kommune als Betreiberin des Spielplatzes zuständig ist. Zudem habe das Landratsamt mittlerweile einen Baustopp angeordnet und diesen damit begründet, dass es sich bei einer kleinen Hütte, die auf dem Spielplatz ebenfalls versetzt werden solle, um einen Schwarzbau handle.
Eigentlich hätte er sich mit seinem Bauantrag gleich direkt an die Kreisbehörde wenden können, erzählt der langjährige Stadtrat weiter. Weil es ihm aber ein Anliegen gewesen sei, auch die Stadtspitze davon in Kenntnis zu setzen, habe er seine Anfrage noch im Vorjahr zunächst bei der Kommune eingereicht. Davon informiert gewesen seien Bürgermeisterin Dorina Jechnerer, Rathausgeschäftsleiterin Anja Schwander, Stadtbaumeister Marco Jechnerer und Ordnungsamtsleiter Florian Weinmann, sagte Heller, wobei FLZ-Informationen zufolge auch Bauhofleiter Thomas Schneeberger Kenntnis davon gehabt haben soll.
Jedenfalls sei sein vertraulich zu behandelndes Vorhaben im Ort bekannt geworden. Dabei habe eine Sickersdorferin, die bei der Stadtverwaltung arbeite, in einer örtlichen WhatsApp-Gruppe wegen des Spielplatzes massiv Stimmung gegen ihn gemacht, berichtete der Grundeigentümer: „Sie hat alles aufgebauscht und die Bürger falsch informiert.“
Seitdem gebe es keine Ruhe mehr in Sickersdorf, wo deshalb sogar Plakate an der Straße aufgehängt gewesen seien. „Es ist kein Ende in Sicht, es wird immer schlimmer und nur noch geschimpft, die Leute werden immer frecher.“ Dabei beklagte Heller, dass insbesondere der Vater der Frau „unwahre Behauptungen aufgestellt“ und ihn mit übelsten Schimpfwörtern tituliert habe, die der so Gescholtene nicht wörtlich in der Öffentlichkeit zitiert sehen will.
Nicht zuletzt begründet der Kommunalpolitiker seinen Rücktritt als dritter Bürgermeister damit, dass die Kritik von Sickersdorfern an seiner Person mit diesem Ehrenamt in Verbindung gebracht worden sei. So werde ihm unberechtigterweise vorgeworfen, das Mandat für eigene Vorteile nutzen zu wollen. Davon abgesehen habe er aufgrund der strafbaren Verletzung des Amtsgeheimnisses das Vertrauen in die Stadtverwaltung verloren.
Indes habe Bürgermeisterin Jechnerer die Verwaltungsmitarbeiterin bereits wiederholt aufgefordert, sich bei ihm zu entschuldigen und Falschbehauptungen öffentlich zu widerrufen. Damit wäre auch für ihn persönlich die Sache vom Tisch, betonte Johann Heller. Allerdings habe er bis dato noch nichts dergleichen gehört.
Mit Blick auf die Konsequenzen wegen der Verletzung des Amtsgeheimnisses sei wiederum Rathauschefin Dorina Jechnerer als Dienstvorgesetzte zuständig, sagte der Kommunalpolitiker. Allerdings erhielt die FLZ von Herriedens Stadtoberhaupt urlaubsbedingt noch keine Stellungnahme dazu.
Auf seine politische Zukunft nach dem Rücktritt als dritter Bürgermeister angesprochen, stellte Heller, der seit 1997 Sitz und Stimme im Stadtrat – davon viele Jahre für die Freien Wähler und inzwischen für das Bürgerforum Herrieden – hat, in Aussicht, er wolle bis zum Ende der laufenden Wahlperiode in dem Gremium weiter mitarbeiten. Ob er aber bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr erneut kandidieren werde, ließ er noch offen.