Nach Hafermilch-Eklat: Tierhalter treffen sich zum Klima-Gipfel | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.07.2023 10:00

Nach Hafermilch-Eklat: Tierhalter treffen sich zum Klima-Gipfel

Stehen zur Milchkuh (von links): Peter Meyer, Rüdiger Kilian, Werner Ströbel, Hermann Zeller, Tanja Zeller, Jürgen Dierauff, Simon Mondel, Mathias Flory und Miriam Weghorn. (Foto: Andreas Reum)
Stehen zur Milchkuh (von links): Peter Meyer, Rüdiger Kilian, Werner Ströbel, Hermann Zeller, Tanja Zeller, Jürgen Dierauff, Simon Mondel, Mathias Flory und Miriam Weghorn. (Foto: Andreas Reum)
Stehen zur Milchkuh (von links): Peter Meyer, Rüdiger Kilian, Werner Ströbel, Hermann Zeller, Tanja Zeller, Jürgen Dierauff, Simon Mondel, Mathias Flory und Miriam Weghorn. (Foto: Andreas Reum)

Landwirtschaft sollte man ganzheitlich denken: Sie erzeugt sowohl pflanzliche als auch tierische Lebensmittel. Beides bedingt sich wechselseitig. Da waren sich alle einig beim Pressetermin, den der Bauernverbands-Kreisobmann Jürgen Dierauff am Freitag auf dem Zeller-Hof bei Ipsheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) anberaumt hatte.

„Ohne Lebensmittel leben wir nicht“, formulierte der Demeter-Landwirt Simon Mondel eine Binsenweisheit. Auf Lebensmittel zu verzichten geht schlicht nicht. Das unterscheidet für Mondel diesen Wirtschaftssektor von anderen Dingen wie Handy, Kleidung oder Urlaubsreisen, über deren Klimaschädlichkeit man wohl mindestens genauso gut debattieren könnte.

Großer Streit um Klimabilanz der Hafermilch

Aber sei’s drum, die politische Klimadebatte hatte im Landkreis vor kurzem die Milch hochgespült. Wie klimaschädlich oder klimaschonend ist sie? Da lohnt doch ein etwas genauerer Blick, fanden Dierauff und die versammelten Frauen und Männer vom Fach.

Die Riege der Anwesenden deckte dabei ein breites politisches Spektrum ab – von Werner Ströbel (CSU) über Mathias Flory (WiR) und Hermann Zeller (ÖDP) bis zum bündnisgrünen Mondel, allesamt auch Kreisräte, wie CSU-Politiker Dierauff selbst. Auch geografisch war der Landkreis ziemlich umfassend vertreten von Rüdiger Kilian aus dem Gollachgau, Vorsitzender des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung (VlF), über die Gastgeberin und VlF-Frauenvorsitzende Tanja Zeller bis zu Peter Meyer aus Emskirchen, Vorsitzender des Milcherzeugerverbands BDM, und der stellvertretenden Kreisbäuerin Miriam Weghorn aus Hagenbüchach.

Das geballte Aufgebot signalisierte: In dieser Frage gibt es einen breiten Konsens zumindest unter den Nutztier-Bauern. Landwirtschaft ist – bei aller Spezialisierung – eine Hand-in-Hand-Wirtschaft. Die tierische und die pflanzliche Produktion lassen sich nicht sinnvoll voneinander trennen.

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Tierhaltung bringe der Landschaft auch Nutzen

Dierauff argumentierte: Beim Pflanzenbau bleiben immer auch Reste, die nicht als Lebensmittel, wohl aber als Tierfutter verwertet werden können. Die Tiere wiederum liefern nicht nur Nahrung in Form von Milch, Eiern oder Fleisch, sondern etwa auch Dung und verhindern eine Verbuschung der Landschaft.

Die Rechnung lautet in etwa: Bei der Herstellung von einem Kilogramm pflanzlicher Nahrung fallen vier Kilogramm Material ab, das als Tierfutter verwertet werden kann. Mit diesen vier Kilogramm lassen sich dann in der Nutztierhaltung etwa ein Kilogramm tierischer Nahrung für den Menschen erzeugen. Bei diesen Zahlen berief sich Dierauff auf Wilhelm Windisch, einen Professor für Tierernährung an der Technischen Universität München.

Zudem geben manche Böden, vor allem im östlichen Landkreis, kaum anderes her als Grünland, das aber immerhin von Wiederkäuern beweidet werden kann, erklärte der BBV-Obmann. Die Aischtalwiesen, so fügte Hermann Zeller an, sind zu nass. Dieses Land zu Äckern zu umbrechen, sei also wegen der Bodenqualität fragwürdig – ganz abgesehen davon, dass dies ohnehin verboten sei. Beim Umbruch würde ebenfalls CO2 freigesetzt, und zwar in etwa die Hälfte des im Boden gebundenen Treibhausgases, und das seien erhebliche Mengen.

Kurze Wege sind positiv für die CO2-Bilanz

Was dabei allenthalben betont wurde: Es ist auch aus Klimaschutz-Gründen sinnvoll, die Wege kurz zu halten. Das gilt in mehrfacher Hinsicht. Die Ökobilanz wird miserabel, wenn das Viehfutter importiert wird. Und das gilt auf Seiten der Verbraucher. Es bedürfe mehr Regionalität in den Supermarkt-Regalen, fand etwa Werner Ströbel. Dies sei jedoch vor allem eine Frage des Kundenverhaltens. Dass dabei offenkundig auch ganz andere Faktoren eine Rolle spielen, merkte Tanja Zeller an. Während der Corona-Beschränkungen hätten die Hofläden einen Boom erlebt, mit dem Ukraine-Krieg sei jedoch ein gegenteiliger Effekt eingetreten.

Regionalität hat allerdings seine Grenzen. Der hiesige, nach wie vor stark landwirtschaftlich geprägte Raum könnte sich in Vielem selbst versorgen. Bei den Schweinen etwa – Dierauffs Metier – wird im Landkreis fünfmal so viel produziert wie verbraucht wird. Man könne also eine Großstadt wie Nürnberg mitversorgen, hingegen: „Die Nürnberger haben Rostbratwürste, aber in der Stadt kein einziges Schwein“, mutmaßte der BBV-Obmann. Einen gewissen Austausch und damit auch einige Wegstrecke brauche man also.

Dierauff prognostizierte, dass die Nahrungsmittelhersteller über kurz oder lang den CO2-Fußabdruck auf ihren Produkten ausweisen und auch entsprechende Nachweise von ihren Lieferanten, also den Bauern, einfordern werden. Auch das könne zur Verbraucherorientierung dienen. Tanja Zeller war da etwas skeptisch. Es gebe schon jetzt Labels, die bei weitem nicht jeder verstehe.

Ströbel wies noch auf ein grundsätzliches Dilemma hin: Die Landwirtschaft soll eine weltweit wachsende Bevölkerung ernähren; zugleich verbietet sich ein weiteres Befeuern des Klimawandels. Zwischen diesen Polen müssen die Landwirte, müssen die Menschen einen Weg finden. Ein gegenseitiges Ausspielen von Kuhwirten gegen Haferwirte, da stimmte Dierauff unumwunden zu, bringt die Debatte nicht voran.

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