Ende Januar wurden die Bezirkskliniken Mittelfranken, darunter auch die Ansbacher Einrichtung, Opfer eines Hackerangriffs. Laut einer Pressemitteilung informierte jetzt die Unternehmensleitung der Bezirkskliniken Mittelfranken den Verwaltungsrat über den aktuellen Sachstand und den Status des Neuaufbaus ihrer digitalen Infrastruktur.
Die Bezirkskliniken Mittelfranken hätten sich entschieden, die gesamte IT-Infrastruktur neu aufzusetzen. Dafür müssten alle Serversysteme und Endgeräte neu konfiguriert werden. Die Maßnahmen hierfür hätten bereits am 31. Januar, also zwei Tage nach dem Hackerangriff, begonnen.
Dieses Vorgehen gewährleiste mehr Stabilität und Sicherheit, dauere aber auch länger. Die Bezirkskliniken rechnen mit einem Zeitrahmen von bis zu einem halben Jahr bis zur technischen Wiederherstellung der Systeme. Die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeitenden sei jedoch früher gewährleistet. Der Neuaufbau der IT-Systeme erfolge in mehreren Schritten. So erhalten die Mitarbeitenden nach und nach wieder Zugang zu den wichtigsten Anwendungen sowie zu den in Back-ups gesicherten Daten.
Der Krisenstab hätte mit IT-Experten in den vergangenen Wochen eine detaillierte Roadmap für diesen Neustart erarbeitet. Dabei würden zunächst die Anwendungen identifiziert, die für den reibungslosen Klinikbetrieb unverzichtbar seien. An der Spitze der Prioritätenliste stünden wichtige Kernprozesse, darunter die Patientendokumentation, die Kommunikation mit Krankenkassen, die Arbeitszeiterfassung und Gehaltsabrechnung sowie die Kommunikation.
„Wir haben uns bewusst für diesen Neuanfang entschieden und folgen dabei dem Grundsatz, dass Sicherheit wichtiger ist als Schnelligkeit. So vermeiden wir die Gefahr, potenziell infizierte Daten in die neuen Systeme zu übernehmen. Außerdem nutzen wir diesen Neustart, um bereits geplante Updates und Upgrades der Systeme vorzuziehen“, wird der Vorstand Dr. Matthias Keilen in der Pressemitteilung zitiert.
Dabei sei klar, dass in den kommenden Monaten Dokumente wie die Patientenakten oder Therapiepläne zum Teil noch analog geführt und in einem weiteren Schritt wieder digitalisiert werden müssten. Gleichzeitig biete der Neustart aber auch die Chance, mit einer schlankeren und modernisierten IT-Infrastruktur aus der Krise hervorzugehen.
Bei dem Cyberangriff auf die Bezirkskliniken Mittelfranken legten Hacker nicht nur die IT-Systeme lahm, sondern entwendeten auch personenbezogene und unternehmensinterne Daten. Laut der Mitteilung sei nicht ausgeschlossen, dass die Erpresser diese Informationen veröffentlichen, um den Druck auf den Klinikverbund zu erhöhen. Trotz dieser Bedrohung blieben die Bezirkskliniken bei ihrer Haltung, keine Verhandlungen mit den Tätern aufzunehmen oder Lösegeld zu zahlen.
„Wir sind auf dieses Szenario vorbereitet und können es gleichzeitig nicht verhindern. Selbst wenn wir auf Forderungen der Hacker eingingen, gäbe uns das keinerlei Sicherheit. Deshalb bleiben wir bei unserer Haltung, dass wir mit Kriminellen keine Absprachen treffen. Für die Folgen, die sich daraus für Patientinnen und Patienten, Mitarbeitende, Geschäftspartner und weitere Personen ergeben, können wir uns nur entschuldigen“, sagt Vorstand Dr. Matthias Keilen in der Mitteilung.
Der Verwaltungsrat der Bezirksklinken Mittelfranken und die Politik unterstützen diese entschiedene Haltung ausdrücklich. „Der Staat darf sich nicht erpressen lassen“, betont Peter Daniel Forster, Bezirkstagspräsident und Verwaltungsratsvorsitzender der Bezirkskliniken Mittelfranken. „Deshalb werden wir dem Druck, der durch eine Veröffentlichung von persönlichen und vertraulichen Daten aufgebaut wird, auch nicht nachgeben. Diese Entscheidung haben wir als Verwaltungsrat gemeinsam mit der Unternehmensleitung der Bezirkskliniken Mittelfranken getroffen, und zu dieser Entscheidung stehen wir.“
Die Bezirkskliniken Mittelfranken seien mit dem Hackerangriff kein Einzelfall. Wie in der Pressemitteilung geschrieben wird, fielen allein in diesem Jahr mehrere Krankenhäuser einem Cyberangriff zum Opfer, unter anderem die Caritas-Klinik Dominikus in Berlin-Reinickendorf oder das Dreifaltigkeits-Hospital in Lippstadt, ein katholischer Verbund mit drei Kliniken. Das Bundeskriminalamt zählte 2022 mehr als 130.000 Fälle von Cyberkriminalität in Deutschland.
Vor diesem Hintergrund sehe Keilen die Politik in der Verantwortung: „Die Kliniken in Deutschland sind schon länger einem enormen Kostendruck ausgesetzt. Dieser wird durch die Anforderungen des Krankenhauszukunftsgesetzes und jetzt zusätzlich durch die Notwendigkeit, in IT-Sicherheit zu investieren, weiter verschärft. Die Politik muss hier Lösungen erarbeiten und ausreichende Mittel bereitstellen, um die IT-Systeme von Gesundheitseinrichtungen wirksam zu schützen“, so Matthias Keilen in der Pressemitteilung.