Die Bundestagswahl 2025 ist vorbei. Die Wahlplakate werden so langsam abgehängt. Aber was passiert jetzt? Wie und wo werden sie entsorgt? An manchen Orten in der Region haben sie bereits Spuren hinterlassen.
Die Laternenmasten waren zuletzt zugekleistert mit Plakaten. CSU, Grüne, SPD, AfD, Freie Wähler, ÖDP und mehr – alle wollten ihre Kandidaten vorstellen und knappe Statements setzen. Nun, wo die Kreuzchen gesetzt sind, muss alles wieder ab. Darum kümmern sich Ortsverbände.
Armin Lauermann ist ehemaliger Inhaber einer Druckerei und wandte sich an die Redaktion: Ihm ist aufgefallen, dass der Großteil der Parteien keine Papierplakate mehr verwendet, sondern Hohlkammerplakate aus Kunststoff. Er fragt sich, ob diese sachgemäß recycelt werden. Durch seinen Hintergrund weiß er, dass viele Herstellerfirmen die Plakate zurücknehmen und aufbereiten. In einer Mail schreibt er außerdem: „Ärgerlich ist es, wenn die Parteien die abgezwickten Kabelbinder einfach auf den Wegen liegen lassen (der Weg in die Gewässer ist nicht weit).“
Eine stichpunkartige Nachfrage bei den Parteien ergab Unterschiedliches. Herbert Lindörfer, Bundeswahlkreisgeschäftsführer der CSU in Ansbach, erklärt auf Nachfrage, dass die Christsozialen seit Jahren Hohlkammerplakate verwenden. Um das Abhängen kümmern sich dann Ehrenamtliche. Was die herumliegenden Kabelbinder angeht, sagt Lindörfer, dass die Ortsverbände angehalten sind, sie einzusammeln. Aber „das können wir nicht kontrollieren“. Die alten Plakate werden an den Hersteller zurückgeschickt. Dort sollen sie recycelt werden.
Beim Ansbacher Kreisverband der Grünen gab es bei der Plakatierung zur diesjährigen Bundestagswahl einige Veränderungen. Normalerweise verwendet die Partei Papierplakate, die auf Holzplatten (angefertigt von der Lebenshilfe Feuchtwangen) geklebt werden. Bei der nächsten Wahl werden sie überklebt – wenn sie aufgrund der Witterung nicht eh schon zersetzt sind. Denn das ist ein Nachteil an der nachhaltigeren Variante.
Diesmal setzten die Grünen jedoch aufgrund der Kurzfristigkeit zum Teil auch auf andere Plakate, wie die Ansbacher Kreissprecherin Franziska Wurzinger erklärt. Diese bestünden zu 90 bis 100 Prozent aus Holzfasern und könnten im Altpapier recycelt werden. „Der PE-Anteil als Feuchtigkeitsbarriere ist auf ein absolutes Minimum reduziert und kann im Recyclingprozess von den Papierfasern getrennt werden.“ Den Mitgliedern werde empfohlen, sie über die örtlichen Wertstoffhöfe oder andere Sammelstellen für Altpapier zu entsorgen. Diese Plakate wurden nur für das Gesicht des Direktkandidaten im Bundeswahlkreis Ansbach verwendet.
Die Themenplakate hingegen klebten wie gehabt in Form von Papier auf Holz. „Selbstverständlich“ achten die Grünen darauf, Kabelbinder sachgemäß zu entsorgen. Lauermanns Kritik kann die Sprecherin aber „total verstehen“.
Neben der CSU setzen auch die anderen Parteien auf die Variante aus Kunststoff. Das sei „am praktischsten und haltbarsten“, sagt Hans Henninger, Vorsitzender der Freien Wähler im Kreisverband Ansbach Land. Während die CSU ihre Plakate zurückschickt, bringen sie die Freien Wähler einer Firma in Ellingen, die ihnen ein zweites Leben gibt. „Diese Empfehlung haben wir zumindest gegeben“, so Henninger. Die Kritik an herumliegenden Kabelbindern kann er verstehen: „Ich schneide sie immer ab. Aber es gibt – wie bei allem – eben Schlamper und Saubere.“
Auch Bernhard Schurz, Vorsitzender des Neustädter Kreisverbands der SPD, achtet darauf, dass die Wahlplakate sachgerecht entsorgt werden. „Aber hundert Prozent versprechen geht nicht.“ Schließlich sind fürs Abnehmen und Entsorgen die Ortsverbände zuständig. Auch die SPD setzt seit Langem auf die Plakate aus Kunststoff. Gerade im Winter sei das Papier unpraktisch, sagt Schurz. Bei den Kommunalwahlen 2020, so erinnert er sich, habe die SPD aber noch zur Hälfte mit Papierplakaten gearbeitet.
Entsorgt werden die Hohlkammerplakate beim Wertstoffhof. „Sie kommen dort in einen Behälter für eine bestimmte Kunststoffart“ und sollen dann recycelt werden. An den Hersteller gehen sie also nicht zurück: „Haben wir bisher nicht gemacht.“
Der Neustädter ÖDP-Kreisverband hat diesmal aufgrund der „verkürzten Darstellung“ von Plakaten gänzlich auf sie verzichtet, wie der Vorsitzende Harald Kempe erklärt. So entstand dort also auch gar nicht erst die Frage nach der Entsorgung.
Warum bleiben also trotzdem oft Kabelbinder liegen? Eine Erklärung könnten jene Parteien sein, die in der Region nicht direkt vertreten sind und das Abhängen der Plakate auf Dienstleister abwälzen.