Sechs Wochen ist es her, dass 37 Bewohnende der Wohnanlage in der Herbartstraße bei einem verheerenden Brand ihre Bleibe und große Teile ihrer Habe verloren haben. Und während die Soforthilfen angelaufen sind (siehe Kasten), wird klar, dass es – je nach Schadensumfang – Jahre dauern kann, bis die Wohnungen wieder bezogen werden können.
Die Joseph-Stiftung, der die Wohnanlage gehört, hat inzwischen eine erste Schadensbilanz gezogen. Fest steht, dass entgegen erster Hoffnungen weiterhin keine der betroffenen 22 Wohnungen wieder bezogen werden kann. Zehn Mieter hätten bereits dauerhaft in eine Ersatzunterkunft umziehen können, erklärte die Stiftung auf FLZ-Anfrage. Weiteren Mietern habe man Hilfe bei der Wohnungssuche angeboten. Alle 37 betroffenen Personen seien untergebracht, bestätigt die Stadtverwaltung: „Es gibt keine Obdachlosen”, so Kämmerer Christian Jakobs.
Doch wann werden die Mieter in ihre Wohnungen zurückkehren können – falls sie es überhaupt wollen? Im direkt vom Brand betroffenen Haus seien elf Wohnungen nicht mehr bewohnbar, so die Joseph-Stiftung. Hier müsse der Hausrat entsorgt und das Gebäude dekontaminiert werden.
Ob eine Sanierung des Gebäudes möglich ist, stehe bislang nicht endgültig fest. Wenn ja, würde das bedeuten, den Gebäudeteil bis auf den Rohbau zurückzubauen. Das heißt, es müssten Bodenaufbau, Installationen, Schächte, Wand- und Deckenaufbauten sowie Fenster und Türen komplett erneuert werden.
Erst während dieses Rückbaus wird das genaue Schadensausmaß sichtbar, weil „die Gebäudestruktur auf Feuchtigkeit und Kontamination untersucht werden muss”, so die Stiftung. Man schätzt, dass eine mögliche Sanierung dieses Gebäudeteils ein bis eineinhalb Jahre dauern wird.
Im zweiten Haus wurden elf Wohnungen vorwiegend vom Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen. Vier davon seien aufgrund der Wasserschäden und des Rußeintrags aktuell nicht bewohnbar, so die Stiftung. Die Trocknungs- und Dekontaminations-Maßnahmen würden voraussichtlich mehrere Monate dauern.
Die übrigen sieben Wohnungen sind nach aktuellem Stand weniger betroffen, dürfen aber trotzdem nicht freigegeben werden. Hintergrund: Das Gebäude wurde im Jahr 2013 zwar nach den damals geltenden Richtlinien errichtet, ordnungsgemäß abgenommen und übergeben. Doch den Brandexperten gibt die ungewöhnliche Brandausbreitung im anderen Gebäude zu denken. Vom Bauordnungsamt der Stadt sei deshalb die Aufforderung ergangen, zu untersuchen, ob ergänzende Maßnahmen notwendig sind, um eine Gefährdung der Bewohner auszuschließen.
Der notwendige Planungs- und Abstimmungsprozess laufe derzeit mit Hochdruck, sei aber Voraussetzung, damit die Mieter in ihre Wohnungen zurückkehren können. „Die Sicherheit der Wohnungen – und somit die Sicherheit der Menschen – hat für die Joseph-Stiftung ebenso wie für die zuständigen Behörden oberste Priorität” heißt es in der Stellungnahme weiter.
Welche Maßnahmen notwendig sind, soll bei einem Termin mit dem Bauordnungsamt Mitte des Monats erörtert werden. Je nachdem, wie umfangreich die notwendigen Maßnahmen ausfallen, könnten die Arbeiten mehrere Wochen dauern.
Die Joseph-Stiftung erklärt, Bauunternehmen seien informiert und stünden bereit, zeitnah mit der Umsetzung zu beginnen. Erst danach könnten die sieben Wohnungen wieder bezogen werden.
Die Joseph-Stiftung hat jedem der vom Brand betroffenen Haushalte eine Soforthilfe von mindestens 1000 Euro zugesagt. Die genaue Höhe richtet sich nach der Anzahl der Haushalts-Mitglieder, so die Stiftung auf FLZ-Anfrage. Die Gesamtsumme von 23.500 Euro sei in der vergangenen Woche ausgezahlt worden.