Als Karl Fickel 2020 seine dritte Amtszeit als Bürgermeister von Gerolfingen antrat, war für ihn bereits klar, dass diese zugleich seine letzte sein wird. In ein paar Wochen wird Fickel 69 Jahre alt. Für ihn ist es daher genau der richtige Zeitpunkt, wenn die Amtsgeschäfte am 1. Mai auf seine Nachfolgerin Nicole Ströhlein übergehen.
Insoweit falle es ihm im Grunde nicht schwer, das Amt abzugeben, bekennt Karl Fickel, der bei der Kommunalwahl am 8. März nicht mehr kandidiert hatte. „Es ist gut so wie es ist”, sagt er, wenngleich er die Zusammenarbeit mit dem Personal der Verwaltung und mit den Bürgermeisterkollegen sowie den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern schon vermissen werde. Seine Nachfolgerin hat er bereits mit ins Boot geholt und sie beispielsweise in die Haushaltsberatungen mit einbezogen oder zu Gesprächen wegen des anstehenden Kirchentages auf dem Hesselberg mitgenommen.
Als Karl Fickel bei der Vorbereitung seiner letzten Bürgerversammlungen einen Blick in alte Protokolle warf, wurde ihm erst bewusst, wie viele Themen in seiner 18-jährigen Amtszeit von ihm, der Verwaltung und dem Gemeinderat behandelt wurden. Und meistens sei man sich im Gremium auch einig gewesen, Projekte gemeinsam anzupacken. Darauf ist Fickel in jedem Fall stolz.
Und das Geleistete kann sich durchaus sehen lassen. So war Gerolfingen als kleinste der drei Gemeinden des Zweckverbandes Römerkastell Ruffenhofen Bauherrin des 2011/2012 errichteten Limeseums. Der Gemeinderat hatte für das Großprojekt die maßgeblichen Beschlüsse zu fassen, wenn auch in Abstimmung mit den mitbeteiligten Kommunen Weiltingen und Wittelshofen. „Das waren schon gewaltige Kraftakte, die es zu stemmen galt.”
In seine Amtszeit fielen auch die Zusammenführung der Freiwilligen Feuerwehren im Gemeindegebiet, verbunden mit dem Bau eines neuen, modernen Gerätehauses, sowie der Bau der Umgehungsstraße, gegen die es auch Widerstand gab. Der damalige Bürgerentscheid zählt zu den schwierigen Momenten in Fickels Amtszeit.
Was ihn zudem schmerze, sei der Umstand, dass das jahrelange Ringen um den Ausbau einer bestimmten Siedlungsstraße nicht mehr in seiner Amtszeit zu einem Ende geführt werden kann. Es geht dabei um unterschiedliche Auffassungen zur Beitragspflicht. Solche Fälle gebe es in anderen Kommunen aber auch, so Fickel. Gerne zu Ende gebracht hätte der scheidende Rathauschef auch die Dorferneuerung in Aufkirchen. „Dort bauen wir ja schon seit Jahren.” Aber manche Projekte brauchten halt einfach Zeit.
Zu den schönen Momenten zählt Fickel die Fertigstellung von Projekten, wenn Neues seiner Bestimmung übergeben oder eingeweiht wird, wie beispielsweise vor nicht allzu langer Zeit der Kiosk auf dem Hesselberggipfel, der in interkommunaler Zusammenarbeit aufgewertet wurde. Und dann gab es da natürlich noch die Trauungen, die er als ehrenamtlicher Bürgermeister halten durfte. Dies seien stets sehr feierliche Anlässe gewesen, berichtet Karl Fickel. „Das hab ich eigentlich immer ganz gerne gemacht.”
Seiner Nachfolgerin Nicole Ströhlein wünscht der scheidende Bürgermeister ein glückliches Händchen bei ihren Entscheidungen, „dass sie ihren eigenen Weg findet” sowie „bei manchen Dingen ein bisschen mehr Gelassenheit” als er sie hie und da selbst aufgebracht habe. „Ich bin da manchmal nicht der ganz ruhige Mensch gewesen.”
Karl Fickel will sich ab dem 1. Mai ganz auf sein Privatleben konzentrieren. Auch seine Posten im Zweckverband Römerkastell Ruffenhofen sowie im neu fusionierten Wasserversorgungszweckverband wird er bei nächster Gelegenheit abgeben. Konkrete Pläne hat der 68-Jährige für die kommende Zeit noch nicht. Er will sich jedenfalls mehr Zeit für seine Familie nehmen, im Ackerbaubetrieb des Sohnes mithelfen und – wenn gewünscht – sich auch ehrenamtlich engagieren. Vor allem ist ihm aber eines wichtig: Möglichst lange gesund zu bleiben.