Sicherheit ist „nicht sexy, aber wichtig“. Deswegen sollten auch Museen sich darum kümmern. Das betonte Simone Schön von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen. Sie ist dort für den Bereich „Museale Sicherheit und Prävention“ zuständig und war auf Einladung des Arbeitskreises Westmittelfränkischer Museen nach Uffenheim ins Gollachgaumuseum gekommen.
Wie aktuell das Thema ist, zeigten vor allem zwei Diebstahlsvorfälle, einer im Muna-Museum in Marktbergel und einer in den Museen im Alten Schloss in Neustadt. Im Muna-Museum, dessen Schwerpunkt auf der Militärgeschichte liegt, war vor nunmehr einem Jahr eingebrochen worden. Während andere Silvester feierten, war der Dieb eingestiegen und hatte sich an den Militaria aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs bedient. Zwar sei der Täter mittlerweile gefasst, aber die entwendeten Exponate seien nicht mehr aufzufinden. Das berichtete Friedrich Wittmann, Vorsitzender des verantwortlichen Trägervereins.
„Der Täter hat sich Zeit gelassen und er hat sich ausgekannt“, so Wittmann. Besonders bitter: Es war ein Mitglied aus den eigenen Reihen. Der Mann sei dem Verein kurz zuvor beigetreten, hatte sich das Vertrauen der Kameraden erschlichen und dann schamlos ausgenutzt. In der Silvesternacht schließlich habe er sich viel Zeit gelassen, habe die Flex ausgepackt und die Eisentür aus der Verankerung geschnitten.
Nachdem er sich Zugang zum Museum verschafft hatte, war er gezielt vorgegangen. Ihn interessierten ausschließlich Objekte aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, darunter ein Säbel im Wert von mehreren tausend Euro, eine Hitler-Büste und eine Kapsel für Zyankalitabletten. Für solche Sachen gebe es „einen enormen Markt“, so Wittmann. Für das Museum bedeutet dieser Diebstahl einen herben Verlust an Exponaten. Nicht so sehr wegen des monetären Wertes der Objekte, sondern weil viele der Exponate aufgrund ihrer Seltenheit schlichtweg nicht zu ersetzen sind.
Mit einem ähnlich dreisten Dieb hatte es jüngst auch Jochen Ringer, Leiter der Museen im Alten Schloss in Neustadt, zu tun. Allerdings war der Täter in diesem Fall nicht nachts gekommen, sondern zu den normalen Öffnungszeiten. Sein Ziel: Der Bereich „Militaria“ im begehbaren Schaudepot. Dort habe der Täter je einen Helm von einem der Podeste genommen, auf denen jeweils insgesamt vier Helme platziert worden waren, so Ringer. Die zurück gelassenen Exponate habe der Täter anschließend neu arrangiert. „Es ist optisch nicht aufgefallen, da war keine Lücke. Deswegen ist auch lange überhaupt nicht aufgefallen, dass etwas gestohlen worden war“, berichtete Ringer.
Ein „kurioses Phänomen“ zeigt sich indes immer mal wieder im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim. „Bei uns wird eher was dazu gestellt, als gestohlen“, erzählte Dr. Markus Rodenberg, stellvertretender Leiter des Freilandmuseums und zugleich Teamleiter des Bereichs „Wissenschaft und Sammlung“.
Insgesamt habe man in der Einrichtung wenig schlechte Erfahrungen gemacht. So passiere angesichts der Vielzahl an Besuchern nicht besonders viel. Diskutiert werde das Thema Sicherheit aber auch im Freilandmuseum, seitdem es dieses gebe, erklärte Rodenberg. Letztlich sei es immer ein Abwägen. Etwas Wertvolles sei aber auch im Freilandmuseum schon einmal gestohlen worden: Als im Jagdschlösschen eine Sonderausstellung gezeigt wurde, verschwand eine Armbrust, die eine Leihgabe des Münchner Jagd- und Fischereimuseums gewesen war.
Genauso wie beim Muna-Museum ist mittlerweile auch in den Museen im Alten Schloss in Sachen Sicherheit nachgebessert worden. Das will nun auch Dr. Wolfgang Reddig in seinem Haus tun. Er leitet das Markgrafenmuseum in Ansbach und ist Vorsitzender des Arbeitskreises Westmittelfränkischer Museen. „Einiges habe ich in Bezug auf die Sicherheit bereits unternommen, aber ich glaube, ich muss demnächst mal ein paar Telefonate machen.“ Schließlich liege das Markgrafenmuseum nahe der Rezat.
Denn nicht nur Diebe sind eine Gefahr für das Sammlungsgut von Museen, sondern durchaus auch Hochwasser, Hagel oder Erdrutsche, wie Simone Schön betonte. In diesem Zusammenhang erinnerte sie an das Kloster in Benediktbeuern. Ein zehnminütiger Hagelsturm habe das Gebäude in ein Trümmerfeld verwandelt. Aber auch Datendiebstahl, Brand und Vandalismus seien Themen, mit denen sich die Verantwortlichen der Museen auseinandersetzen müssten, so Schön. Dabei müsse jeder ein für sein Haus passendes Konzept entwerfen.