Die Debatte um das Gutenstettener Pfarrhaus ist zu Ende. Bei der Sitzung der Kirchenvorstände Münchsteinach, Gutenstetten und Reinhardshofen stimmten die Gremien für einen Vorschlag, der auf Mitgliederzahlen basiert. So schicken die Münchsteinacher nun 113.000 Euro aus der Ablöse der Baulast, die von der Landeskirche nach Münchsteinach geflossen war, nach Gutenstetten.
Viel Unmut hatte in Münchsteinach geherrscht, als erstmals Informationen zur finanziellen Unterstützung für die Sanierung des Pfarrhauses in Gutenstetten durchgesickert waren. Am Dienstagabend folgte in der „Münsterklause“ die entsprechende Versammlung zum Thema, zu der sich tatsächlich knapp 20 Zuhörer eingefunden hatten – eine Ausnahme, aber nicht überraschend.
Eine Überraschung gab es allerdings dennoch: Die Initiatoren der Münchsteinacher Proteste, die 190 Unterschriften gesammelt hatten – Dr. Erich Zimmermann und Ursula Schenke – waren nicht im Publikum. Zimmermann hatte in einer E-Mail gegenüber unserer Redaktion seine Unzufriedenheit bereits vorab zum Ausdruck gebracht und eigenen Worten zufolge „aus gut unterrichteten Kreisen“ von einem nicht-öffentlichen Treffen erfahren, das schon im Vorfeld stattgefunden habe.
Mit einer Andacht eröffnete Pfarrer Sebastian Schultheiß die Sitzung und bezog sich dabei auf König Salomon und dessen berühmtes Urteil. Eine ähnlich weise Entscheidung wünsche er sich auch für die heutige Sitzung, so der Geistliche. Anschließend erklärte Dekanin (und Sitzungsleiterin) Ursula Brecht, dass Nicole Götz und Bernd Kaiser, bisher Mitglieder der Münchsteinacher Kirchenvorstandschaft, im Vorfeld ihren Rücktritt eingereicht hatten.
Mit zwei verbliebenen Mitgliedern im Münchsteinacher Gremium, Simon Diehm und Reinhold Pachtner, nahm sich die Versammlung dann des Kernthemas an – dem Finanzierungsplan für die Sanierung des Gutenstettener Pfarrhauses. Pachtner war es, der einen neuen Vorschlag einbrachte. Demnach sollten die Kirchengemeinden anteilig ihrer Mitgliederzahlen pro Kopf rund 180 Euro einbringen. Dieser Schlüssel bedeute für Münchsteinach Kosten in Höhe von rund 113.000 Euro, für Gutenstetten rund 103.000 Euro und für Reinhardshofen rund 35.000 Euro. Darüber hinaus solle die Kirchengemeinde Münchsteinach bei einem möglichen Verkauf des Pfarrhauses in Höhe der eingebrachten Summe finanziell entschädigt werden.
Weiter ging es mit einer Einschätzung der drei Kirchenpfleger. Während sich Heidi König (verantwortlich für Gutenstetten) und Volker Hofmann (Reinhardshofen) kurz und knapp für die finanzielle Unterstützung aussprachen, vertrat Gerhard Diller (Münchsteinach) eine andere Position. Er erinnerte an eine Entscheidung aus dem Jahr 2020, wonach die Münchsteinacher Kirchenvorstandschaft „nur dann für die Sanierung ist, wenn sie von der Landeskirche komplett getragen wird“.
Darüber hinaus ging Diller auf die finanzielle Situation „seiner“ Kirchengemeinde ein. So gebe es rund 90.000 Euro an Rücklagen, denen allerdings neue Investitionen wie unter anderem der Austausch der Fenster in der „Münsterklause“ (rund 50.000 Euro) und eine neue Heizung (rund 60.000 Euro) entgegenstehen. „In meinen Augen muss die Auslöse hier vor Ort verwendet werden, sonst entsteht eine unverantwortliche Situation.“
Nachdem Carina Scherer vom Dekanat anschließend den Finanzierungsplan von Anfang Mai in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro erläutert hatte, nannte Pfarrer Schultheiß die anstehende Entscheidung einen „potenziellen Modellfall“, der – in Bezug auf die finanzielle Unterstützung aus der Politik – „wegweisend“ sei. Daraufhin meldete sich Bürgermeister Jürgen Riedel aus dem Publikum mit einer Nachfrage: „Was passiert, wenn die Kosten steigen?“ Eine Antwort darauf gab es vorerst nicht.
Es folgte eine kurze Pause, bevor die Versammlung dann ihre finale Entscheidung traf. Das Münchsteinacher Gremium folgte Pachtners Vorschlägen, wonach sich die Kirchengemeinde mit rund 113.000 Euro an der Finanzierung der Pfarrhaussanierung in Gutenstetten beteiligt. Bei möglichen Verkaufserlösen des Pfarrhauses fließen bis zu 113.000 Euro an die Kirchengemeinde zurück. 25.000 Euro aus der Ablöse der staatlichen Baulast über insgesamt rund 150.000 Euro werden zur Darlehenstilgung verwendet, beziehungsweise gehen in das Grundstockvermögen der „Münsterklause“.
Im Anschluss fasste die Versammlung einen weiteren Beschluss – und beantwortete somit indirekt die Nachfrage von Bürgermeister Riedel: Alle drei Kirchengemeinden wollen sich bei möglichen Mehrkosten der Sanierung nicht weiter finanziell beteiligen. Ob und wie die Landeskirche im Falle einer Kostensteigerung agiert, bleibt allerdings unklar: Eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion soll laut Pressestelle voraussichtlich bis zum nächsten Montag beantwortet werden.