Premiere beim Brauereifest in Reichelshofen. Erstmals wurde dort eine Kerwa-Madla Olympiade ausgetragen – mit fantasievollen Disziplinen.
„Mona ist jetzt eine Legende”, sagt mittendrin im allgemeinen Glückwunsch-Gewusel einer anerkennend. Dabei weiß er da noch gar nicht, was da wenige Augenblicke später noch kommen wird: Am Tisch der Dorfjugend Ermetzhofen wird kostenlos kräftig aufgefahren. Schinken, Käse, Wurst, Brot und Butter auf dicken Brettern. Und: Ein Fässchen Bier.
All das nämlich hat Mona Hirt gerade für ihre Gruppe erspielt – bei der ersten Landwehr-Bräu Kerwa-Madla Olympiade. Die 23-Jährige gewann. Und geht damit also als erste Landwehr-Bräu Kerwa-Madla Olympiade-Siegerin in die Geschichtsbücher ein, wie einer der Kerwabuam allen bewusst macht.
Das Brauereifest in Reichelshofen – ein Gemeindeteil von Steinsfeld, zwar noch im Landkreis Ansbach gelegen, aber nicht weit entfernt vom Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim – am ersten Augustwochenende hat Tradition als großes Treffen der Land- und Dorfjugendvereine. Im offiziellen Programm heißt das so: „14. Fränkisches Kirchweihburschentreffen“.
Um die 2000 bis 3000 junge Menschen kommen da Jahr für Jahr zusammen; diesmal sogar besonders viele, weil das Bad Windsheimer Weinturm Open-Air-Festival, das sonst in direkter zeitlicher Konkurrenz steht, erst in einer Woche stattfindet. Shuttle-Busse sorgen dafür, dass das An- und vor allem Heimfahren im eigenen Auto nicht unbedingt nötig ist.
Für 2025 hat sich Veranstalter Landwehr-Bräu einen neuen Programmpunkt überlegt: Die Kerwa-Madla Olympiade. Keine absolute Neuerfindung, wie Gerhard Ilgenfritz, der geschäftsführende Gesellschafter, einräumt: Der Vorläufer-Wettbewerb fand in Gunzenhausen statt. Aber da er dort nicht mehr durchgeführt wird, ist jetzt eben Reichelshofen zum ersten Mal Austragungsort.
Maximal sechs Startplätze waren für die Premiere vorgesehen, erzählt Lorenz Hausmann, Juniorchef des Brauereigasthofs und Organisator des Wettbewerbs. Im Vorfeld lief ein Bewerbungsverfahren. Allerdings: Der Ansturm war nicht allzu groß. Und einige der ausgewählten Teilnehmerinnen sagten kurzfristig ab. Daher stellt sich Bierkönigin Maria I. zu Festbeginn am Samstagnachmittag in den Eingangsbereich und spricht Kerwa-Madla direkt an. Mit Erfolg. Fünf Starterinnen kommen so zusammen. Und haben dann auch noch Glück, weil die Wolken aufreißen und die Sonne scheint.
Mona Hirt gehörte zu denen, die sich spontan entscheiden. „Ich hatte zwar vorher davon gehört und kurz überlegt, dass das ein Spaß sein könnte, aber dann hab ich mich nicht weiter darum gekümmert“, erzählt sie. Jetzt ist sie sofort dabei. Und fragt erst nach dem Ja, worauf sie sich da überhaupt eingelassen hat.
Vier Disziplinen stehen an. Nummer eins: Ein Franken-Kirchweih-Bier-Quiz mit Fragen wie „In welchem Jahr wurde Bayern an Franken angeschlossen?“ oder „Mit welchem Ereignis hatte die klassische fränkische Kirchweih ihren Ursprung?“ Nummer zwei: Auf einem abenteuerlich-aussehenden Standfahrrad in die Pedale treten, mit der Folge, dass aus einem Hahn Bier in einen Maßkrug fließt. Es gilt, solange zu treten, bis der Maßkrug voll ist. Der muss dann aber noch von einem Kärwa-Buam ausgetrunken werden. Und das alles auf Zeit.
Nummer drei: Ein möglichst originelles Kirchweihlied singen. Nummer vier: Ein Fass anstechen, wobei Schürze, Hahn und Schlegel als Zubehör erst durch Sprints über den Platz bei Bierkönigin Maria abgeholt werden müssen. Auch das wieder auf Zeit.
Dirndl wäre bei all dem laut Ausschreibung Pflicht gewesen. Aber weil es dann eben auch kurzfristig ging, darf Denise aus Kammerstein mit Jeans und Kerwa-Madla-T-Shirt mitspielen. Was unterm Strich wahrscheinlich weder vor- noch nachteilhaft ist. Probleme bereiten ihr dafür ihre langen Beine, auf die das Standfahrrad nicht ausgerichtet ist. Sattel höher machen? Geht leider nicht. Also bleibt nur ein ungewöhnlicher Radelstil, um sich nicht ständig die Knie am Lenker anzuschlagen.
Gute eineinhalb Stunden gilt es dann zu warten – und selbstverständlich mit den anderen zu feiern –, bis die Siegerin auf der Bühne verkündet wird. Und Mona Hirt Ruhm und Ehre, Anerkennung, Preise fürs Team, aber auch einen Gutschein für eine Übernachtung samt Abendessen im Gasthof – und einen Kerwa-Madla-Olympiade-Siegerinnen-Krug in Empfang nehmen kann.
Die 23-Jährige, die als Erzieherin in Diespeck (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) arbeitet, kommt regelmäßig zum Brauereifest. „Da trifft man so viele Leute, die man kennt, kann mal mit dem kurz reden, dann mit dem …“.
Auch im Alltag ist sie bei der Dorfjugend engagiert, ist in Ermetzhofen, einem Gemeindeteil von Ergersheim, zweite Vereinsvorsitzende. Die Hauptaufgabe des Vereins beschreibt sie so: Vorbereitung und Organisation der Dorfkirchweih. Im dorfeigenen Jugendraum können sie sich regelmäßig treffen. Selbst einen kleinen Kärwa-Umzug mit zwei, drei Wagen stellen sie jedes Jahr auf die Beine. „Da hilft es, dass wir ein paar Zimmerer dabei haben.”
Ihre Liebe zur Kirchweih ist ihr seit vergangenem Jahr sogar am Knöchel anzusehen. Ein kleines Tattoo zeigt einen vollen Bierkrug mit prächtigem Schaum – Ergebnis einer Kirchweihwette. Elf der etwa 25 Vereinsmitglieder haben mitgemacht, erzählt sie.
Noch hat sie ein paar Jahre Zeit, sich weiter im Dorfjugend-Verein zu engagieren. Erst der 30. Geburtstag bringt das Zwangs-Aus. Oder eine Heirat. Also mit der Hochzeit bis zum 30. Geburtstag warten? Sie zögert einen Moment. „Mein Freund ist ja schon 27“, sagt sie dann. „Wenn der mich fragt, heirate ich ihn. Denn den liebe ich.“
Er hat übrigens auch einen kleinen Anteil am neuen Legenden-Status von Mona Hirt. Denn er hat im Wettbewerb den durchs Fahrrad-Strampeln gefüllten Bierkrug souverän geleert. „Klar“, sagt sie lachend, „ich wusste, dass er das kann“.